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Praxisnachrichten

Arbeiten im Verbund - Bereits über 70 anerkannte Praxisnetze

29.11.2018 - Etwa 6.000 Ärzte arbeiten bundesweit in mittlerweile über 70 anerkannten Praxisnetzen. Diese positive Bilanz zog die KBV auf ihrem Praxisnetzgipfel, der am Dienstag in Berlin stattfand. Gleichzeitig warnte sie davor, dass Praxisnetze durch aktuelle politische Pläne in den Fokus unternehmerischer Strategien geraten könnten.

„Die Förderung der Praxisnetze liegt uns sehr am Herzen, um auch selbstständigen Ärzten Möglichkeiten der Kooperation und des Austausches zu geben“, sagte Dr. Stephan Hofmeister, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der KBV, auf der Netzwerkveranstaltung.

Praxisnetze seien Ausdruck von gelebter Regionalität und gerade auch für jüngere Mediziner attraktiv, die den Wunsch haben, im Team oder im Verbund zu arbeiten.

„Es ist ein Engagement mit der klaren Einstellung: Wir sind selbstständige Ärzte, wir möchten unsere Arbeitsbedingungen kooperativ und nach unseren Ideen gestalten – und zwar so, wie es hier bei uns erforderlich ist“, lobte Hofmeister die Arbeit der Netze.

Rahmenvorgabe mit hohen Qualitätszielen

Vor fünf Jahren trat bundesweit die Rahmenvorgabe zur Anerkennung von Praxisnetzen in Kraft, die die Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) regional ausgestalten. Diese gibt vor, welche Struktur- und Qualitätsanforderungen Praxisnetze erfüllen müssen, um finanziell gefördert zu werden.

Dieses Jubiläum hat die KBV zum Anlass genommen, mit rund 120 Teilnehmern die bisherige Entwicklung zu diskutieren und in mehreren Workshops Ideen und Perspektiven für die Zukunft der Praxisnetze zu entwickeln. Die Ergebnisse sollen bei der anstehenden Überarbeitung der Rahmenvorgabe berücksichtigt werden.

Mit der Rahmenvorgabe seien „ziemlich hohe Qualitätsziele implementiert“ worden, unterstrich Hofmeister. Bei einer weiteren finanziellen Förderung von Netzen sollten diese weiter geschärft werden. „Solche Qualitätsziele haben wir im Übrigen bei den Medizinischen Versorgungszentren nicht.“

MVZ: Monopolbildung durch Unternehmen verhindern

Durch das Terminservice- und Versorgungsgesetz (TSVG) nimmt aktuell die Diskussion wieder Fahrt auf, wer ein Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) gründen darf und welche Voraussetzungen dafür gelten sollten (die PraxisNachrichten berichten).

Praxisnetze hätten demnach bei Bedarf die Möglichkeit, MVZ in unterversorgten Gebieten zu gründen. In seiner Rede auf dem Praxisnetzgipfel sagte Hofmeister, dass der Gedanke des Gesetzgebers, die ambulante Versorgung weiter zu flexibilisieren, nachvollziehbar sei.

„Was gefährlich ist, sind regionale Versorgungsoligopole und versorgungsferne Renditeerwartungen“, so Hofmeister. Antrieb seien dann nicht mehr Kooperationswille, Engagement, Selbständigkeit, sondern vielmehr eine branchenfremde oder zumindest versorgungsferne Investorenperspektive – und die hieße Umsatz und Rendite, kritisierte er.

Praxisnetze

Praxisnetze sind Zusammenschlüsse von selbstständig tätigen Vertragsärzten verschiedener Fachrichtungen und Psychotherapeuten. Ihr Anspruch ist es, eine interdisziplinäre, kooperative, wohnortnahe ambulante medizinische Versorgung zu organisieren mit dem Ziel, die Qualität sowie die Effizienz der vertragsärztlichen Versorgung im Rahmen einer intensivierten fachlichen Zusammenarbeit zu steigern.

Die KBV entwickelte für die Anerkennung der Praxisnetze eine bundesweite Rahmenvorgabe, die als Grundlage für die Richtlinien der regionalen KV dient. Vor fünf Jahren trat die Rahmenverordnung für die Anerkennung von Praxisnetzen in Kraft. Bei der Erfüllung bestimmter Struktur- und Qualitätsanforderungen können anerkannte Praxisnetze finanziell durch gesonderte Vergütungsregelungen gefördert werden.

Tätigkeitsort

  • zusammenhängendes Gebiet, kein zentraler Standort
  • wohnortnahe Versorgung

Ort der Kooperation

  • Kooperation zwischen Vertragsärzten, Psychotherapeuten und auch anderen Gesundheitsberufen aus dem ambulanten und/oder stationären Bereich
  • ein schriftlicher Vertrag regelt die Zusammenarbeit

Vorteile

  • fachlicher Austausch mit Kollegen
  • sektorenübergreifende Zusammenarbeit, zum Beispiel mit Krankenhäusern und Pflegeheimen
  • abgestimmte Patientenversorgung
  • einheitliche Qualitätsstandards
  • hohe Patientenzufriedenheit

Struktur

  • gemeinsames Management
  • eine Geschäftsstelle
  • keine gemeinsame KV-Abrechnung

Bekanntgabe

  • Anzeige als Praxisverbund bei der zuständigen Landesärztekammer
  • keine Genehmigung durch Zulassungsausschuss erforderlich

Anerkennung

  • Anerkennung als besonders förderungswürdiges Praxisnetz möglich
  • Anforderungen in KBV-Rahmenvorgabe und KV-Richtlinien geregelt
  • Antragstellung bei der KV

Rechtsform

  • Personengesellschaft, eingetragene Genossenschaft, eingetragener Verein oder Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH)

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