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Nichtärztliche Praxisassistenten flächendeckend einsetzen

Neuregelung bei den Nichtärztlichen Praxisassistenten. Was ist dazu ab 2015 geplant?

Die nichtärztliche Praxisassistentin konnte bisher nur in drohend unterversorgten oder unterversorgten Gebieten mit einer EBM-Gebührenordnungspositionsziffer abgerechnet werden. Voraussetzung war für diese Praxismitarbeiterinnen, dass sie den Abschluss als NäPA hatte. Das ist ein Curriculum der Bundesärztekammer. Und wenn dieses Zertifikat vorlag und der zuständige Landesausschuss drohende Unterversorgung oder Unterversorgung für diesen Bereich festgestellt hat, konnte diese Leistung erbracht werden. Neu ist, dass wir im EBM ab 1.1.2015 in praktisch allen Bereichen zulassen. Allerdings gibt es Kriterien für die Praxen, an dieser Regelung teilzunehmen. Es sollen nach Ansicht der Krankenkassen große Versorgerpraxen sein.

Es gibt nun zwei neue EBM-Ziffern dazu: Was kann der Arzt damit abrechnen?

Das eine ist der Zuschlag, der Struktur-Zuschlag, 2,20 Euro bis 600 Fälle für eine Praxis. Dieser Zuschlag soll dazu dienen, den Arzt zu unterstützen bei der Förderung der Weiterbildung der Praxismitarbeiterin, denn sie muss ja einen Kurs absolvieren, sie benötigt auch später ein Auto, ein paar eigenständige Dinge wie Laptop und Handy und so etwas, um mit dem Arzt ständig Kontakt halten zu können. Das soll eine Unterstützung für den Praxisinhaber sein. Und die zweite Nummer – das ist bisher nicht verändert – ist der Hausbesuch, den die Praxismitarbeiterin abrechnen kann, der ja im Augenblick 17 Euro beträgt.

Wann kann der Hausarzt diese Ziffern abrechnen?

Diese Ziffern kann ein Hausarzt abrechnen, wenn er von der KV die Genehmigung bekommen hat, wenn er nachgewiesen hat, dass er eine Praxismitarbeiterin hat, die entweder schon den NäPA-Abschluss hat oder den VERAH-Abschluss hat oder er hat eine seiner Mitarbeiterinnen zu einem Kurs angemeldet – das muss er der KV nachweisen. Und er muss die Bedingungen erfüllen, wenn es jetzt eine Einzelpraxis ist 860 Fälle in den letzten vier Quartalen. Oder das Kriterium 160 Personen, die in der Praxis behandelt werden, die älter als 75 Jahre sind.

Gilt das auch für VERAHs?

Auch diese VERAHs können zukünftig an der Regelung teilnehmen. Allerdings ist Voraussetzung dort, dass in den nächsten 2 Jahren in einer Übergangszeit noch diese fehlenden 20 Stunden theoretische Fortbildung und 20 Hausbesuche nachgewiesen werden, um eine Gleichstellung mit der NäPA zu erreichen. Diese Anerkennung der Gleichstellung von VERAH und NäPA mit dieser Zusatzweiterbildung wurde mit dem Institut für hausärztliche Fortbildung der Bundesärztekammer geeint. Dazu liegt seit Anfang 2014 eine Anerkennungsvereinbarung zwischen beiden vor. Und auf dieser Basis könnte dann eine solche Anerkennung auch in der Praxis erfolgen. Allerdings können auch diese VERAHs – und das nochmal am Ende – sofort zum Einsatz kommen, müssen allerdings dann wie gesagt in den nächsten zwei Jahren diese zwanzig Stunden Fortbildung noch nachweisen.

Es gibt Kritik an den geforderten Qualifikationen: Sind die zu hoch?

