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Dimethylfumarat

Handelsname:

Tecfidera®

Anwendungsgebiet:

Behandlung der schubförmig remittierenden Multiplen Sklerose*

Pharmazeutischer Unternehmer:

Biogen Idec

Beginn des Verfahrens:

01.05.20104

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses:

16.10.2014

Inhalt des Beschlusses:

Zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Interferon beta-1a, Interferon beta-1b oder Glatirameracetat Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

 

Zusammenfassung:

Die Nutzenbewertung basierte auf den beiden Zulassungsstudien DEFINE und CONFIRM. In der DEFINE-Studie wurde Dimethylfumarat lediglich gegen Placebo verglichen. Die CONFIRM-Studie war dreiarmig (Dimethylfumarat, Placebo, Glatirameracetat); allerdings legte der pharmazeutische Unternehmer diese Daten nur im Rahmen eines indirekten Vergleiches vor.

Der Vergleich war aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses aus folgenden Gründen für die Aussagen zum Zusatznutzen von Dimethylfumarat gegenüber Interferon beta-1a ungeeignet:

  • Der Vergleich war inhaltlich unvollständig.
  • Das verwendete statistische Modell der Netzwerk-Meta-Analyse war nicht geeignet.
  • Die drei grundlegenden Annahmen von Netzwerk-Meta-Analysen (Ähnlichkeit, Homogenität und Konsistenz) wurden nicht adäquat überprüft. Darüber hinaus war die Ähnlichkeit der eingeschlossenen Studien zweifelhaft.

Da keine geeigneten Daten zur Bewertung eines Zusatznutzens von Dimethylfumarat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vorlagen, kam der Gemeinsame Bundesausschuss zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Um hämatologische Veränderungen rechtzeitig zu identifizieren, die das Risiko für opportunistische Infektionen und insbesondere die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) erhöhen, sollte unmittelbar vor Beginn der Behandlung mit Dimethylfumarat das Blutbild (einschließlich des Differentialblutbildes sowie der Blutplättchenzahl) kontrolliert werden. Nach Beginn der Behandlung sollten die Kontrollen im sechs- bis achtwöchigem Abstand erfolgen.

Angesichts eines publizierten Falls einer PML ohne schwerwiegende Lymphopenie muss der Patient, gegebenenfalls zusammen mit seinen Pflegepersonen, vor Beginn der Behandlung und danach alle zwei Jahre über erste Anzeichen einer PML und deren Symptome in Kenntnis gesetzt werden.

Die Patienten müssen regelmäßig, in der Regel alle drei Monate, mindestens jedoch alle sechs Monate, über die gesamte Behandlungsdauer hinweg hinsichtlich klinischer Symptome opportunistischer Infektionen einschließlich PML kontrolliert werden.

Ferner sollte vor Beginn der Behandlung mit Dimethylfumarat eine aktuelle MRT-Aufnahme vorliegen (gewöhnlich nicht älter als drei Monate), die als Vergleichsaufnahme herangezogen werden kann. Diese sollte nach Maßgabe des Arztes regelmäßig aktualisiert werden.

Ein Aussetzen der Medikation ist angezeigt, bei bestätigter Lymphopenie mit Lymphozytenzahlen unter 500/μl, bei klinischen Symptomen oder bei bildgebenden Hinweisen, die auf eine opportunistische Infektion hindeuten. Gleichzeitig sind weitergehende Untersuchungen zum Ausschluss opportunistischer Infektionen durchzuführen.

Nach Aussetzen bzw. Absetzen der Therapie mit Dimethylfumarat im Zusammenhang mit einer Lymphopenie sind die Lymphozytenzahlen weiterhin engmaschig bis zur Normalisierung zu kontrollieren.

Es liegen derzeit nur unzureichende Daten zur Therapieumstellung von anderen Vortherapien auf Dimethylfumarat bzw. von Dimethylfumarat auf andere Therapien vor. Es ist zu prüfen, ob ein Sicherheitsabstand vor der Umstellung der Therapien einzuhalten ist.

Die Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung hat der Gemeinsame Bundesausschuss zuletzt mit Beschluss vom 07.01.2016 aktualisiert.