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Praxisnachrichten

Antibiotika bei Atemwegsinfektionen gezielt einsetzen

06.12.2018 - Mit Blick auf die witterungsbedingt steigende Zahl von Erkältungskrankheiten weist die KBV auf einen gezielten Einsatz von Antibiotika hin. „Antibiotika sollten nur verordnet werden, wenn es medizinisch wirklich notwendig ist“, sagte KBV-Vize Dr. Stephan Hofmeister. Denn nur jeder zehnte Infekt der Atemwege wird durch Bakterien ausgelöst.

Zwar ist die Zahl der Antibiotikaverordnungen bei akuten Infektionen der unteren und oberen Atemwege in Deutschland rückläufig, dennoch gibt es Verbesserungspotenzial.

Aufklärung der Patienten

Potenzial sieht Hofmeister, der selbst Facharzt für Allgemeinmedizin ist, unter anderem in der besseren Aufklärung der Patienten. „Viele Patienten erwarten, dass ihnen Ärzte Antibiotika verschreiben, wenn ihre Erkältungsbeschwerden länger anhalten“, sagte er. Diese Erwartungshaltung sollte sich keinesfalls auf das Verordnungsverhalten auswirken.

Zu den Grundlagen für eine rationale Antibiotikatherapie von Atemwegsinfektionen gehört neben einer gründlichen Anamnese eine kritisch abwägende Indikationsstellung zum Einsatz von Antibiotika. Diese hilft nicht nur den Patienten, sondern reduziert das Risiko einer Resistenzbildung.

Compliance beeinflusst Resistenzbildung

Wichtig ist auch die Compliance der Patienten: Bei unregelmäßiger Einnahme oder vorzeitigem Abbruch der Behandlung überleben bevorzugt resistente Bakterien, sodass beim nächsten Einsatz des gleichen Wirkstoffs kein Erfolg mehr erzielt wird.

Patienten sollten darüber informiert werden, dass Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen helfen. Zur Behandlung der meist viral verursachten Erkältungskrankheiten wie grippaler Infekte, Sinusitis und Mittelohrentzündung braucht es daher auch meist kein Antibiotikum.

Auch bei der akuten Bronchitis handelt es sich in der Regel um eine durch Viren verursachte Erkrankung. Bei Patienten mit Asthma bronchiale oder mit schwerem und lang anhaltendem Verlauf einer akuten Bronchitis kann im Einzelfall je nach weiterer Differenzialdiagnostik eine Antibiotikatherapie indiziert sein.

Labordiagnostik bei unklarer Indikation

Kann aufgrund klinischer Kriterien die Indikation für oder gegen eine Antibiotikatherapie nicht eindeutig gestellt werden, sollten Ärzte eine Laboruntersuchung veranlassen.

Seit Juli steht dafür der Bluttest auf den Entzündungsmarker Procalcitonin (PCT) bereit, der als neue Leistung in den EBM aufgenommen wurde. Er hilft bei der Entscheidung, ob bei akuten Atemwegsinfektionen eine Antibiotikatherapie das Richtige für den Patienten ist.

Mit dem Test lassen sich virale von bakteriellen Atemwegsinfektionen gut voneinander abgrenzen: Bei schweren bakteriellen Entzündungsreaktionen ist die Blutkonzentration des PCT erhöht. Sind dagegen Viren der Auslöser der Entzündung, bleibt der PCT-Spiegel meist niedrig. Antibiotika kommen dann eher nicht zum Einsatz.

So können Ärzte vorgehen

Bei unklarer Indikation empfiehlt es sich, zunächst nur symptomatisch zu behandeln. Zwischenzeitlich können ein PCT-Test oder ein Erregernachweis im Labor veranlasst werden (Muster 10).

Das sich anschließende Antibiogramm ermöglicht es bei positivem Befund, das passende Antibiotikum mit der entsprechenden Dosierung und Behandlungsdauer auszuwählen und so das Risiko von Antibiotikaresistenzen zu mindern.

„In der Praxis sind verschiedene Szenarien möglich“, sagte Hofmeister. Letztlich liege es im Ermessen des Arztes und müsse von Patient zu Patient entschieden werden.

Kein Einfluss auf Wirtschaftlichkeitsbonus

Die Kosten für die PCT-Labortests oder von Erregernachweisen wirken sich nicht auf den Wirtschaftlichkeitsbonus der Praxis aus. Hierzu wurden die Kennnummer 32004 vereinbart.

Fortbildungen zur Antibiotikaverordnung

Die KBV stellt mit ihrer Publikation Wirkstoff AKTUELL passende Informationen zum Thema Antibiotikatherapie bei Infektionen der oberen und unteren Atemwege bereit. Darin werden die unterschiedlichen Indikationen und die entsprechenden Empfehlungen zur wirtschaftlichen Verordnungsweise dargestellt.

Den Wirkstoff AKTUELL gibt die KBV gemeinsam mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft mehrmals jährlich heraus. Zu jeder Ausgabe gibt es eine Online-Fortbildung im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen, die mit bis zu drei CME-Punkten zertifiziert ist.

Tipps zum Antibiotikaeinsatz in der Praxis

Grundzüge einer rationalen Antibiotikatherapie

  • Indikation kritisch prüfen
  • Prinzipien der gezielten oder kalkulierten Therapie beachten
  • Dosis und Therapiedauer beachten
  • Zurückhaltung mit Reservesubstanzen
  • Förderung der Compliance

Prinzipen der kalkulierten Antibiotikatherapie

Sie berücksichtigt:

  • die häufigsten Erreger der jeweiligen Infektion
  • das Wirkungsspektrum des Antibiotikums
  • die Pharmakokinetik/-dynamik
  • die Verträglichkeit des Antibiotikums
  • wichtige Patientencharakteristika (Alter, Impfstatus, Allgemeinzustand, Leber- und Nierenfunktion, Allergien, Vortherapien)

Maßnahmen zur Reduktion inadäquater Antibiotikaverordnungen bei Atemwegsinfektionen

  • Antibiotika sollten nur verordnet werden, wenn sie indi¬ziert sind, das heißt nicht bei viralen Infektionen wie Erkältungs¬krankheiten („common cold“, „grippaler Infekt“) oder Influenza ohne Hinweis auf bakterielle Superinfektion.
  • Bei indizierter Verordnung eines Antibiotikums sollte das Wirkspektrum so schmal wie möglich und so breit wie nötig sein. Die Verordnung sollte immer mit Angabe der Dosis, der Dosierungsintervalle und der Einnahmedauer erfolgen.

So finden Ärzte das Fortbildungsportal

Das Fortbildungsportal der KBV befindet sich im Sicheren Netz der Kassenärztlichen Vereinigungen. Um an der Fortbildung teilzunehmen, melden sich Vertragsärzte in ihrem KV-Portal an und wählen aus der Übersicht der Anwendungen das Fortbildungsportal aus. Ein Zugang ist auch über die Einstiegsseite der KBV möglich: http://portal.kv-safenet.de (nur für KV-SafeNet-Nutzer).

Hinweis: Die Anwendungen im Sicheren Netz können künftig auch über die Telematikinfrastruktur genutzt werden.

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