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Apixaban

Handelsname: Eliquis®

Anwendungsgebiet: Behandlung und Prophylaxe von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien*

Pharmazeutischer Unternehmer: Bristol-Myers Squibb Pharma GmbH & Co. KGaA/Pfizer Deutschland GmbH

Beginn des Verfahrens: 01.09.2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 19.02.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zwecksmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Behandlung und Prophylaxe von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien* a. Initialbehandlung (Antikoagulation) einer tiefen Venenthrombose (TVT) bzw. einer Lungenembolie (LE) und parallel Beginn einer Post-Prophylaxe (bis sechs Monate)            
niedermolekulare Heparine (z.B. Enoxaparin)** und Vitamin-K-Antagonisten Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen
b. Langzeitprophylaxe einer rezidivierenden TVT bzw. LE (über sechs Monate hinaus)
Vitamin-K-Antagonisten Zusatznutzen gilt als nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
** Die Wirkstoffe sollen in den für die jeweilige Indikation zugelassenen Dosierungen gegeben und patientenindividuell optimiert eingesetzt werden.


Zusammenfassung:

Apixaban ist seit September 2014 auch zur Behandlung von tiefen Venenthrombosen (TVT) und Lungenembolien (LE) sowie zur Prophylaxe von rezidivierenden TVT und LE bei Erwachsenen zugelassen. Das Arzneimittel soll in der ersten Woche nach einem akuten Ereignis in einer Dosierung von 2 x 10 mg täglich und anschließend bis zu sechs Monate lang in einer Dosierung von 2 x 5 mg täglich eingenommen werden. Falls erforderlich, kann die Postprophylaxe nach den Angaben in der Fachinformation nach sechs Monaten mit einer reduzierten Dosierung von 2 x 2,5 mg täglich fortgeführt werden.

Für die Initialbehandlung mit parallel einzuleitender Sekundärprophylaxe bis längstens sechs Monate nach TVT oder LE (Anwendungsgebiet a) wurden die Ergebnisse der Phase-III-Studie AMPLIFY untersucht. Hier zeigten sich statistisch signifikante Vorteile für Apixaban beim kombinierten Endpunkt „schwere Blutungen oder klinisch relevante nicht schwere Blutungen“. In allen sonstigen Kategorien wurden keine statistisch signifikanten Unterschiede festgestellt. Daten zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität lagen nicht vor. Insgesamt resultierte daraus ein Hinweis auf einen geringen Zusatznutzen.

Bei Patienten mit einem Body-Mass-Index (BMI) über 28 zeigte sich zwar ein beträchtlicher Vorteil bei den symptomatischen nicht tödlichen TVT. Ohne die Unterteilung nach BMI war dieser Morbiditätsvorteil jedoch nicht mehr statistisch signifikant. Der absolute Unterschied beim Endpunkt „schwere Blutungen“ zugunsten von Apixaban machte 1,2% aus (0,6% gegenüber 1,8%).

Für die Langzeitprophylaxe nach Abschluss einer sechsmonatigen Behandlung, wenn eine weiterführende Antikoagulation angezeigt ist (Anwendungsgebiet b), waren Vitamin-K-Antagonisten (VKA) als zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt. Die im Dossier enthaltene Studie AMPLIFY-Extension verglich Apixaban in der zugelassenen niedrigeren Dosierung von 2 x 2,5 mg zur Langzeitprophylaxe mit Placebo. Hier unterschied sich die Rate an Blutungen in beiden Vergleichsarmen statistisch nicht voneinander bei einem Morbiditätsvorteil zugunsten von Apixaban. Für den Vergleich mit VKA lagen keine Daten vor, weshalb der Zusatznutzen nicht belegt werden konnte.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Apixaban wird bei Patienten mit einer Lungenembolie, die hämodynamisch instabil sind oder eventuell eine Thrombolyse oder pulmonale Embolektomie benötigen, nicht als Alternative zu unfraktioniertem Heparin empfohlen, da die Wirksamkeit und Sicherheit von Apixaban unter diesen klinischen Bedingungen nicht untersucht wurden.

Gemäß der Vorgaben der EMA hinsichtlich zusätzlicher Maßnahmen zur Risikominimierung ist seitens des pharmazeutischen Unternehmers allen Ärzten, die Apixaban voraussichtlich anwenden werden, Schulungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Dieses enthält neben der Fachinformation einen Leitfaden für den verschreibenden Arzt sowie einen Patientenausweis.

Patienten mit transienten Risikofaktoren (z.B. vorausgegangene Operation, Trauma, Immobilisierung), für die möglicherweise eine kürzere Therapiedauer mit Apixaban (mindestens drei Monate) angezeigt wäre, wurden in der AMPLIFY-Studie nicht untersucht. Es liegen keine Daten für diese Patientenpopulation vor.

Ein geringeres Körpergewicht (< 60 kg) kann gemäß Fachinformation von Apixaban 5 mg mit erhöhtem Blutungsrisiko einhergehen.

Es ist kein Antidot für Apixaban verfügbar.

Für Patienten, für die nach Einschätzung des Arztes eine Umstellung auf VKA, vor allem unter dem Aspekt der mit der Umstellung verbundenen Gefährdung der Patienten, nicht in Frage kommt, aber eine weiterführende Prophylaxe (über sechs Monate hinaus) geboten ist, kann die Fortführung der Therapie mit Apixaban gemäß Fachinformation angezeigt sein. Zur Sicherstellung der qualitätsgesicherten Anwendung von Apixaban ist die Begründung für die Fortführung der Therapie in der Arztdokumentation festzuhalten.