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Dimethylfumarat

Handelsname: Tecfidera®

Anwendungsgebiet: Behandlung der schubförmig remittierenden MS*

Pharmazeutischer Unternehmer: Biogen Idec GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Mai 2014

Beschluss des G-BA: 16. Oktober 2014 (zuletzt geändert: 7. Januar 2016)

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
schubförmig remittierende Multiple Sklerose
  • Interferon beta-1a oder
  • Interferon beta-1b oder
  • Glatirameracetat
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Zur Nutzenbewertung standen die beiden Zulassungsstudien DEFINE und CONFIRM zur Verfügung. In der DEFINE-Studie wurde Dimethylfumarat lediglich gegen Placebo verglichen. Die CONFIRM-Studie war dreiarmig (Dimethylfumarat, Placebo, Glatirameracetat), allerdings legte der Hersteller diese Daten nur im Rahmen eines indirekten Vergleichs vor.

Der Vergleich war aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) aus folgenden Gründen für die Aussagen zum Zusatznutzen von Dimethylfumarat gegenüber Interferon beta-1a ungeeignet:

  • Der Vergleich war inhaltlich unvollständig.
  • Das verwendete statistische Modell der Netzwerk-Meta-Analyse ist nicht geeignet.
  • Die drei grundlegenden Annahmen von Netzwerk-Meta-Analysen (Ähnlichkeit, Homogenität und Konsistenz) wurden nicht adäquat überprüft. Darüber hinaus ist die Ähnlichkeit der eingeschlossenen Studien zweifelhaft.

Da keine geeigneten Daten zur Bewertung des Zusatznutzens von Dimethylfumarat gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie vorlagen, kam der G-BA insgesamt zu der Auffassung, dass der Zusatznutzen nicht belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Um hämatologische Veränderungen rechtzeitig zu identifizieren, die das Risiko für opportunistische Infektionen und insbesondere die progressive multifokale Leukenzephalopathie (PML) erhöhen, sollte unmittelbar vor Beginn der Behandlung mit Dimethylfumarat das Blutbild (einschließlich des Differentialblutbildes sowie der Blutplättchenzahl) kontrolliert werden. Nach Beginn der Behandlung sollten die Kontrollen im sechs- bis achtwöchigem Abstand erfolgen.

Angesichts eines publizierten Falls einer PML ohne schwerwiegende Lymphopenie muss der Patient, gegebenenfalls zusammen mit seinen Pflegepersonen, vor Beginn der Behandlung und danach alle zwei Jahre über erste Anzeichen einer PML und deren Symptome in Kenntnis gesetzt werden.

Die Patienten müssen regelmäßig, in der Regel alle drei Monate, mindestens jedoch alle sechs Monate, über die gesamte Behandlungsdauer hinweg hinsichtlich klinischer Symptome opportunistischer Infektionen einschließlich PML kontrolliert werden.

Ferner sollte vor Beginn der Behandlung mit Dimethylfumarat eine aktuelle MRT-Aufnahme vorliegen (gewöhnlich nicht älter als drei Monate), die als Vergleichsaufnahme herangezogen werden kann. Diese sollte nach Maßgabe des Arztes regelmäßig aktualisiert werden.

Ein Aussetzen der Medikation ist angezeigt, bei bestätigter Lymphopenie mit Lymphozytenzahlen unter 500/μl, bei klinischen Symptomen oder bei bildgebenden Hinweisen, die auf eine opportunistische Infektion hindeuten. Gleichzeitig sind weitergehende Untersuchungen zum Ausschluss opportunistischer Infektionen durchzuführen.

Nach Aussetzen bzw. Absetzen der Therapie mit Dimethylfumarat im Zusammenhang mit einer Lymphopenie sind die Lymphozytenzahlen weiterhin engmaschig bis zur Normalisierung zu kontrollieren.

Es liegen derzeit nur unzureichende Daten zur Therapieumstellung von anderen Vortherapien auf Dimethylfumarat bzw. von Dimethylfumarat auf andere Therapien vor. Es ist zu prüfen, ob ein Sicherheitsabstand vor der Umstellung der Therapien einzuhalten ist.

Die Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung hat der G-BA zuletzt mit Beschluss vom 7. Januar 2016 aktualisiert.