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Praxisnachrichten

Indikationsspektrum für psychiatrische Krankenpflege erweitert

18.10.2018 - Das Indikationsspektrum für psychiatrische häusliche Krankenpflege wird breiter. Der Gemeinsame Bundesausschuss hat die Liste der Regelindikationen erweitert und Kriterien festgelegt, in welchen Fällen eine Verordnung darüber hinaus möglich ist.

Liste der Regelindikationen wird erweitert

Die Liste der Regelindikationen umfasst alle Indikationen, bei denen grundsätzlich Anspruch auf psychiatrische häusliche Krankenpflege besteht. Durch ihre Erweiterung können Vertragsärzte künftig beispielsweise auch bei posttraumatischen Belastungsstörungen oder schweren psychischen Verhaltensstörungen im Wochenbett eine Verordnung ausstellen (s. Infokasten unten).

Öffnungsklausel für weitere Indikationen

Außerdem hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Öffnungsklausel beschlossen: Neben den Regelindikationen darf psychiatrische häusliche Krankenpflege künftig auch bei allen anderen ICD-10-GM-Diagnosen aus dem Indikationsbereich F00 – F99 verordnet werden, wenn bestimmte Voraussetzungen erfüllt sind.

Zum einen müssen Fähigkeitsstörungen in einem Maß vorliegen, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann (spiegelt sich in einem GAF-Wert von ≤ 40 wider).

Zudem muss eine ausreichende Behandlungsfähigkeit bestehen, um im Pflegeprozess die Fähigkeitsstörungen positiv beeinflussen zu können. Darüber hinaus muss absehbar sein, dass psychiatrische häusliche Krankenpflege dazu beitragen kann, dass der Patient das Leben im Alltag selbstständig bewältigen und koordinieren sowie Therapiemaßnahmen in Anspruch nehmen kann.

Neu: Ärzte müssen GAF-Wert angeben

Der Beschluss sieht zudem vor, dass Vertragsärzte künftig die sogenannte GAF-Skala anwenden müssen, wenn sie psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen. Die Verordnung kann aufgrund von Regelindikationen nur erfolgen, wenn ein GAF-Wert ≤ 50 vorliegt. Für eine Verordnung aufgrund einer Erkrankung, die unter die Öffnungsklausel fällt, muss ein GAF-Wert ≤ 40 vorliegt.

Bestimmt wird der GAF-Wert durch die Anwendung der sogenannten GAF-Skala, die zur Bestimmung des Ausmaßes der Fähigkeitsstörungen herangezogen wird. Die „Global Assessment of Functioning Scale“ (GAF-Skala) ist eine international wissenschaftlich anerkannte Klassifikation zur Beschreibung der psychischen, sozialen und beruflichen Funktionen von psychisch erkrankten Menschen.

Weitere Änderungen

Der G-BA-Beschluss sieht weitere Änderungen für die psychiatrische häusliche Krankenpflege vor. Diese betreffen unter anderem die verordnungsberechtigten Ärzte und die Verordnungsdauer (s. Übersicht unten).

Vergütung wird überprüft

Der Beschluss ist vergangene Woche in Kraft getreten. Nunmehr hat der Bewertungsausschuss sechs Monate Zeit die Vergütung zu überprüfen und anzupassen. Erst dann kommen die neuen Regelungen zur Verordnung psychiatrischer häuslicher Krankenpflege zur Anwendung.

Übersicht: Weitere Änderungen für die Verordnung psychiatrischer häuslicher Krankenpflege

Mehr Ärzte sind verordnungsberechtigt

Nach wie vor dürfen nur bestimmte Facharztgruppen psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen: Fachärzte für Nervenheilkunde, Neurologie, Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie sowie Fachärzte für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.

Jetzt hat der G-BA klargestellt, dass auch Fachärzte in psychiatrischen Institutsambulanzen Leistungen der psychiatrischen häuslichen Krankenpflege verordnen dürfen.

Der G-BA hat außerdem festgelegt, dass Hausärzte und Fachärzte mit Zusatzbezeichnung Psychotherapie für sechs Wochen psychiatrische häusliche Krankenpflege verordnen können. Voraussetzung ist, dass eine vom Facharzt gesicherte Diagnose vorliegt, die nicht älter als vier Monate ist.

Hausärzte können damit psychisch erkrankte Menschen mithilfe eines psychiatrischen Pflegeteams – insbesondere zur Überbrückung nach einem stationären Aufenthalt – in die fachärztliche Behandlung überleiten.

Neuerungen bei Häufigkeit und Dauer der Verordnung

Grundsätzlich ist die Verordnungsdauer je nach Einzelfall und in Abhängigkeit des individuellen Bedarfs zu bestimmen. Dabei ist die Dauer der Erstverordnung weiterhin nur dann auf 14 Tage zu beschränken, wenn der Arzt nicht einschätzen kann, ob der Patient über eine ausreichende Behandlungsfähigkeit verfügt, um die Fähigkeitsstörungen positiv beeinflussen zu können und das Therapieziel zu erreichen.

