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Eliglustat

Handelsname: Cerdelga®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit Morbus Gaucher Typ 1, die in Bezug auf Cytochrom-P450 Typ 2D6 langsame, intermediäre oder schnelle Metabolisierer sind*

Pharmazeutischer Unternehmer: Genzyme GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. April 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 1. Oktober 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Behandlung von Erwachsenen mit Morbus Gaucher Typ 1, die in Bezug auf Cytochrom-P450 Typ 2D6 langsame, intermediäre oder schnelle Metabolisierer sind* Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Morbus Gaucher ist eine autosomal-rezessiv vererbte Speicherkrankheit: Eine Verminderung der Glucocerebrosidase-Aktivität führt zu einer Störung des Abbaus des Lipids Glucocerebrosid. Beim Typ 1 imponieren klinisch Anämie und Blutungen, Infektneigung, Oberbauchbeschwerden durch teilweise extreme Hepato- und Splenomegalie, Knochenschmerzen und pathologische Frakturen. Therapiestandard ist eine in zweiwöchigen Intervallen intravenös applizierte Enzymersatztherapie (ERT). Eliglustat dagegen ist ein oraler Inhibitor der Glucozerebrosid-Synthetase und stellt somit eine Substratreduktionstherapie (SRT) dar. Die Anreicherung von Glucocerebrosid soll so verhindert werden.

Eliglustat wurde als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

Der Zulassung von Eliglustat lagen zwei randomisierte Phase-III-Studien zu Grunde: Die ENGAGE-Studie ist eine doppelblinde, placebokontrollierte Studie bei 40 therapienaiven Patienten. Hier konnte ein Vorteil bezüglich der Milzvolumenreduktion gezeigt werden. Da die Patientenpopulation in dieser Studie jedoch kaum einen Knochenbefall aufwies, der bei über 80 Prozent der Gaucher-Patienten vorliegt, konnte sie nicht berücksichtigt werden. Zudem entspricht die Behandlung mit Placebo nicht dem deutschen Versorgungskontext.

Der Bewertung des Zusatznutzens wurde deshalb die aktiv-kontrollierte, offene ENCORE-Studie zugrunde gelegt, die bei 87 mit ERT vorbehandelten Patienten Eliglustat mit der ERT Imiglucerase über 52 Wochen vergleicht. Die Nicht-Unterlegenheit gegen die Standardtherapie ERT konnte in der ENCORE-Studie nicht gezeigt werden. Für Morbiditätsendpunkte oder die Lebensqualität konnte kein Vorteil für Eliglustat gezeigt werden. Nachteile bei der Sicherheit von Eliglustat gegen ERT zeigten sich für unerwünschte Ereignisse, nicht jedoch bei Therapieabbrüchen aufgrund von unerwünschten Ereignissen. Schwerwiegende unerwünschte Ereignisse traten nur unter Eliglustat auf.

In der Gesamtschau wird der Zusatznutzen von Eliglustat als nicht quantifizierbar bewertet. Zur Aussagesicherheit wird – wie bei Orphan Drugs üblich – keine Aussage getroffen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Eliglustat sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit Morbus Gaucher Typ 1 oder anderen erblichen Stoffwechselerkrankungen erfahrene Ärzte erfolgen.

Vor Beginn einer Behandlung mit Eliglustat muss bei den Patienten eine CYP2D6-Genotypisierung vorgenommen werden, um deren CYP2D6-Metabolisierungsstatus zu bestimmen.

Eliglustat sollte bei Patienten, die CYP2D6 ultraschnelle Metabolisierer sind oder bei unklarem Metabolisierungsstatus nicht angewendet werden.

Der Inhaber der Genehmigung für das Inverkehrbringen muss sicherstellen, dass in jedem Mitgliedsstaat, in dem Eliglustat vertrieben wird, alle Ärzte, die voraussichtlich Eliglustat verschreiben werden, den Leitfaden für Ärzte erhalten. Zudem muss er sicherstellen, dass alle Patienten einen Therapiepass erhalten.