Logo-KBV

KBV Hauptnavigationen:

Dulaglutid

Handelsname: Trulicity®

Anwendungsgebiet: Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 mit anderen blutzuckersenkenden Arzneimitteln*

Pharmazeutischer Unternehmer: Lilly Deutschland GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Februar 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 16. Juli 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Diabetes mellitus Typ 2*


a) Monotherapie, wenn Diät und Bewegung alleine nicht zu einer ausreichenden Blutzuckerkontrolle führen bei Patienten, bei denen Metformin wegen Gegenanzeigen oder Unverträglichkeiten nicht geeignet ist
Sulfonylharnstoff (Glibenclamid o. Glimepirid) Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Zweifachkombinationstherapie mit einem oralen Antidiabetikum, wenn dieses, zusammen mit Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrolliert
b1) Zweifachkombination mit Metformin:
Metformin + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid o. Glimepirid)** Zusatznutzen ist nicht belegt
b2) Zweifachkombination mit einem anderen oralen blutzuckersenkenden Arzneimittel (außer Metformin):
Metformin + Sulfonylharnstoff (Glibenclamid o. Glimepirid)** Zusatznutzen ist nicht belegt
c) Dreifachkombinationstherapie mit zwei oralen Antidiabetika, wenn diese, zusammen mit Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren
Metformin + Humaninsulin*** Zusatznutzen ist nicht belegt
d) Kombination mit Insulin, mit oder ohne orales Antidiabetikum, wenn diese, zusammen mit Diät und Bewegung, den Blutzucker nicht ausreichend kontrollieren
Metformin + Humaninsulin*** Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
** Wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht geeignet ist, ist Humaninsulin als Therapieoption einzusetzen.
*** Therapie nur mit Humaninsulin, wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht ausreichend wirksam oder unverträglich ist.


Zusammenfassung:

Bei der Bewertung eines möglichen Zusatznutzens von Dulaglutid gegenüber der zweckmäßigen Vergleichstherapie wurden mehrere Teilpopulationen unterschieden.

Mono- / Kombinationstherapie mit zwei oralen Antidiabetika (a, c)
Der pharmazeutische Unternehmer hat keine relevanten Daten vorgelegt. Damit ist der Zusatznutzen nicht belegt.

Zweifachkombination mit Metformin (b1)
Beim anerkannten indirekten Vergleich (Brückenkomparator Sitagliptin mit Metformin) lagen nicht zu allen untersuchten Endpunkten relevante Daten vor oder es gab zwischen den Behandlungsarmen keine statistisch signifikanten Unterschiede. In der Endpunktkategorie der nicht schwerwiegenden und nicht schweren Nebenwirkungen ergaben sich positive und negative Effekte, die einander aufhoben: Einem Anhaltspunkt für einen beträchtlich geringeren Schaden der Dulaglutid-Metformin-Kombination bei den bestätigten, symptomatischen Hypoglykämien standen Anhaltspunkte für einen beträchtlich größeren Schaden bei Übelkeit, Erbrechen und Diarrhö gegenüber. Insgesamt ist der Zusatznutzen nicht belegt.

Zweifachkombination mit einem anderen blutzuckersenkenden Arzneimittel außer Metformin (b2)
Da auch hierfür keine Daten vorlagen, ist der Zusatznutzen nicht belegt.

Kombination mit Insulin (d)
Für den Vergleich zwischen Dulaglutid + Insulin sowie Metformin + Humaninsulin wurden Daten aus der Studie AWARD-4 vorgelegt, in der kurzwirksames Insulin mit Dulaglutid kombiniert wurde. Die Studie bezog sich auf Erwachsene mit Diabetes mellitus Typ 2, die unter einer optimierten und stabilen Insulindosierung bei einer konventionellen Insulintherapie allein oder in Kombination mit einer oralen antidiabetischen Therapie zusammen mit Diät und Bewegung eine unzureichende Blutglukosekontrolle aufwiesen.

Insgesamt wurden 884 Patienten im Verhältnis 1:1:1 randomisiert drei Behandlungsarmen zugeteilt: Dulaglutid 0,75 mg täglich, Dulaglutid 1,5 mg täglich und Insulin glargin, jeweils + Insulin lispro mit oder ohne Metformin. Für die vorliegende Nutzenbewertung war von den beiden Dulaglutid-Armen ausschließlich der Arm mit einer Dosierung von 1,5 mg/Woche relevant, da nur dieser in der Therapiesituation zulassungskonform ist.

Für den Endpunkt „schwere unerwünschte Ereignisse (SUE)“ zeigte sich ein statistisch signifikanter Unterschied zugunsten von Dulaglutid + Insulin lispro mit oder ohne Metformin und damit insgesamt ein Hinweis auf einen geringeren Schaden. Negative Effekte waren bei folgenden Endpunkten festzustellen: Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse, Erkrankungen des Gastrointestinaltrakts, Übelkeit, Diarrhö, Erbrechen, Dyspepsie und verminderter Appetit. Insgesamt deuten die Ergebnisse auf einen Anhaltspunkt für einen größeren Schaden unter Dulaglutid + einem kurzwirksamen Insulin mit oder ohne Metformin hin.

In der Abwägung stellen die negativen Effekte den Vorteil von Dulaglutid bei den SUE nicht gänzlich infrage. Allerdings führen sie zu einer Abschwächung des Vorteils, sodass sich insgesamt ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen von Dulaglutid ergibt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Dulaglutid wurde bei Patienten mit schweren gastrointestinalen Erkrankungen, einschließlich schwerer Gastroparese, nicht untersucht und wird daher bei diesen Patienten nicht empfohlen.

Es liegen keine Daten zur Kombinationstherapie von Dulaglutid mit Basalinsulin vor.

Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten (u.a. Dulaglutid) wird mit einem Risiko für die Entwicklung einer akuten Pankreatitis assoziiert. Die Patienten müssen über charakteristische Symptome einer akuten Pankreatitis informiert werden.

In einer Stellungnahme der EMA wird hinsichtlich Pankreaskarzinomen in Zusammenhang mit einer GLP-1-basierten Therapie (u.a. Dulaglutid) ausgeführt, dass die klinischen Daten zwar nicht auf ein erhöhtes Risiko dieser Substanzen hinweisen, eine abschließende Bewertung des Risikos aufgrund der kurzen Studiendauer und der geringen Fallzahlen jedoch derzeit nicht vorgenommen werden kann.