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Obinutuzumab

Handelsname: Gazyvaro®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) in Kombination mit Chlorambucil*

Pharmazeutischer Unternehmer: Roche Pharma AG

Beginn des Verfahrens: 15.08.2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 05.02.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

in Kombination mit Chlorambucil zur Behandlung von Erwachsenen mit nicht vorbehandelter CLL, die wegen Begleiterkrankungen für eine Therapie mit einer vollständigen Dosis von Fludarabin nicht geeignet sind*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Obinutuzumab ist wie Rituximab ein monoklonaler CD20-Antikörper, der jedoch anders angreift. Das mediane Alter bei der Diagnose einer CLL liegt bei 72 Jahren. Eine Therapieindikation besteht erst, sofern die Kriterien für eine aktive Erkrankung erfüllt sind.

Obinutuzumab ist als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der in den Zulassungsstudien vom pharmazeutischen Unternehmer gewählten Vergleichstherapie. Bei der Zulassungsstudie handelt es sich um die randomisierte, offene, mehrstufige Phase-III-Studie CLL11 mit 781 Patienten.

Obinutuzumab wurde in der ersten Stufe gegen Placebo und in der zweiten Stufe gegen Rituximab jeweils add-on zu Chlorambucil verglichen. Beim Gesamtüberleben zeigte sich ein signifikanter Vorteil gegen Placebo, jedoch bisher kein signifikanter Unterschied im Vergleich zu Rituximab. Finale Ergebnisse zum Gesamtüberleben in der Stufe 2 der Zulassungsstudie liegen noch nicht vor. Vorteile gegen Rituximab zeigten sich beim progressionsfreien Überleben und bei der Zeit bis zum Wiederauftreten von B-Symptomen. Ein entsprechender Vorteil bei der Lebensqualität ließ sich jedoch nicht zeigen. Für den Endpunkt Zeit bis zum Wiederauftreten von B-Symptomen muss zudem von einem hohen Verzerrungspotential ausgegangen werden.

Bei den Nebenwirkungen zeigten sich Nachteile gegen Rituximab insbesondere bei den infusionsbedingten Reaktionen sowie bei Neutropenien und Thrombozytopenien, auch bei schweren unerwünschten Ereignissen ab Grad 3. Bei den schwerwiegenden unerwünschten Ereignissen und Therapieabbrüchen wegen unerwünschter Ereignisse zeigte sich jedoch kein Unterschied.

Da eine Monotherapie mit Chlorambucil nicht mehr dem allgemein anerkannten Stand der wissenschaftlichen Erkenntnisse entspricht, wurden diese Ergebnisse nicht für die Bestimmung des Zusatznutzens herangezogen. In der Gesamtschau ist eine quantitative Beurteilung des Behandlungseffekts aus Sicht des G-BA nicht möglich: Der Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar. Zur Aussagesicherheit wird, wie bei Orphan Drugs üblich, keine Aussage gemacht.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Obinutuzumab soll durch in der Therapie von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie erfahrene Fachärzte (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie) erfolgen.

Obinutuzumab soll unter Bedingungen angewendet werden, unter denen eine vollständige Ausrüstung zur Wiederbelebung sofort verfügbar ist.

Laut Fachinformation sollen Maßnahmen zur Prophylaxe eines Tumorlyse-Syndroms und zur Reduzierung des Risikos für infusionsbedingte Reaktionen ergriffen werden.