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Praxisnachrichten

Gemeinschaftspraxis nicht per se wirtschaftlicher

12.06.2014 - Hausärzte in einer Einzelpraxis stehen wirtschaftlich meist besser da als Hausärzte in einer Gemeinschaftspraxis. Für den fachärztlichen Bereich verhält es sich genau umgekehrt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Befragung von rund 5.000 Praxen, die das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung durchgeführt hat.

„Vielfach gelten Gemeinschaftspraxen per se als effizienter als Einzelpraxen“, sagte Dr. Dominik Graf von Stillfried, Geschäftsführer des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung (Zi), „doch welche Praxisform für die Inhaber wirtschaftlicher ist, muss nach Versorgungsbereich und Fachrichtung differenziert werden.“ Das zeige die Auswertung des Zi-Praxis-Panel (ZiPP) 2012, das Daten von rund 5.000 Praxen aus den Berichtsjahren 2008 bis 2010 enthält.

Einzelpraxis für Hausärzte wirtschaftlich besser

Vergleicht man die Wirtschaftslage in hausärztlichen und fachärztlichen Einzel- und Gemeinschaftspraxen, fällt auf, dass im hausärztlichen Versorgungsbereich die Einnahmen, Aufwendungen und der Überschuss je Inhaber in Einzelpraxen deutlich höher sind als in Gemeinschaftspraxen.

Im fachärztlichen Bereich ist es genau umgekehrt: Hier liegen Umsatz, Aufwendungen und Überschuss je Inhaber in Gemeinschaftspraxen deutlich über dem Durchschnitt in Einzelpraxen.

Aus Sicht des Zi liegt der markante Unterschied in der jeweiligen Motivation zur Gründung von Gemeinschaftspraxen: Für Hausärzte dürfte eine wesentliche Zielsetzung darin bestehen, die Arbeitsbelastung zu reduzieren. In dem Maße, wie sich die Ärzte in einer hausärztlichen Gemeinschaftspraxis Arbeit teilen, teilen sie sich auch Einnahmen und Überschuss.

In der geräte- und kapitalintensiveren fachärztlichen Versorgung dürfte hingegen der Spezialisierungsgrad und die Risikoteilung bei den entsprechend teuren Investitionen eine Rolle spielen: Durch die Beteiligung an einer Gemeinschaftspraxis können zum einen die jeweilige Spezialisierung eines Arztes effizienter eingebracht und zum anderen teure Geräte besser ausgelastet werden. Den höheren Kosten stehen gesteigerte Einnahmen gegenüber, sodass für jeden Teilhaber im Ergebnis eine bessere wirtschaftliche Situation resultiert als in einer fachärztlichen Einzelpraxis.

Auch das Leistungsspektrum ist entscheidend

Das ZiPP 2012 zeigt auch: Mehr als auf die Form der Praxis – Einzelpraxis oder Gemeinschaftspraxis – kommt es bei der Wirtschaftlichkeit auf das jeweilige Leistungsspektrum an, das eine Praxis in einer Fachrichtung auszeichnet. So ist die wirtschaftliche Situation operativ tätiger Praxen generell günstiger als die ausschließlich konservativ tätiger.

Die detaillierten Ergebnisse der Befragung hat das Zi im aktuellen ZiPP-Jahresbericht 2012 veröffentlicht.

Zi-Praxis-Panel: Aktuelle Umfrage bei Ärzten läuft

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung führt die ZiPP-Erhebung jährlich im Auftrag der KBV und der Kassenärztlichen Vereinigungen durch. Damit wird die Kosten- und Versorgungsstruktur in den Praxen niedergelassener Ärzte und Psychotherapeuten und deren wirtschaftliche Situation untersucht.

Seit 2010 stehen damit wichtige Daten für die Honorarverhandlungen mit den Krankenkassen bereit. Diese haben unter anderem gezeigt, dass es – gemessen an den Kalkulationskriterien des EBM – einen Nachholbedarf in der vertragsärztlichen Vergütung gibt.

Am 6. Juni hat das Zi die aktuelle Befragung gestartet: Rund 36.000 Praxen erhalten einen Fragebogen per Post und können bis Ende September teilnehmen.

Jahresüberschuss

Der Jahresüberschuss entspricht den Gesamteinnahmen (Praxisumsatz) abzüglich der Betriebskosten der Praxis (Aufwendungen für Personal, Miete usw.). Er bezeichnet somit das Brutto-Einkommen der Ärzte und Psychotherapeuten aus der Praxistätigkeit – vor Abzug von Steuern, Beiträgen zur Kranken- und Pflegeversicherung.

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