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Meine Meinung: Dr. Haas zur Palliativversorgung

Dr. Haas, warum arbeiten Sie in einem SAPV-Netz?
Wir haben ja dort nicht nur ärztlicher Seite, Fachärzte, Klinikärzte, Hausärzte, sondern auch andere Berufsgruppen: Altenpfleger, Krankenpfleger mit palliativer Ausbildung, also wir arbeiten sektorenübergreifend. Und das ist sich gegenseitig befruchtend. Wir haben Spezialisten für alles Mögliche und wir haben auch Fachkompetenz und Austausch untereinander in dem Qualitätszirkel, den wir haben, und da haben wir – so sagen wir – was Schönes: Intervision, wenn man mal über seine kritischen Fälle sprechen will, dann kann man das hervorragend mit den Kollegen machen und das ist eigentlich das Wichtigste dabei.


Also keine Konkurrenz, sondern Teamwork?
Wir brauchen in Deutschland einfach noch viel mehr Leute, die sich in dem Bereich engagieren. Wir wollen immer nur zusätzlich, als zusätzliche Ressource bei den Patienten sein, dass man keine Versorgung den Hausärzten abnimmt, dafür sind sie einfach zu wichtig für die Patienten; ich bin froh, dass wir jetzt AAPV, also Allgemeine Palliativversorgung auch haben, aber das soll nicht vergessen lassen, dass wir noch mehr Spezialisierte Ambulante Palliativversorgung – und vielleicht auch früh – an die Patienten brauchen.


Wie gut funktioniert die SAPV in Ihrer Region?
Meine Erfahrung sagt: Hier haben wir uns viel Mühe gegeben und wir müssen uns zwar noch weiterentwickeln, aber es funktioniert hier; wir haben also auch die flächige Versorgung gut erreicht, die meisten Hausärzte kennen uns und weisen uns auch zu, das Hospiz ist bekannt, aber es gibt auch große Bereiche, wo ich sage, da gibt es riesige Defizite. Wenn ich nur mal kurz über die Grenze kucke und dann sehe, dass Patienten, die die falsche Krankenkasse haben und von uns versorgt werden wollen, gar nicht weit weg, dass ich dann sagen kann, tut uns leid, Sie sind in der falschen Krankenkasse, wir können Sie nicht versorgen, das tut mir in der Seele weh. Obwohl die in unserem Versorgungsbereich sehr nah sind und uns auch wollen, weil sie vielleicht auch das Eine oder Andere gehört haben, dass das gut funktioniert, müssen wir deren Versorgung ablehnen. Das darf in Deutschland nicht sein, dass es von der Krankenkasse abhängig ist, ob jemand von einem bestimmten Team versorgt werden kann oder nicht.


Die SAPV ist nicht Teil des Kollektivvertrags. Wie finden Sie das?
Ich habe ja Verständnis dafür, dass es auch Selektivverträge gibt, aber ich halte sie bei der Versorgung von Palliativpatienten, von Sterbenden, für völlig überflüssig. Weil es führt im Prinzip dazu, es gibt so viele verschiedene Verträge und bei den Verhandlungen, die ich so auch selbst mitgemacht habe, da merke ich eigentlich nur eine positive Sache: Seit ich weiß, wie Selektivverträge funktionieren, schätze ich den Kollektivvertrag viel mehr.

Die Versorgung sterbenskranker Menschen soll möglichst ambulant und am besten in den eigenen vier Wänden stattfinden. Ist die Lebenserwartung auf weniger als 6 Monate begrenzt und die Krankheit von starken, dauerhaften Schmerzen begleitet, ist der Patient ein Fall für die spezialisierte ambulante Palliativversorgung (SAPV). Die ist seit dem 1. April eine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen. Hausarzt und Palliativmediziner Dr. André Haas ist selbst Teil eines SAPV-Netzes in Nordthüringen. Im Interview erzählt er, was er persönlich von der SAPV in Deutschland hält.

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