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Siltuximab

Handelsname: Sylvant®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit multizentrischer Castleman-Krankheit, die HIV- und HHV8-negativ sind*

Pharmazeutischer Unternehmer: Janssen-Cilag GmbH

Beginn des Verfahrens: 15. Juni 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 4. Dezember 2014

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

multizentrische Castleman-Krankheit*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Für Patienten mit multizentrischer Castleman-Krankheit (MCD) gibt es keine empfohlene Standardtherapie. Siltuximab ist ein monoklonaler Antikörper, der entzündungshemmend und antiproliferativ wirkt. MCD gehört zu den gutartigen lymphoproliferativen Erkrankungen, ist aber dennoch mit einer hohen Morbidität belastet.

Siltuximab ist als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

Siltuximab wurde auf Basis der doppelblinden, randomisierten Phase-II-Studie MCD2001 bei insgesamt 79 Patienten mit MCD zugelassen. Es wurde 2:1 zu Siltuximab versus Placebo jeweils add-on zu Best Supportive Care randomisiert. In der Studie wurden zwei Instrumente zur Symptommessung eingesetzt: die MCD-Gesamtsymptomatik (Bewertung durch Prüfarzt) und die MCD-Symptomskala (MCD-SS; Bewertung durch Patienten). 30 von 53 Patienten (56,6%) im Siltuximab-Arm und fünf von 26 Patienten (19,2%) im Placebo-Arm erreichten ein dauerhaftes Abklingen der Symptome in der MCD-Gesamtsymptomatik. Während sich also für die MCD-Gesamtsymptomatik ein statistisch signifikanter Vorteil für Siltuximab gegenüber Placebo zeigte, konnte für den MCD-SS kein Unterschied nachgewiesen werden.

Zudem wurden zur Validität des Endpunktes MCD-Gesamtsymptomatik keine aussagekräftigen Unterlagen vorgelegt. Es verbleiben Unsicherheiten bezüglich des Ausmaßes des Morbiditätsvorteils. Vorteile für Siltuximab zeigten sich auch bei der mentalen Komponente der Lebensqualität. Beim Gesamtüberleben gab es zwischen den Studiengruppen keine Unterschiede. Auch bei den Nebenwirkungen zeigten sich insgesamt keine Unterschiede; nur für Infektionen und parasitäre Erkrankungen wurde ein Nachteil für Siltuximab gezeigt. Auch hier verblieben insbesondere aufgrund der mehr als doppelt so langen Therapiedauer unter Siltuximab Unsicherheiten.

Der G-BA hat den Zusatznutzen von Siltuximab aufgrund der dargestellten Unsicherheiten insgesamt als nicht quantifizierbar bewertet. 

Hinweise für die Praxis

1. Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Siltuximab soll nur durch in der Therapie von Patienten mit multizentrischer Castleman-Krankheit und anderen lymphoproliferativen Erkrankungen erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.

Bei Auftreten einer im Zusammenhang mit der Infusion stehenden schweren Infusionsreaktion, anaphylaktischen oder schweren allergischen Reaktionen oder einem Zytokin-Freisetzungssyndrom soll die Behandlung mit Siltuximab abgebrochen werden.

Die Gabe von Siltuximab sollte durch entsprechend geschulte Ärzte erfolgen, die medizinische Notfälle behandeln können. Dabei sind die aktuellen Vorschriften für Notfallbehandlungen einzuhalten.

2. Praxisbesonderheit

Siltuximab ist seit dem 15. Juni 2015 in dem Anwendungsgebiet, für das der G-BA einen Zusatznutzen festgestellt hat, ab dem ersten Behandlungsfall als Praxisbesonderheit anzuerkennen.

Vereinbarung über die Anerkennung der Verordnung von Siltuximab als Praxisbesonderheit