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Ibrutinib

Handelsname: Imbruvica®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom oder mit chronischer lymphatischer Leukämie*

Pharmazeutischer Unternehmer: Janssen-Cilag GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. November 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 16. April 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
1. Erwachsene mit chronischer lymphatischer Leukämie (CLL), die mindestens eine vorangehende Therapie erhalten haben, oder zur Erstlinien-Therapie bei Patienten mit einer 17p-Deletion oder einer TP53-Mutation, die für eine Chemo-Immuntherapie nicht geeignet sind* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar
2. Erwachsene mit rezidiviertem oder refraktärem Mantelzell-Lymphom (MCL)* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Ibrutinib ist ein Inhibitor der Bruton-Tyrosinkinase, das als Signalmolekül bei der Pathogenese von B-Zell-Malignomen wie CLL und MCL eine wichtige Rolle spielt. Bei CLL und MCL handelt es sich um Non-Hodgkin-Lymphome der B-Lymphozyten. Deletion 17p und Mutation TP52 sind negative prognostische und prädiktive Marker, so dass es sich hier um eine Hochrisikogruppe handelt. Diese CLL-Patienten profitieren kaum von der bisherigen Standardtherapie.

Ibrutinib ist als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet nur das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

1. Patienten mit CLL
Die Bewertung von Ibrutinib basiert auf einer randomisierten, offenen Phase-III-Studie mit 391 vorbehandelten Patienten, in der Ibrutinib gegen Ofatumumab verglichen wurde (PCYC-1112-CA). Das Verzerrungspotential ist bis auf den Endpunkt Gesamtüberleben wegen des offenen Studiendesigns hoch. Beim Gesamtüberleben zeigte sich ein signifikanter Vorteil für Ibrutinib. Dies traf auch für Hochrisikopatienten mit einer 17p-Deletion zu. Da 29 Prozent der Patienten den nach Progress möglichen Cross-Over in den Ibrutinib-Arm nutzten, könnte der Überlebensvorteil eher noch unterschätzt sein. Dem stehen insgesamt keine Nachteile bei den Nebenwirkungen gegenüber.

Unter Ibrutinib traten häufiger Diarrhö und Fieber, unter Ofatumumab dagegen häufiger infusionsbedingte Reaktionen auf. Die Daten zum Gesamtüberleben sind wegen der im Vergleich zu der noch erwarteten Lebenserwartung relativ kurzen Studienlaufzeit und der geringen Anzahl an Todesfällen als unreif anzusehen. Aus Sicht des G-BA ist zudem nicht sicher, ob die als Komparator gewählte Ofatumumab-Monotherapie für alle Patienten eine optimale Therapie darstellt, was eine Quantifizierung des Zusatznutzens erschwert.

Für die Erstlinientherapie liegen keine Studiendaten vor. Der G-BA folgt hier der EMA, die einen dramatischen Effekt unabhängig von der Vortherapie und dem Mutationsstatus sieht, und geht von einer Übertragbarkeit der Studiendaten auf die Erstlinientherapie der Hochrisikopatienten aus.

2. Patienten mit MCL
Für diese Indikation erfolgte die Bewertung von Ibrutinib auf Grundlage einer einarmigen Phase-II-Studie mit 111 Patienten (PCYC-1104-CA). Das mediane Gesamtüberleben betrug 22,5 Monate. Der Behandlungseffekt ist aus Sicht des G-BA auf Basis dieser einarmigen Studie nicht quantifizierbar.

In der Gesamtschau sieht der G-BA für Ibrutinib für alle genannten Anwendungsgebiete einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie. Zur Aussagesicherheit wird, wie bei Orphan Drugs üblich, keine Aussage gemacht.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ibrutinib soll durch in der Therapie von Patienten mit chronischer lymphatischer Leukämie oder Mantelzell-Lymphom erfahrene Fachärzte (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie) erfolgen.