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Pasireotid

Handelsname: Signifor®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit Akromegalie, bei denen eine chirurgische Behandlung nicht erfolgreich war oder nicht in Frage kommt, und die auf eine Behandlung mit einem anderen Somatostatin-Analogon nicht ausreichend angesprochen haben*

Pharmazeutischer Unternehmer: Novartis Pharma GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Januar 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 18. Juni 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Akromegalie* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Pasireotid ist seit Juni 2012 zur Behandlung des Morbus Cushing im Verkehr. Für dieses Anwendungsgebiet hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) einen geringen Zusatznutzen von Pasireotid festgestellt. Beschluss vom 6. Dezember 2012

Seit Januar 2015 ist der Wirkstoff auch zur Behandlung von Erwachsenen mit Akromegalie, bei denen eine chirurgische Behandlung nicht erfolgreich war oder nicht in Frage kommt und die auf die Behandlung mit einem anderen Somatostatin-Analogon nicht ausreichend angesprochen haben, im Verkehr.

Pasireotid ist als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs schon durch die Zulassung als belegt. Ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens wird auf der Grundlage der Zulassungsstudien durch den G-BA bewertet.

Für die Nutzenbewertung legte der Hersteller die multizentrische, randomisierte, dreiarmige Phase-III-Studie C2402 vor. In zwei Armen wurde Pasireotid in zwei unterschiedlichen Dosierungen (40 mg bzw. 60 mg täglich) gegeben. Im Kontrollarm wurde die bisherige Behandlung mit den Somatostatin-Analoga Octreotid 30mg/d oder Lanreotid-Autogel 120mg/d fortgesetzt. Dabei war die Kontrollgruppe nicht verblindet. Die Behandlungsdauer betrug 24 Wochen, danach erfolgte entweder ein 8-wöchiges Sicherheits-Follow-up oder die Patienten konnten an einer Verlängerungsstudie teilnehmen.

Der primäre Endpunkt der Studie war der Anteil der Patienten mit biochemischer Kontrolle nach 24 Wochen. Biochemische Kontrolle war definiert als ein Wachstumshormon- (GH) Wert < 2,5 μg/l und Normalisierung des für Geschlecht und Alter adjustierten Insulin-ähnlichen Wachstumsfaktor (IGF)-1-Wertes. Zu den sekundären Endpunkten zählten der Anteil der Patienten mit einer Reduktion des Tumorvolumens sowie Veränderungen bei Akromegalie-Symptomatik, Lebensqualität, Sicherheit und Verträglichkeit.

Unter Pasireotid 40 mg/Tag und 60 mg/Tag zeigte sich hinsichtlich des primären Endpunktes der biochemischen Kontrolle im Vergleich zur Kontrollgruppe ein statistisch signifikantes Ergebnis. Der Anteil der Patienten mit einer > 25%igen Reduktion des Tumorvolumens war in den beiden Pasireotid-Gruppen statistisch signifikant höher als in der Kontrollgruppe. Hinsichtlich der Veränderung der Kopfschmerzsymptomatik gab es einen statistisch signifikanten Effekt zugunsten der Interventionsgruppen. Bei den anderen Symptomen (Fatigue, Perspiration, Parästhesie, Osteoarthralgie, Ringgröße) gab es keinen statistisch signifikanten Unterschied. In Bezug auf die Lebensqualität zeigte sich kein Unterschied. Insbesondere Hyperglykämien traten bei den mit Pasireotid behandelten Patienten häufiger auf als in den Kontrollgruppen. Insgesamt begannen in der Pasireotid-Gruppe 36% der Patienten eine antidiabetische Therapie (in der Regel mit oralen Antidiabetika) im Vergleich zu 4,4% in der Octreotid-Gruppe.

In der Gesamtschau wurden die positiven Effekte bei der biochemischen Kontrolle und die Verbesserung der Kopfschmerzen gegenüber den negativen Effekten der erhöhten Nebenwirkungen abgewogen. Der G-BA bewertet den Zusatznutzen von Pasireotid im vorliegenden Anwendungsgebiet als gering.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Pasireotid muss durch einen in der Behandlung der Akromegalie erfahrenen Endokrinologen oder durch einen in der Behandlung der Akromelagie in sonstiger Weise vergleichbar qualifizierten Arzt erfolgen.