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Idelalisib

Handelsname: Zydelig®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronischen lymphatischen Leukämie (CLL) in Kombination mit Rituximab sowie Monotherapie des follikulären Lymphoms (FL), das refraktär gegenüber zwei vorausgegangenen Therapielinien ist*

Pharmazeutischer Unternehmer: Gilead Sciences

Beginn des Verfahrens: 1. Oktober 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 19. März 2015 / 21. April 2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
1. Behandlung von Patienten mit CLL, die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben a) Patienten mit rezidivierender CLL, für die eine Chemotherapie angezeigt ist
Chemotherapie in Kombination mit Rituximab nach Maßgabe des Arztes, unter Beachtung des Zulassungsstatus Zusatznutzen gilt als nicht belegt
b) Patienten mit rezidivierender CLL, für die eine Chemotherapie nicht angezeigt ist
Best-Supportive-Care** Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
c) Patienten mit refraktärer CLL, für die eine Chemotherapie oder Therapie mit Ofatumumab angezeigt ist
patientenindividuelle, optimierte Therapie nach Maßgabe des Arztes, unter Beachtung des Zulassungsstatus Zusatznutzen gilt als nicht belegt
d) Patienten mit refraktärer CLL, für die eine Chemotherapie oder Therapie mit Ofatumumab nicht angezeigt ist
Best-Supportive-Care** Zusatznutzen gilt als nicht belegt
2. Erstlinientherapie der CLL bei Vorliegen einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation bei Patienten, die für eine Chemoimmuntherapie ungeeignet sind Best-Supportive-Care** Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen
3. Behandlung von Patienten mit FL, das refraktär gegenüber zwei vorausgegangenen Therapielinien ist Best-Supportive-Care** Zusatznutzen gilt als nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Idelalisib ist ein selektiver Inhibitor der Phosphatidylinositol-3-Kinase, die bei B-Zell-Malignomen eine zentrale Rolle in der Proliferation und dem Überleben der malignen Zellen einnimmt.

Die Bewertung in der Indikation CLL erfolgte auf Basis einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie mit 220 Patienten mit vorbehandelter CLL, in der Idelalisib und Rituximab gegen Placebo und Rituximab verglichen wurden. Bei Lebensqualität und Gesamtüberleben zeigte sich für Idelalisib ein Vorteil, insbesondere bei Hochrisikopatienten mit einer 17p-Deletion oder TP53-Mutation. Deletion 17p und Mutation TP53 sind negative prognostische und prädiktive Marker bei der CLL. Bisher konnte bei diesen Patienten unabhängig von der Therapielinie nur ein schlechtes Ansprechen erreicht werden. Vor diesem Hintergrund erfolgte die Zulassung durch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) auch für die Erstlinienbehandlung, obwohl keine entsprechenden Vergleichsstudien vorlagen.

Nachteile zeigten sich in der Studie bei unerwünschten Ereignissen, insbesondere gastrointestinale Ereignisse. Pneumonitiden und Neutropenien traten unter Idelalisib häufiger auf.

Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) wertete den Vergleich gegen die (nicht zulassungskonforme) Rituximab-Monotherapie als hinreichende Annäherung an Best-Supportive-Care. Es wurde nicht von einer Untertherapie ausgegangen. Allerdings waren nicht alle zugelassenen Patientengruppen in die Studie eingeschlossen. Zudem verblieben Unsicherheiten, ob die Rituximab-Monotherapie für alle Patienten die optimale Therapie darstellt. Die Extrapolation der Ergebnisse von therapieerfahrene auf therapienaive CLL-Patienten wurde in Analogie zur EMA vorgenommen, die hohe und lang anhaltende Ansprechraten unter Idelalisib unabhängig von der Therapielinie, dem Ansprechen auf vorhergegangene Therapien oder ungünstigen Prognosefaktoren hervorgehoben hat. Es sprechen keine medizinischen Gründe gegen eine Übertragbarkeit.

Aufgrund der verbliebenen Unsicherheiten sah der G-BA für Idelalisib für die oben beschriebenen Subgruppen 1b und 2 einen Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen. Für die Subgruppen 1a, 1b und 1c wurde aufgrund fehlender Daten kein Zusatznutzen festgestellt.

In der Indikation FL erfolgte die Zulassung von Idelalisib auf Basis einer einarmigen Phase-II-Studie mit 125 Patienten, darunter 72 Patienten mit FL. Etwa 58 Prozent von ihnen sprachen auf Idelalisib an. Der G-BA hat diese Studie jedoch nicht zur Bewertung des Zusatznutzens herangezogen, da ein Vergleich fehlte. Damit gilt der Zusatznutzen als nicht belegt.

Nach Beschlussfassung am 19. März 2015 wurde die Zulassung von Idelalisib geändert: Für Patienten mit CLL bei Vorliegen einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation, die für eine Chemoimmuntherapie ungeeignet sind, ist Idelalisib nicht mehr als Erstlinientherapie zugelassen. Stattdessen ist er nur noch zur Fortsetzung der Therapie bei Patienten angezeigt, bei denen bereits eine Erstlinientherapie mit Idelalisib initiiert wurde.

Vor diesem Hintergrund weist der G-BA darauf hin, dass sich die Aussage zum Zusatznutzen von Idelalisib (Anhaltspunkt für einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen) auf das ursprüngliche Anwendungsgebiet bezieht. Beschluss vom 21. April 2016

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Idelalisib soll durch in der Therapie von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie erfahrene Fachärzte (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie) erfolgen.

Der Hauptmetabolit von Idelalisib ist ein starker CYP3A-Inhibitor. Die gleichzeitige Anwendung von Idelalisib und CYP3A-Substraten kann deren therapeutische Wirksamkeit und Nebenwirkungen verstärken oder verlängern. Die Begleitmedikation der Patienten ist entsprechend zu prüfen.