In diesen 14 Tagen ist zu prüfen, ob die Erarbeitung der Pflegeakzeptanz und der Beziehungsaufbau generell möglich sind. Kann dies nach 14 Tagen noch nicht eingeschätzt werden, kann künftig noch eine Folgeverordnung für weitere 14 Tage ausgestellt werden. Bisher war eine solche Verlängerung des Einschätzungszeitraumes nicht möglich.

Neu: Keine abnehmende Frequenz

Psychiatrische häusliche Krankenpflege kann wie bisher grundsätzlich bis zu vier Monate ohne weitere Begründung verordnet werden. Allerdings hat der G-BA die bisherige Vorgabe zur abnehmenden Frequenz gestrichen. Das heißt, die Abstände zwischen den Einheiten müssen nun nicht mehr größer werden.

Zukünftig besteht die Möglichkeit auch über vier Monate hinaus, psychiatrische häusliche Krankenpflege zu verordnen. Hierfür müssen die Notwendigkeit der Weiterführung und die zu erwartenden Verbesserungen der Fähigkeitsstörungen begründet werden. Dabei ist festzuhalten, dass psychiatrische häusliche Krankenpflege keine Leistung zur dauerhaften Begleitung oder Versorgung sein soll.

Psychiatrische häusliche Krankenpflege

Psychiatrische häusliche Krankenpflege kann bei psychisch kranken Patienten verordnet werden, wenn die krankheitsbedingten Fähigkeitsstörungen so stark sind, dass das Leben im Alltag nicht mehr selbständig bewältigt oder koordiniert werden kann. Bei bestimmten Indikationen besteht grundsätzlich Anspruch auf psychiatrische häusliche Krankenpflege (Regelindikationen).

Erweiterung der Regelindikationen

Die Liste der Regelindikationen, bei denen grundsätzlich Anspruch auf psychiatrische häusliche Krankenpflege besteht, wird laut Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) um die folgenden Indikationen erweitert:

  • F05.1 Delir bei Demenz
  • F33.1 Rezidivierende depressive Störung, gegenwärtig mittelgradige Episode
  • F42.1 Vorwiegende Zwangshandlungen
  • F42.2 Zwangsgedanken und -handlungen, gemischt
  • F43.1 Posttraumatische Belastungsstörung
  • F53.1 Schwere psychische Verhaltensstörung im Wochenbett
  • F60.3 Emotional instabile Persönlichkeitsstörung

(Quelle: Beschluss des G-BA vom 12. Oktober 2018 zur psychiatrischen häuslichen Krankenpflege)

Bisherige Liste der Regelindikationen

  • F00.1 Demenz bei Alzheimer-Krankheit, mit spätem Beginn (Typ 1)
  • F01.0 Vaskuläre Demenz mit akutem Beginn
  • F01.1 Multiinfarkt-Demenz
  • F01.2 Subkortikale vaskuläre Demenz
  • F02.0 Demenz bei Pick-Krankheit
  • F02.1 Demenz bei Creuztfeldt-Jakob-Krankheit
  • F02.2 Demenz bei Chorea Huntington
  • F02.3 Demenz bei primärem Parkinson-Syndrom
  • F02.4 Demenz bei HIV-Krankheit
  • F02.8 Demenz bei andernorts klassifizierten Krankheitsbildern
  • F04.- Organisches amnestisches Syndrom, nicht durch Alkohol oder andere psychotrope Substanzen bedingt
  • F06.0 Organische Halluzinose
  • F06.1 Organische katatone Störung
  • F06.2 Organische wahnhafte Störung
  • F06.3 Organische affektive Störungen
  • F06.4 Organische Angststörung
  • F06.5 Organische dissoziative Störung
  • F06.6 Organische emotional labile Störung
  • F07.0 Organische Persönlichkeitsstörung
  • F07.1 Postenzephalitisches Syndrom
  • F07.2 Organisches Psychosyndrom nach Schädelhirntrauma
  • F20.- Schizophrenie
  • F21.- Schizotype Störung
  • F22.- Anhaltende wahnhafte Störung
  • F24.- Induzierte wahnhafte Störung
  • F25.- Schizoaffektive Störung
  • F30.- Manische Episode
  • F31.- Bipolare affektive Störung mit Ausnahme von: F31.7 – F31.9
  • F32.- Depressive Episode mit Ausnahme von: F32.0, F32.1 und F32.9
  • F33.- Rezidivierende depressive Störung mit Ausnahme von: F33.0, F33.4, F33.8 und F33.9
  • F41.0 Panikstörung
  • F41.1 Generalisierte Angststörung

(Quelle: G-BA-Richtlinie über die Verordnung häuslicher Krankenpflege, Anlage Leistungsverzeichnis, Bemerkungen bei Leistungsziffer 27a)

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