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Praxisnachrichten

Immer mehr Ärzte bilden in ihrer Praxis weiter

15.11.2018 - Immer mehr niedergelassene Ärzte bilden in ihrer Praxis junge Mediziner zum Facharzt aus. Im vergangenen Jahr haben über 11.000 Vertragsärzte einen Weiterbildungsassistenten beschäftigt – rund 1.900 mehr als im Jahr 2015.

Im Zeitraum zwischen 2015 und 2017 stieg die Anzahl der aktiven Weiterbilder in der allgemeinmedizinischen Versorgung von 4.834 auf 5.811 und in der allgemeinen fachärztlichen Versorgung von 2.786 auf 3.328. Die höchsten Zuwachsraten sind bei den Augen- sowie den Kinder- und Jugendärzten zu verzeichnen.

Das vor drei Jahren mit dem Versorgungsstärkungsgesetz im SGB V verankerte erweiterte „Förderprogramm Weiterbildung“, wodurch die Weiterbildung umfassender und attraktiver gefördert wird, zeigt somit erste Wirkung. Mit dem Programm wurden unter anderem die Zahl der Förderplätze angehoben und der monatliche Förderbetrag von 3.500 auf 4.800 Euro erhöht.

Viele positive Effekte

Die Beschäftigung eines Weiterbildungsassistenten in der Praxis habe in mehrerer Hinsicht positive Effekte, betonte der stellvertretende KBV-Vorstandsvorsitzende Dr. Stephan Hofmeister. „Junge Ärzte, die Teile ihrer Weiterbildung im ambulanten Bereich absolviert haben, lassen sich später eher nieder.“ Zudem entlasteten sie den Praxisalltag, ermöglichten fachlichen Austausch und entwickelten sich unter Umständen zum Nachfolger.

Dem Ärztemonitor 2018 zufolge hat inzwischen nahezu die Hälfte der befragten Vertragsärzte eine Befugnis zur Weiterbildung. Zudem gaben 58 Prozent der Befragten an, in den nächsten fünf Jahren einen Weiterbildungsassistenten in ihrer Praxis beschäftigen zu wollen. Der Ärztemonitor ist die deutschlandweit größte Befragung ambulant tätiger Ärzte und Psychotherapeuten, die die KBV und der NAV-Virchow-Bund alle zwei Jahre in Auftrag geben.

Fächer für Facharzt-Weiterbildung legen KVen fest

Bundesweit werden derzeit 7.500 allgemeinmedizinische Weiterbildungsstellen für den ambulanten und stationären Bereich gefördert. Weitere 1.000 Stellen stehen jährlich ausschließlich für die ambulante Weiterbildung von Fachärzten anderer Fächer wie Augenheilkunde, Kinder- und Jugendmedizin oder Gynäkologie bereit.

Welche Fächer es konkret sind, legen die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) gemeinsam mit den Krankenkassen vor Ort fest. So haben sie die Möglichkeit, Ärzte in den Fachgruppen weiterzubilden, die in der Region im ambulanten Bereich besonders benötigt werden.

Gehaltszuschuss für Ärzte in Weiterbildung

Der monatliche Gehaltszuschuss für Ärzte in Weiterbildung beträgt im ambulanten Bereich je Vollzeitstelle 4.800 Euro und orientiert sich damit an der im Krankenhaus üblichen Vergütung. In der allgemeinmedizinischen Weiterbildung gibt es weitere Gehaltszuschüsse, wenn die weiterbildende Praxis in einem unterversorgten Gebiet (500 Euro) oder in einem von Unterversorgung bedrohten Gebiet liegt (250 Euro).

Interessierte Ärzte wenden sich an ihre KV

Ärzte, die in ihrer Praxis weiterbilden wollen und sich für eine Förderung interessieren, wenden sich an ihre KV. Dort erfahren sie auch, in welchen Fachrichtungen eine Förderung in ihrer Region möglich ist.

Die Förderbeträge werden von den KVen und den Kostenträgern jeweils hälftig getragen. Ausgezahlt werden sie als Zuschuss zum Bruttogehalt des Weiterzubildenden an den Praxisinhaber, der den Arzt in Weiterbildung beschäftigt.

Was Ärzte wissen sollten, die in ihrer Praxis weiterbilden wollen

Für alle Angelegenheiten ärztlicher Weiterbildung sind die Landesärztekammern zuständig. Sie legen auf Basis der Weiterbildungsordnung und des tatsächlichen Versorgungsumfangs einer Praxis fest, in welchem Umfang der Vertragsarzt weiterbilden darf.

Die von der Bundesärztekammer erarbeitete (Muster)-Weiterbildungsordnung hat für die Landesärztekammern nur empfehlenden Charakter. Insofern können sich regional Unterschiede ergeben.

Über die Anstellung eines Weiterbildungsassistenten entscheidet wiederum die jeweilige Kassenärztliche Vereinigung. Ärzte mit einer Weiterbildungsbefugnis stellen dort auch den Antrag auf finanzielle Förderung der Weiterbildung.

Auf einen Blick:

Weiterbildungsbefugnis

  • als ersten Schritt beantragen interessierte Ärzte die Weiterbildungsbefugnis bei ihrer Landesärztekammer
  • für die Erteilung der Befugnis muss der Antragsteller unter anderem über mehrere Jahre Berufserfahrung verfügen
  • ob ein Arzt einen Weiterbildungsassistenten sechs, zwölf oder 24 Monate beschäftigen kann, hängt von der tatsächlichen Versorgung ab und wird anhand der abgerechneten Leistungen festgelegt, woraus das Spektrum der Praxis ersichtlich ist
  • die für die Weiterbildung typischen Krankheiten müssen nach Zahl und Art der Patienten regelmäßig und häufig genug vorkommen
  • auch die materielle Ausstattung entscheidet über die Dauer der Weiterbildung

Beschäftigung und Förderung des Weiterbildungsassistenten

  • besitzen die Praxisinhaber dann eine Befugnis, stellen sie bei ihrer Kassenärztlichen Vereinigung einen Antrag auf Beschäftigung eines Weiterbildungsassistenten
  • beantragt der Praxisinhaber auch eine Förderung, muss bereits ein konkreter Bewerber benannt werden
  • dieser Bewerber erklärt, definitiv die Facharztprüfung absolvieren zu wollen
  • der Praxisinhaber wiederum verpflichtet sich die Fördersumme in voller Höhe an den Weiterzubildenden weiterzugeben und die anfallenden Arbeitgeberkosten zu tragen

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