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Alipogentiparvovec

Handelsname: Glybera®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen, bei denen eine familiäre Lipoproteinlipasedefizienz (LPLD) diagnostiziert wurde und bei denen schwere oder multiple Pankreatitis-Schübe trotz fettarmer Ernährung aufgetreten sind*

Pharmazeutischer Unternehmer: Chiesi GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. November 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21. Mai 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Behandlung von Erwachsenen, bei denen eine LPLD diagnostiziert wurde und bei denen schwere oder multiple Pankreatitis-Schübe trotz fettarmer Ernährung aufgetreten sind* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Alipogentiparvovec ist indiziert zur Behandlung der LPLD, wenn schwere oder multiple Pankreatitis-Schübe trotz fettarmer Ernährung aufgetreten sind. Die Diagnose LPDL muss durch einen Gentest abgesichert sein. Die Anwendung ist beschränkt auf Patienten mit nachweisbaren Mengen an LPL-Protein. Es ist das erste in Deutschland zugelassene Gentherapeutikum.

Bei Alipogentiparvovec handelt es sich um ein Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug). Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs schon durch die Zulassung als belegt. Ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens wird auf der Grundlage der Zulassungsstudien durch den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) bewertet.

Der Nutzenbewertung lagen drei einarmige Interventionsstudien und zwei Datenreviews zugrunde, bei denen von einem hohen Verzerrungspotential auf Studien- und Endpunktebene ausgegangen wurde. Von den insgesamt 27 Studienpatienten entsprachen lediglich neun Patienten der „Population im Label“. Im Vorher-Nachher-Vergleich zeigte sich nach Gabe der Studienmedikation zwar eine etwas geringere Häufigkeit von Pankreatitiden, die jedoch aufgrund der eher geringen Nachbeobachtungszeit von fünf Jahren (Forderung der Zulassungsbehörde sind 15 Jahre) nicht mit Sicherheit von einem zufälligen Ergebnis unterschieden werden konnte.

In der Gesamtschau kam der G-BA zu dem Ergebnis, dass der Zusatznutzen von Alipogentiparvovec nicht quantifizierbar ist. Eine valide fachliche Aussage über einen Zusatznutzen und dessen Quantifizierung ließen die vorliegenden Daten nicht zu. Die Geltungsdauer des Beschlusses ist bis zum 1. Juni 2016 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Außerdem gelten folgende Vorgaben:

Ganzen Text anzeigen

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Alipogentiparvovec darf nur durch in der Therapie von Patienten mit LPLD und in der Anwendung von Gentherapeutika erfahrene Ärzte sowie mit vollem Einverständnis des Patienten erfolgen.

Die Anwendung von Alipogentiparvovec ist ärztlich zu überwachen. Für den Fall einer anaphylaktischen Reaktion muss eine geeignete medizinische Notfallausrüstung immer griffbereit zur Verfügung stehen.

Der Zulassungsinhaber hat die Auflage, ein Krankheits-Register zu etablieren, in dem Informationen zur Epidemiologie der Erkrankung und zur Demografie, Sicherheit und Wirksamkeit der mit Alipogentiparvovec behandelten Patienten mit familiärer LPLD gesammelt werden. Einzelheiten zur Durchführung des Registers müssen mit den zuständigen nationalen Behörden in jedem Mitgliedstaat abgestimmt werden. Alle behandelten Patienten sollen in das Register aufgenommen werden. Zudem sollen Patienten, die in einer klinischen Prüfung mit Alipogentiparvovec behandelt wurden, am Ende der Prüfung in das Register aufgenommen werden. Ärzte sollen angehalten werden, auch Patienten mit familiärer LPLD aufzunehmen, die nicht mit Alipogentiparvovec behandelt werden.

Der Zulassungsinhaber soll die Einzelheiten eines Programms mit beschränktem Zugang mit den zuständigen nationalen Behörden abstimmen und ein solches Programm national implementieren, bevor das Arzneimittel in den Verkehr gebracht wird. Alipogentiparvovec soll nur dann abgegeben werden, wenn die an der Behandlung des Patienten beteiligten Ärzte bzw. das medizinische Fachpersonal das Schulungsmaterial erhalten haben und wenn der verordnende Arzt bestätigt, dass der Patient sein Einverständnis zur Aufnahme in das Register gegeben hat.

Das Schulungsmaterial für Ärzte bzw. medizinisches Fachpersonal muss vor der Abgabe mit den zuständigen nationalen Behörden abgestimmt werden und die folgenden Bestandteile beinhalten:

  • Produktinformation (Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels, Packungsbeilage und Patientenpass)
  • Schulungsmaterial für Ärzte bzw. medizinisches Fachpersonal
  • Schulungsmaterial für Patienten
  • Patiententagebuch

Der Zulassungsinhaber muss jeder Arzneimittelpackung einen Patientenpass beifügen.

Alipogentiparvovec wurde unter „Außergewöhnlichen Umständen“ zugelassen. Das bedeutet, dass es im Rahmen des Zulassungsverfahrens aufgrund der Seltenheit der Erkrankung nicht möglich war, vollständige Informationen zu diesem Arzneimittel zu erhalten. Die EMA wird jegliche neuen Informationen, die verfügbar werden, jährlich bewerten. Falls erforderlich, wird die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisiert.