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Ramucirumab

Handelsname: Cyramza®

Anwendungsgebiet: Behandlung erwachsener Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs mit Tumorprogress nach vorausgegangener platin- und fluoropyrimidinhaltiger Chemotherapie*

Pharmazeutischer Unternehmer: Lilly Deutschland GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Februar 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 16. Juli 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung erwachsener Patienten mit einem fortgeschrittenen Adenokarzinom des Magens oder des gastroösophagealen Übergangs mit Tumorprogress nach vorausgegangener platin- und fluoropyrimidinhaltiger Chemotherapie*

a) in Kombination mit Paclitaxel
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien geringer Zusatznutzen
b) als Monotherapie, wenn die Patienten für eine Kombinationstherapie mit Paclitaxel nicht geeignet sind
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien geringer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Ramucirumab ist ein monoklonaler Immunglobulin G1-Antikörper, der die Neubildung von Blutgefäßen im Tumor (Angiogenese) und in Folge das Tumorwachstum hemmen soll. Er wurde als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen, weshalb der medizinische Zusatznutzen bereits durch die Zulassung als belegt gilt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der in den Zulassungsstudien vom pharmazeutischen Unternehmer gewählten Vergleichstherapie.

a) Kombinationstherapie

Die Zulassung erfolgte auf Basis einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie, in der Ramucirumab gegen Placebo jeweils add-on zu Paclitaxel verglichen wurde (RAINBOW-Studie). Das mediane Überleben war unter Ramucirumab + Paclitaxel mit 9,6 Monaten im Vergleich zu Placebo + Paclitaxel mit 7,4 Monaten signifikant um 2,2 Monate verlängert. Ein Nachteil zeigte sich bei den schweren unerwünschten Ereignissen (UE), zudem traten unter Ramucirumab + Paclitaxel Hypertonie und Blutungen früher und häufiger auf. Bei schwerwiegenden UE (SUE) sowie bei Therapieabbrüchen wegen UE zeigten sich jedoch zwischen den Therapiearmen keine Unterschiede.

Der G-BA bewertete den Zusatznutzen von Ramucirumab in Kombination mit Paclitaxel insbesondere unter Berücksichtigung der positiven Überlebens-Effekte bei zum Teil negativen Ergebnissen zu den Nebenwirkungen als eine bisher nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens und somit in der Gesamtschau als gering.

b) Monotherapie

Die Zulassung erfolgte aufgrund einer randomisierten, doppelblinden Phase-III-Studie, in der Ramucirumab gegen Placebo jeweils add-on zu Best-Supportive-Care verglichen wurde (REGARD-Studie). Auch hier war das mediane Überleben unter Ramucirumab mit 5,2 Monaten im Vergleich zu Placebo mit 3,8 Monaten signifikant um 1,4 Monaten verlängert. SUE traten unter der Ramucirumab-Monotherapie seltener/später auf. Sonst zeigten sich keine Unterschiede im Sicherheitsprofil; die Nachbeobachtungszeit war jedoch noch kurz.

Der G-BA bewertete den Zusatznutzen unter Berücksichtigung der weniger als moderat aber mehr als geringfügig ausgeprägten positiven Überlebens-Effekte sowie der positiven Effekte bei den Nebenwirkungen als eine bisher nicht erreichte moderate und nicht nur geringfügige Verbesserung des therapierelevanten Nutzens und somit in der Gesamtschau ebenfalls als gering.

Zur Aussagesicherheit wurde, wie bei Orphan Drugs üblich, keine Aussage gemacht.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die Europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ramucirumab sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit Magenkrebs erfahrene Fachärzte (Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie Fachärzte für Innere Medizin und Gastroenterologie und weitere, an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen) erfolgen.

Bei Auftreten einer medizinisch signifikanten Hypertonie, die mit antihypertensiver Therapie nicht angemessen kontrolliert werden kann, einer im Zusammenhang mit der Infusion stehenden schweren Infusionsreaktion, eines nephrotischen Syndroms oder starker Proteinurie, schwerer arterieller thromboembolischer Ereignisse, gastrointestinaler Perforationen, schwerer Blutungen oder sich spontan entwickelnder Fisteln muss die Therapie mit Ramucirumab abgebrochen werden.

Die Ramucirumab-Therapie muss mindestens vier Wochen vor einer geplanten Operation vorübergehend unterbrochen werden.