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Ataluren

Handelsname: Translarna®

Anwendungsgebiet: Behandlung der Duchenne-Muskeldystrophie infolge einer Nonsense-Mutation im Dystrophin-Gen bei gehfähigen Patienten ab 5 Jahren*

Pharmazeutischer Unternehmer: PTC Therapeutics International Limited

Beginn des Verfahrens: 1. Dezember 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21. Mai 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Duchenne-Muskeldystrophie* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Die täglich empfohlene Gesamtdosis von Ataluren beträgt 40 mg pro kg Körpergewicht, aufgeteilt auf drei Dosen (10/10/20 mg/kg) im Abstand von sechs, sechs und 12 Stunden. Die Zulassung erfolgte als Orphan Drug und unter „besonderen Bedingungen“. Hieran ist die Erwartung an Studienergebnisse einer laufenden Phase-III-Studie geknüpft.

Bei etwa 13 Prozent aller Duchenne-Patienten liegt eine Nonsense-Mutation der DNS vor, wodurch es zu einem frühzeitigen Stopcodon in der mRNS kommt. Durch diesen vorzeitig beendeten Translationsprozess wird nicht ein Protein voller Länge generiert. Ataluren ermöglicht ein ribosomales Durchlesen der mRNS, die ein derartiges Stopcodon enthält, und infolgedessen wird ein Protein (Dystrophin) voller Länge erzeugt.

Eine spezifische Therapieoption besteht nicht. Die Gehfähigkeit soll durch die frühzeitig begonnene Langzeitgabe von Kortikosteroiden, die der Myopathie entgegenwirken, bis zu drei bis vier Jahre länger erhalten werden können, zudem die Lungen- und Herzfunktion stabilisieren und orthopädische Komplikationen reduzieren.

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Die Nutzenbewertung von Ataluren basiert auf der zulassungsbegründenden Studie PTC124-GD-007-DMD, in welche insgesamt 174 eingeschlossen wurden. Bei dieser Studie handelt es sich um eine multizentrische, randomisierte placebokontrollierte, verblindete Dosisfindungsstudie der Phase 2b im Parallelgruppendesign mit drei Behandlungsarmen.

In den beiden Interventionsarmen wurde eine tägliche Gesamtdosis von 40 bzw. 80 mg/kg Körpergewicht jeweils aufgeteilt auf drei Dosen (10, 10, 20 mg/kg bzw. 20, 20, 40 mg/kg) verabreicht. In die Studie wurden Patienten ab einem Alter von 5 Jahren mit DMD und einer Gehstrecke von mindestens 75 m ohne Hilfe im Screening-6MWT (6-Minuten-Gehtest) eingeschlossen. Aufgrund des Designs und der Methodik wird das Verzerrungspotential auf Studienebene für die präspezifizierte Auswertung insgesamt als niedrig eingeschätzt.

Der primäre Endpunkt war die Veränderung des 6-Minuten-Gehtests (6MWT). Hierbei zeigte sich eine absolute Veränderung der Gehstrecke im Verum-Arm von -12,9 m und im Placebo-Arm -42,6 m jeweils gegenüber Baseline. Die Gehstreckendifferenz war im Gruppenvergleich nicht statisch signifikant unterschiedlich.

Supportiv wurde der Anteil der Patienten mit einer 10%-igen Verbesserung bzw. einer 10%-igen Verschlechterung nach 48 Wochen sowie die Zeit bis zur 10%-igen Verbesserung/Verschlechterung kalkuliert. Diese Endpunkte waren präspezifiziert. Hierbei zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil von Ataluren für Patienten mit einer mindestens 10%-igen Verschlechterung (Progressoren). Darüber hinaus war das Ergebnis bezüglich der Zeit bis zur Verschlechterung um mindestens 10% statistisch signifikant unterschiedlich zugunsten von Ataluren.

Aufgrund der Verringerung des Anteils von Patienten mit einer mindestens 10%-igen Verschlechterung und der statistisch signifikant längeren Zeit bis zu einer mindestens 10%-igen Verschlechterung der Gehstrecke im 6MWT stuft der Gemeinsame Bundesausschuss den Zusatznutzen von Ataluren als gering ein.

Der Beschluss wurde aufgrund der Zulassung unter besonderen Bedingungen und der noch laufenden Phase-III-Studie bis zum 1. Juni 2016 befristet.

Hinweise für die Praxis

1. Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ataluren soll nur durch in der Therapie von Patienten mit Duchenne/Becker Muskeldystrophie erfahrene Fachärzte erfolgen.

Dieses Arzneimittel wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und die Fachinformation, falls erforderlich, aktualisieren.

2. Praxisbesonderheit

Ataluren ist seit dem 1. Dezember 2015 in dem Anwendungsgebiet, für das der G-BA einen Zusatznutzen festgestellt hat, ab dem ersten Behandlungsfall als Praxisbesonderheit anzuerkennen. Dies gilt nicht bei der Anwendung außerhalb des bestimmungsgemäßen Gebrauchs („off label use“). Ein solcher nicht bestimmungsgemäßer Gebrauch liegt insbesondere bei einer Behandlung von nicht gehfähigen Patienten sowie von Kindern unter fünf Jahren vor.

Die Sicherheit und Wirksamkeit von Ataluren bei Patienten ab 65 Jahren sowie bei Patienten mit Nieren- und Leberfunktionsstörungen sind nicht erwiesen.

Die Anerkennung als Praxisbesonderheit ist auf die Geltungsdauer des G-BA-Beschlusses beschränkt (1. Juni 2016).

Vereinbarung über die Anerkennung der Verordnung von Ataluren als Praxisbesonderheit