Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Sie befinden sich:

 

Regionale Niederlassungsförderung

Finanzspritze zum Praxisstart

Gerade auf dem Land lässt sich der Ärztemangel in Deutschland nicht mehr leugnen. Dorfpraxen müssen ohne Nachfolger schließen, Patienten weite Strecken in Kauf nehmen, um einen Arzt zu sehen. Die Kassenärztlichen Vereinigungen versuchen mit Fördermaßnahmen und Beratung gegenzusteuern.

In den Städten ist es meist kein Problem, einen Arzt zu finden. Dort reiht sich oft Praxis an Praxis. Doch auf dem Land sieht die Situation häufig anders aus. In manchen ländlichen Gebieten müssen Patienten kilometerweit bis zum nächsten Arzt fahren. Um dem entgegenzuwirken, stellen einige Kassenärztliche Vereinigungen (KVen) finanzielle Hilfen für die Niederlassung in einem unterversorgten Gebiet bereit. Jörg Pößnecker hat solch ein Angebot von der KV Niedersachsen in Anspruch genommen. Für die Übernahme der Hausarztpraxis seiner Vorgängerin bekam er 50.000 Euro Investitionskostenzuschuss.

„Die Förderung hat mir die Niederlassung erheblich erleichtert. Ohne sie hätte ich es gar nicht erst gemacht“, erklärt er. Doch die KVen überweisen das Geld nicht einfach so an Niederlassungswillige. „Man kann sich von dem Geld jetzt keinen teuren Wagen kaufen“, sagt Pößnecker und lacht dabei. Der Förderung gehen einige bürokratische Schritte voraus. Im Fall von Jörg Pößnecker musste dieser vorher genau erklären, wofür er das Geld einsetzen möchte. „Einen Investitionsplan wollten die KV und das Niedersächsische Landesamt für Soziales, Jugend und Familie vorher schon sehen. Außerdem die Rechnungen und eine Art Erfolgsbericht am Ende.“

Das Geld hat er unter anderem genutzt, um die leicht in die Jahre gekommene Praxis zu renovieren, die IT auf einen aktuellen Stand zu bringen und neue Geräte anzuschaffen. „Die Förderung ist schon eines der besten Instrumente schlechthin, um es Leuten zu erleichtern, sich niederzulassen.“ An die finanzielle Hilfe sind jedoch auch Bedingungen gekoppelt. So hat Pößnecker sich verpflichtet, fünf Jahre in Faßberg zu bleiben – einem kleinen Dorf mit rund 6.700 Einwohnern im Landkreis Celle.

Kein Arzt in Sicht

Derzeit fehlen in Deutschland mindestens 2.600 Haus- und etwa 2.000 Fachärzte die nach der Bedarfsplanung der Ärzteverbände zur Sicherstellung der Grundversorgung vor allem auf dem Land nötig wären. Aufgrund des hohen Ärztemangels ist es für viele Mediziner, die in den Ruhestand gehen wollen, schwer, einen Nachfolger zu finden. Schulen, Busse und Bahnen sind auf dem Land meist eine ebenso große Seltenheit wie etwa Theater, Kinos und Shoppingmeilen.

Weil junge Mediziner die kulturelle Vielfalt der Stadt bevorzugen, schrecken viele davor zurück, sich auf dem Land niederzulassen. Nicht jedoch Jörg Pößnecker. Für ihn stand fest: „Spätestens wenn wir Kinder haben, ziehen wir raus aus der Stadt.“ Und auch Matthias Paulisch zog es in den ländlicheren Bereich Brandenburgs. „Ich komme vom Land, bin hier groß geworden und möchte hier auch alt werden“, sagt er. In der rund 5.800 Einwohner großen Stadt Schwarzheide im Süden Brandenburgs hat er seit rund einem Jahr eine Hausarztpraxis.

Mit einem Investitionskostenzuschuss von 25.000 Euro und einem über 20 Quartale verteilten Sicherstellungszuschlag von nochmal 25.000 Euro konnte er sich den Traum von der eigenen Praxis erfüllen. „Die Förderung war auf jeden Fall ein großer Baustein bei der Niederlassung“, erklärt er. Nach der Übernahme der Praxis seiner Vorgängerin konnte der Hausarzt mit dem Geld den Gerätepark erneuern und in die Infrastruktur investieren. Ohne die Förderung wäre das nur schwer möglich gewesen, erklärt Paulisch.

Die Kosten einer Praxis liegen in der Regel meist höher als 50.000 Euro. Neben den eventuell vorhandenen Krediten für ein Haus, eine Wohnung oder ein Auto kommen bei einer Niederlassung noch weitere Kosten für die Praxis hinzu. Viele junge Mediziner schreckt das ab, direkt nach der Ausbildung in die Niederlassung zu gehen. Durch drohende Arzneimittelregresse bei zu viel verschriebenen Medikamenten wird zusätzlich die Angst vor finanziellen Problemen geschürt.

Konkurrenzlos niedergelassen

Wie wenig Interesse junge Mediziner an der eigenen Niederlassung haben, bemerkten auch Jörg Pößnecker und Matthias Paulisch. Als Pößnecker sich entschieden hat, die Praxis seiner Vorgängerin zu übernehmen, hatte er dabei keinerlei Konkurrenz. „Meine Vorgängerin hat sich kurz vor der Rente gedacht, sie würde keinen Nachfolger mehr finden und die Praxis überhaupt nicht mehr loswerden“, erzählt Pößnecker. Er hätte auch woanders hingehen können. Doch da seine Frau eine Stelle in der Nähe angenommen hat, entschied er sich, in Faßberg ambulant tätig zu werden.

Auch Paulisch ist familienbedingt nach Schwarzheide gezogen und hat dort konkurrenzlos die Praxis seiner Vorgängerin übernommen. Bei der Übernahme hat ihm die KV Brandenburg geholfen. „Die Gespräche mit den KV-Mitarbeitern sind sehr informativ und man findet immer ein offenes Ohr“, beschreibt Paulisch die Zusammenarbeit. „Ich habe alle wichtigen Infos auf der Webseite, im Mitgliedermagazin oder bei den Ansprechpartnern der KV gefunden.“

Zur Arbeit in der Niederlassung sagt Pößnecker: „Es ist zwar auch stressig, aber anders und weniger, als wenn ich in einem fremdgeplanten Chaos arbeiten muss.“ Paulisch war schon früh klar, dass er nach der Arztausbildung in die Niederlassung gehen würde. Er bereut die Entscheidung nicht: „Ich bin mein eigener Chef und kann nach meinen eigenen Regeln arbeiten.“ Auch Pößnecker liegt die Freiheit in der eigenen Praxis mehr, als nach dem starren Konstrukt in einem Krankenhaus zu arbeiten. „Wenn ich von anderen vor irgendwelche Bedingungen gesetzt werde und die Erfüllen soll, ist das schwierig. Jetzt arbeite ich zu meinen eigenen Bedingungen.“

Quelle