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Cabozantinib

Handelsname: Cometriq®

Anwendungsgebiet: Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Erwachsenen mit progredienter, nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung*

Pharmazeutischer Unternehmer: Swedish Orphan Biovitrum GmbH

Beginn des Verfahrens: 01.08.2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 22.01.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des medullären Schilddrüsenkarzinoms bei Erwachsenen mit progredienter, nicht resektabler, lokal fortgeschrittener oder metastasierter Erkrankung*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Cabozantinib gehört zur Gruppe der Tyrosin-Kinase-Inhibitoren. Bei der familiären Form des medullären Schilddrüsenkarzinoms liegen regelhaft Mutationen im RET (Rearranged during Transfection)-Onkogen vor. Bei der häufigeren sporadischen Form trifft dies auf ca. 65% der Patienten zu. Die RET-M918-Gen-Mutation ist die häufigste Variante.

Es handelt sich um ein Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs schon durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet nur das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

Die Nutzenbewertung von Cabozantinib erfolgte maßgeblich auf Basis der doppelblinden, randomisierten, placebokontrollierten Phase-III-Studie EXAM mit 330 Patienten. Es zeigte sich ein Vorteil beim progressionsfreien Überleben und ein Nachteil bei den Nebenwirkungen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse und schwere unerwünschte Ereignisse (CTCAE-Grad 3 oder 4) traten im Cabozantinib-Arm signifikant häufiger auf als unter Placebo. Die fünf häufigsten unerwünschten Ereignisse waren Durchfall (63,1% vs. 33,0%), das Hand-Fuß-Syndrom (50,0% vs. 1,8%), Gewichtsabnahme (47,7% vs. 10,1%), verminderter Appetit (45,8% vs. 15,6%) und Übelkeit (43,0% vs. 21,1%). Die vorgelegten Daten zur Morbidität und Lebensqualität stuft der G-BA als hochverzerrt ein. Sie wurden wegen methodischer Limitationen nicht zur Bewertung des Zusatznutzens herangezogen.

Im Stellungnahmeverfahren reichte der pharmazeutische Unternehmer die finale Auswertung der EXAM-Studie zum Gesamtüberleben nach: Hier zeigte sich ein signifikanter Vorteil unter Cabozantinib für die Subgruppen mit relativ schlechtem Allgemeinzustand EGOG ≥1 (20 vs. 12 Monate) sowie mit der häufigen RET-M918T-Mutation (44 vs. 19 Monate). In der Gesamtpopulation zeigte sich lediglich ein Trend zum Vorteil beim Gesamtüberleben.

Unter Berücksichtigung des Vorteils beim Gesamtüberleben insbesondere bei schlechtem Allgemeinzustand und der Nachteile bei den Nebenwirkungen bewertet der G-BA den Zusatznutzen von Cabozantinib insgesamt als gering. Der Beschluss ist vor dem Hintergrund der bedingten Zulassung von Cabozantinib bis zum 01.06.2018 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Cabozantinib soll durch in der Therapie von Patienten mit medullärem Schilddrüsenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzten anderer Fachgruppen erfolgen.

Dieses Arzneimittel wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und die Fachinformation, falls erforderlich, aktualisieren.