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Vildagliptin

Handelsname: Galvus®/Jalra®/Xiliarx®

Anwendungsgebiet: Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2*

Pharmazeutischer Unternehmer: Novartis Pharma GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Dezember 2014

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 21. Mai 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Diabetes mellitus Typ 2*


Orale Zweifach-Kombinationstherapie mit einem Sulfonylharnstoff bei Patienten, deren Blutzucker trotz Monotherapie mit maximal verträglichen Dosen eines Sulfonylharnstoffs unzureichend eingestellt ist und bei denen Metformin wegen Kontraindikationen oder Unverträglichkeit ungeeignet ist
Humaninsulin in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff (Glibenclamid oder Glimepirid)** Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
** ggf. nur Therapie mit Humaninsulin

Zusammenfassung:

Im Oktober 2013 hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) den Beschluss gefasst, dass der Zusatznutzen von Vildagliptin für alle Anwendungsgebiete nicht belegt ist. Im Rahmen der Erstattungsbetragsverhandlungen hat der pharmazeutische Unternehmer das Präparat später aus dem Verkehr genommen.

Nach § 35a Abs. 5 SGB V kann frühestens ein Jahr nach Beschlussfassung eine erneute Nutzenbewertung beantragt werden, wenn die Erforderlichkeit wegen neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse nachgewiesen wird. Einen solchen Antrag hat der pharmazeutische Unternehmer von Vildagliptin für das Anwendungsgebiet „orale Zweifachkombination von Vildagliptin mit einem Sulfonylharnstoff“ gestellt. Dem Antrag wurde stattgegeben, da für das beschriebene Anwendungsgebiet eine neue Studie vorlag. Der G-BA hat für diese Teilindikation folgende zweckmäßige Vergleichstherapie festgelegt: Humaninsulin in Kombination mit einem Sulfonylharnstoff (Glibenclamid, Glimepirid), ggf. nur Therapie mit Humaninsulin.

Der pharmazeutische Unternehmer legte eine randomisierte, kontrollierte Studie (BENEFIT) vor, in der Vildagliptin mit NPH-Insulin jeweils zusätzlich zu einer bestehenden Glimepirid-Therapie über 24 Wochen direkt verglichen wurde. Die Patienten der Studie erhielten nach Randomisierung entweder 50 mg/Tag Vildagliptin (fixe Dosierung) oder NPH-Insulin. Dabei wurde die Insulindosis um 2 bis 8 IE/Tag in Abhängigkeit vom Nüchternblutglukosewert der Patienten (> 100 mg/dl) nach zwei oder vier Wochen Behandlung erhöht.

Im Vergleichsarm wurde unter NPH-Insulin der mittlere HbA1c-Wert zu beiden Erhebungszeitpunkten (12 Wochen und 24 Wochen) deutlich stärker abgesenkt als im Vildagliptin-Arm. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die in der Studie beobachtete deutlich stärkere Absenkung des mittleren HbA1c-Wertes im Vergleichsarm gegenüber dem Interventionsarm durch die intensive Titration des NPH-Insulins bedingt ist und damit zu einer Verzerrung der beobachteten Effekte der Studie, insbesondere bei den Hypoglykämien, führt. Darüber hinaus zeigte sich in keinem relevanten Endpunkt – darunter auch bei den symptomatischen und bestätigten Hypoglykämien – ein statistisch signifikanter Unterschied.

Vor diesem Hintergrund bleibt es dabei: Der Zusatznutzen von Vildagliptin in der genannten Indikation ist nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation von Vildagliptin auf ihrer Internetseite zur Verfügung:

Fachinformation Galvus®

Fachinformation Jalra®

Fachinformation Xiliarx®

Nach der Markteinführung von Vildagliptin wurden im Rahmen der Spontanberichterstattung Fälle von akuter Pankreatitis als Nebenwirkung gemeldet. Die Patienten sollen über charakteristische Symptome einer akuten Pankreatitis informiert werden.

In einer aktuellen Stellungnahme der EMA wird hinsichtlich Pankreaskarzinomen in Zusammenhang mit einer GLP-1-basierten Therapie (u.a. Vildagliptin) ausgeführt, dass die klinischen Daten zwar nicht auf ein erhöhtes Risiko dieser Substanzen hinweisen, eine abschließende Bewertung des Risikos aufgrund der kurzen Studiendauer und der geringen Fallzahlen jedoch nicht vorgenommen werden kann.