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Empagliflozin

Der Beschluss zur frühen Nutzenbewertung von Empagliflozin wurde aufgehoben und durch den Beschluss vom 01.09.2016 ersetzt.

Handelsname: Jardiance®

Anwendungsgebiet: Behandlung des Diabetes Mellitus Typ 2 als Mono- oder Kombinationstherapie mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln*

Pharmazeutischer Unternehmer: Boehringer Ingelheim

Beginn des Verfahrens: 15.08.2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 05.02.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
Diabetes mellitus Typ 2* a) Monotherapie
Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Kombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel (außer Insulin)
b1) Zweifachkombination mit Metformin**
Metformin + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) Zusatznutzen ist nicht belegt
b2) Zweifachkombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel außer Metformin und Insulin**
Metformin + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid) Zusatznutzen ist nicht belegt
c) Kombination mit mindestens zwei anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln***
Metformin + Humaninsulin Zusatznutzen ist nicht belegt
d) Kombination mit Insulin (mit oder ohne orales Antidiabetikum)***
Metformin + Humaninsulin Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
** Wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht geeignet ist, ist Humaninsulin als Therapieoption einzusetzen.
*** Therapie nur mit Humaninsulin, wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht ausreichend wirksam oder unverträglich ist.


Zusammenfassung:

Empagliflozin ist seit August 2014 im Verkehr und zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen. Es handelt sich, wie auch bei den bereits bewerteten Wirkstoffen Dapagliflozin und Canagliflozin, um einen SGLT-2-Inhibitor. Im Rahmen der frühen Nutzenbewertung wurde zwischen verschiedenen Teilpopulationen unterschieden.

Monotherapie (a) 
Weil der pharmazeutische Unternehmer keine relevanten Daten vorgelegt hat, ist der Zusatznutzen von Empagliflozin in der Monotherapie nicht belegt.

Zweifachkombination mit Metformin (b1)
Zur Bewertung lag eine direkt vergleichende Studie vor, in der Empagliflozin 25 mg plus Metformin mit Glimepirid 1 bis 4 mg verglichen wurde. Die Titration von Glimepirid war an einem einheitlichen Blutzuckerwert (Nüchternblutzuckerwert > 110 mg/dl) orientiert, während die Gabe von Empagliflozin mit 25 mg unabhängig vom erreichten Blutzuckerzielwert über den gesamten Studienverlauf fix war. Eine initiale Gabe von täglich 25 mg Empagliflozin entspricht einer 2,5-fachen Dosis, die gemäß Fachinformation empfohlen wird. Die Fachinformation definiert die Fälle, bei denen die Dosis auf 25 mg einmal täglich gesteigert werden soll. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) sah die Studie dennoch als hinreichend geeignet an und berücksichtigte sie zur Bewertung des Zusatznutzens.

In der Studie zeigten sich statistisch signifikant weniger symptomatische Hypoglykämien unter Empagliflozin (25 mg) im Vergleich zu Glimepirid. Dagegen fanden sich statistisch signifikant mehr schwerwiegende unerwünschte Ereignisse. Auch im Hinblick auf Genitalinfektionen, Erkrankungen der Nieren- und Harnwege sowie Erkrankungen der Geschlechtsorgane und der Brustdrüse ergab sich ein statistisch signifikanter Nachteil für Empagliflozin.

Neben dem direkten Vergleich hat der Hersteller zwei indirekte Vergleiche vorgelegt, die aus Sicht des G-BA jedoch ungeeignet sind, um einen Zusatznutzen abzuleiten. Im ersten indirekten Vergleich wurden nicht für alle patientenrelevanten Endpunkte Daten aufbereitet. Das IQWiG hat diesen indirekten Vergleich daraufhin selbst durchgeführt. Zwar fand sich in dem indirekten Vergleich für Empagliflozin kein statistisch signifikanter Nachteil mehr hinsichtlich der schwerwiegenden unerwünschten Ereignisse. Bezüglich der Nieren- und Harnwegserkrankungen und den Genitalinfektionen blieb der Nachteil jedoch bestehen. Demgegenüber steht ein statistisch signifikanter Vorteil bei den symptomatischen Hypoglykämien.

Der zweite indirekte Vergleich ist nicht geeignet, da sich die Einschlusskriterien der in den indirekten Vergleich einbezogenen Studien maßgeblich unterschieden. In der Gesamtschau des direkten und der indirekten Vergleiche lässt sich kein Beleg für einen Zusatznutzen ableiten.

Zweifachkombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel außer Metformin und Insulin (b2), Kombination mit mindestens zwei anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln (c), Kombination mit Insulin (d)
Für diese Teilpopulationen lagen keine relevanten Daten vor. Damit ist der Zusatznutzen von Empagliflozin auch hier nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.