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Ruxolitinib

Handelsname: Jakavi®

Anwendungsgebiet: Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia-vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller-Thrombozythämie-Myelofibrose*

Pharmazeutischer Unternehmer: Novartis Pharma GmbH

Beginn des Verfahrens: 15. Mai 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 6. November 2014

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von krankheitsbedingter Splenomegalie bei Erwachsenen mit primärer Myelofibrose, Post-Polycythaemia-vera-Myelofibrose oder Post-Essentieller-Thrombozythämie-Myelofibrose*

Best Supportive Care**

Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Ruxolitinib ist als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien. Es sei denn, der Jahresumsatz des Arzneimittels beträgt mehr als 50 Millionen Euro. Dann wird das Arzneimittel – wie bei den Verfahren der frühen Nutzenbewertung üblich – gegen eine zweckmäßige Vergleichstherapie verglichen. Dies war bei Ruxolitinib der Fall.

In seinem ersten Beschluss hatte der G-BA dem Wirkstoff einen geringen Zusatznutzen aufgrund von Morbiditätsvorteilen bescheinigt. Die Bewertung stützte sich auf zwei randomisierte Phase-III-Zulassungsstudien. Es konnte damals (noch) keine Lebensverlängerung oder Verbesserung der Lebensqualität gezeigt werden. Beschluss vom 7. März 2013

Nachdem der Jahresumsatz von Ruxolitinib die Grenze von 50 Millionen Euro überschritten hat, wurde der pharmazeutische Unternehmer aufgefordert, Nachweise zum Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie (Best Supportive Care) vorzulegen. Die COMFORT-II-Studie wurde im Unterschied zur ersten Bewertung diesmal nicht für eine Bewertung des Zusatznutzens herangezogen, da eine primär krankheitsmodifizierende Wirkung der eingesetzten Arzneimittel nicht ausgeschlossen werden konnte. Somit basiert die aktuelle Bewertung lediglich auf der COMFORT-I-Studie.

Neben dem Morbiditätsvorteil bei der Verringerung von patientenrelevanten Symptomen war nach längerer Nachbeobachtung nun auch ein Überlebensvorteil zu erkennen, der jedoch nicht zu allen Zeitpunkten statistisch signifikant war. Aufgrund eines Cross-Over in den Ruxolitinib-Arm war tendenziell eher von einer Unterschätzung des Überlebensvorteils auszugehen. Der Hersteller legte zudem ergänzende Auswertungen zur Lebensqualität vor, in denen sich ebenfalls ein Vorteil für Ruxolitinib zeigte.

Diese Ergebnisse hat der G-BA in der Gesamtschau als beträchtlichen Zusatznutzen von Ruxolitinib gewertet. Bezüglich der Aussagesicherheit wird aufgrund der Unsicherheit beim Gesamtüberleben ein „Anhaltspunkt“ gesehen.

Hinweise für die Praxis

1. Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Seitens der EMA werden im Europäischen Öffentlichen Beurteilungsbericht (EPAR) Myelosuppression, Infektionen und Blutungen als unerwünschte Ereignisse von besonderer Bedeutung adressiert. Die Patienten sind über das erhöhte Risiko für Blutungen und für Infektionen zu informieren und sorgfältig auf Anzeichen von Blutungen oder von Infektionen hin zu beobachten.

Die Behandlung sollte nach sechs Monaten entsprechend der Fachinformation beendet werden, falls es zu keiner Reduktion der Milzgröße oder Verbesserung der Symptome seit dem Beginn der Therapie gekommen ist. Für Patienten, die eine gewisse Verbesserung der klinischen Symptomatik zeigen, wird empfohlen, die Therapie mit Ruxolitinib zu beenden, wenn sich ihre Milz um mindestens 40 Prozent (Milzlänge) oder mindestens 25 Prozent (Milzvolumen) im Vergleich zum Ausgangswert vergrößert hat und nicht länger eine spürbare Verbesserung der krankheitsbedingten Symptome festzustellen ist.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ruxolitinib soll durch in der Therapie von Patienten mit Myelofibrose erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.

2. Praxisbesonderheit

Ruxolitinib ist seit dem 15. Mai 2015 in dem Anwendungsgebiet, für das der G-BA einen Zusatznutzen festgestellt hat, ab dem ersten Behandlungsfall als Praxisbesonderheit anzuerkennen.

Bei Vorliegen eines der folgenden Kriterien ist die Anerkennung von Ruxolitinib als Praxisbesonderheit ausgeschlossen: Verordnung von Ruxolitinib im Rahmen eines nicht bestimmungsgemäßen Gebrauchs außer unter den anerkannten Bedingungen für erstattungsfähigen off label use.

Vereinbarung über die Anerkennung der Verordnung von Ruxolitinib als Praxisbesonderheit

Den Satz „Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ruxolitinib soll durch in der Therapie von Patienten mit Myelofibrose erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen“ hat der G-BA nachträglich ergänzt. Beschluss vom 15. Oktober 2015