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Politik

Steigende Anforderungen bei gleichbleibend geringem Honorar

Berlin – Dr. med. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV und Vorstand für den fachärztlichen Bereich, auf dem 1. Fachärztetag im Rahmen des Hauptstadtkongresses am 10. Juni als Teilnehmer der gesundheitspolitischen Podiumsdiskussion.

„Die Doppelte Facharztschiene hat es nicht gegeben, wird es auch nicht geben. Es gibt niedergelassene Fachärzte – zum großen Teil in Inhaber geführten Praxen – und es gibt Ärzte in Weiterbildung in unterschiedlichen Facharztgebieten. In der Klinik sind daher neben fertig weitergebildeten Fachärzten eben auch solche tätig, die fachärztlich arbeiten, aber vor allem ihre Erfahrung aufbauen.

Bei der Politik sind die Fachärzte als Allrounder in der Gesundheitsversorgung angekommen. Dies ist gut und richtig, steigt doch ihr Anteil in der Primärversorgung der Patienten zunehmend. Dies auch, weil der Altersdurchschnitt bei den Hausärzten höher und ihr Ausscheiden aus dem Beruf früher als bei den Fachärzten ansteht. Das Gros der der morbiditätsbedingten Mehrbehandlung liegt bereits beim Facharzt.

Diese steigenden Anforderungen müssen sie unter Bedingungen erbringen, die die Politik immer weiter verschärft – vom Honorardeckel aus Beton ganz zu schweigen. Angesichts der Ketten, die die Fachärzte behindern, ist es umso erstaunlicher, dass sie immer noch eine Versorgung gewährleisten, die europaweit ihresgleichen sucht.

Und dann das: In Deutschland, dort, wo im internationalen Vergleich Termine am schnellsten vergeben werden, werden Terminservicestellen eingerichtet und diese auch noch mit einem gedeckelten Honorar versehen. Es gibt in den Ländern mit stark staatlich dominierten Gesundheitssystemen in der Tat Probleme mit langen Wartezeiten auf einen Termin, die erheblich mehr Härten für die Patienten dort bedeuten – die Wartezeiten liegen teils um das zehn- bis zwanzigfache höher als in Deutschland und dies unabhängig vom Versichertenstatus.

Auch in Bezug auf die Versorgung auf dem Land gibt es Fehleinschätzungen. Man muss die Sorgen der ländlichen Bevölkerung ernst nehmen ohne ihr falsche Versprechungen zu machen. Wo es keine Post mehr gibt, keinen Supermarkt mehr und auch die Bildungsinfrastruktur wie Kitas und Schulen kaum noch aufrechterhalten werden kann, dort wird man nur schwer einen Arzt für die Niederlassung gewinnen können. Dieser sich abzeichnenden Misere muss man mit neuen Versorgungskonzepten begegnen, zu denen Erarbeitung Fachärzte ihren Beitrag leisten werden. Dazu brauchen wir mehr statt weniger Flexibilität – genau diese Spielräume aber beschneidet der Gesetzgeber mit dem neuen Versorgungsstärkungsgesetz, das stattdessen stärker auf Lenkung setzt."