Die Kritik kommt ja vom Deutschen Hausärzteverband und jetzt unverständlicherweise auch von der JADE. Ich kann das überhaupt nicht verstehen. Die Anerkennungsvereinbarung wurde völlig losgelöst, also völlig unabhängig von der KBV zwischen Deutschem Hausärzteverband, dem Institut des Deutschen Hausärzteverbands und der Bundesärztekammer getroffen. Die ist uns dann zur Kenntnis gegeben worden. Auf dieser Basis haben wir diese Verhandlungen geführt und deshalb können wir das gar nicht verstehen. Ich kann die Kritik an der Fallzahl verstehen. Die 860 Fälle ist etwas viel. Wir haben auch versucht, in den Verhandlungen 750 Fälle zu erreichen. Das war allerdings nicht möglich. Dort war kein Einsehen der Krankenkassen in diese von der DEGAM ja immer benannte Größe einer normalen Versorgerpraxis. Allerdings sehen wir das als einen Einstieg. Es wird eine Überprüfung in zwei Jahren geben und dort kann man, wenn die Umsetzung nicht flächendeckend erfolgt – das Ziel ist ja, die flächendeckende hausärztliche Versorgung zu verbessern – kann man diese Regelung auch anpassen und gegebenenfalls dann auch auf diese Fälle 750 Fälle je Praxis zurückgehen. Wir halten diese Maßnahmen für unbedingt notwendig vor dem Hintergrund der immer älter werdenden Bevölkerung und vor dem Hintergrund auch, dass immer mehr ältere Hausärzte ihre Praxen gerade in ländlichen Gebieten schließen, die flächendeckende Versorgung sicherzustellen und auch junge Leute – und deshalb verstehe ich den Protest der JADE gleich schon gar nicht – die jungen Leute, auch Studenten, sagen uns immer wieder „Wir möchten nicht mehr 12 Stunden am Tag arbeiten. Wir möchten in Teamstrukturen arbeiten. Wir möchten sehr viel delegieren an qualifizierte Praxismitarbeiter.“ Und gerade diese Regelungen haben wir jetzt gerade geschaffen, die beginnen wir jetzt einzuführen. Da wird es sicher in diese oder jene Richtung noch Veränderungen geben. Die werden auch notwendig sein in den kommenden Jahren, da ist nichts in Stein gemeißelt, aber wir haben erst mal begonnen mit der Umsetzung jetzt und werden sehen, ob es uns gelingt, damit das Ziel zu erreichen.

Fachärzte können die PFG auch ohne besondere Genehmigung abrechnen. Ist das denn nicht ungerecht?

Also, natürlich brauchen die Fachärzte, um die PFG abrechnen zu können, keine Genehmigung. Allerdings müssen die Fachärzte den Grundversorgerfall – und hier geht es um eine Förderung der Grundversorger und wir wissen ja auch, dass wir bei den Grundversorgerfachärzten in den nächsten Jahren große Probleme haben werden, weil uns dort der Nachwuchs einfach fehlt – und diese Grundversorger mit den Hausärzten zusammen ziemlich im unteren Drittel der Einkommen liegen, werden wir dort Maßnahmen umsetzen müssen. Und wir haben vor drei Jahren begonnen mit dieser Strukturförderung, auch für die Fachärzte, und die Fachärzte müssen natürlich einen Fall erst bearbeiten. Sie müssen erst den Patienten in der Praxis versorgen und erst dann können sie diese PFG abrechnen. Es ist also nicht so, dass da gar keine Leistung dahintersteht und Qualifikation haben per se alle Fachärzte und Qualifikation haben auch alle Hausärzte. Bei der nichtärztlichen Praxisassistentin ist es etwas anderes. Das sind Praxismitarbeiterinnen, die eine besondere Qualifikation benötigen, weil sie ja Aufgaben vom Praxisinhaber delegiert bekommen. Und wenn die Fachärzte – ich weiß, dass es auch Thema ist für den Facharzt-EBM – eine solche qualifizierte Praxismitarbeiterin im fachärztlichen Bereich implementieren möchten, dann werden dort sicherlich, also ich gehe fest davon aus, auch besondere Qualifikationsanforderungen auch an diese Praxismitarbeiterinnen definiert werden müssen.

In einigen Praxen arbeiten nichtärztliche Praxisassistenten bereits seit einiger Zeit. Nun sollen sie flächendeckend zum Einsatz kommen. Dank einer neuen Vergütungsregelung können Hausärzte ab 2015 auch in normal versorgten Gebieten auf diese besonders qualifizierten Praxismitarbeiter zurückgreifen. KBV-Vorstand Regina Feldmann erklärt die Einzelheiten und Hintergründe zu dieser Neuregelung.