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Forschungspreis zur Rolle der Ärzte in der NS-Zeit ausgelobt

01.11.2018 - Der Forschungspreis zur Rolle der Ärzteschaft in der Zeit des Nationalsozialismus ist zum siebten Mal ausgeschrieben worden. Mit dem „Herbert-Lewin-Preis“ werden seit 2006 alle zwei Jahre wissenschaftliche Arbeiten ausgezeichnet, die sich mit diesem Thema auseinandersetzen.

Ziel des Preises ist die historische Aufarbeitung, aber auch die Erinnerung an engagierte Ärzte und Zahnärzte, die in der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurden. Er wird von der KBV gemeinsam mit dem Bundesgesundheitsministerium, der Bundesärztekammer und der Bundeszahnärztekammer ausgelobt.

Gedenktafel am KBV-Gebäude

An die verfolgten und ermordeten jüdischen Ärzte sowie alle Opfer des Nationalsozialismus wird ab kommenden Donnerstag auch eine Gedenktafel am Standort der KBV am Herbert-Lewin-Platz in Berlin erinnern. Sie wird in Anwesenheit führender Politiker enthüllt, unter ihnen die Vize-Bundestagspräsidentin Petra Pau und Bundesgesundheitsminister Jens Spahn. Als Gast wird der stellvertretende Parlamentspräsident der israelischen Knesset, Yehiel Bar, erwartet.

Zudem wird mit einem von der KBV initiierten Forschungsprojekt jetzt auch die Rolle der Ärzte bei der Verdrängung und Vertreibung jüdischer Kollegen im Nationalsozialismus systematisch aufgearbeitet. Damit soll vor allem die bis heute nicht eindeutig geklärte Rolle der Kassenärztlichen Vereinigung Deutschlands (KVD) zwischen 1933 und 1945 untersucht und bisher unveröffentlichtes Quellenmaterial ausgewertet werden.

Auch Ärzte können sich bewerben

Für den jetzt ausgeschriebenen Forschungspreis können Ärzte, Zahnärzte und Psychotherapeuten (Einzelperson oder Gemeinschaften) sowie Studierende der Zahn- und Humanmedizin Arbeiten einreichen. Bewerben können sich zudem Wissenschaftler, die an medizinischen Fakultäten oder medizinhistorischen Instituten tätig sind.

Preis ist mit 15.000 Euro dotiert

Der Preis ist mit insgesamt 15.000 Euro dotiert. Er kann von der Jury auf verschiedene Arbeiten aufgeteilt werden. Zur Jury gehören neben Vertretern der Auslobenden auch der Zentralrat der Juden in Deutschland sowie der Bundesverband Jüdischer Ärzte und Psychologen in Deutschland.

Einsendeschluss ist der 14. Juni 2019

Die Arbeiten können an die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung, Abteilung Politik und Grundsatzfragen, Behrenstraße 42 in 10117 Berlin oder an herbert-lewin-preis@kzbv.de gesandt werden. Es werden nur Arbeiten berücksichtigt, die ab dem 1. Januar 2014 erstellt oder veröffentlicht wurden. Einsendeschluss ist der 14. Juni 2019.

Lebensdaten von Prof. Dr. Herbert Lewin

Prof. Dr. med. Herbert Lewin (1899-1982) war ein deutscher Arzt und von 1963 bis 1969 Vorsitzender des Zentralrates der Juden in Deutschland. Nach dem Medizinstudium und der Promotion 1924 arbeitete er in der jüdischen Poliklinik Berlin. 1932 reichte er eine Habilitationsschrift ein, die jedoch aus antisemitischen Gründen nicht akzeptiert wurde.

Lewin wurde 1941 deportiert und arbeitete in mehreren Konzentrationslagern als Häftlingsarzt. Seine Frau Alice, die er 1925 geheiratet hatte, starb in der KZ-Haft. Er kehrte aus der Haft zurück und wurde 1950 Chefarzt an der Städtischen Frauenklinik in Offenbach. Ein Jahr zuvor war Lewin die Berufung zunächst mit der Begründung verweigert worden, dass sich keine Frau ihm ruhigen Gewissens anvertrauen kann, da ihm das Rachegefühl eines KZ-Häftlings innewohne.

Im Oktober 2004 wurde der Platz an der Wegelystraße nach Herbert Lewin benannt. Dort hat neben der KBV auch die Bundesärztekammer ihren Sitz.

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