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Aus alt mach jung: Zwei Österreicher übernehmen ehemalige Seniorenpraxis in Gotha

Ein Kommen und ein Gehen. Wie eh und je. Am Empfang und im Schwesternzimmer: dieselben Gesichter. Neu dagegen: die beiden Ärzte. Sie sind aus Österreich gekommen und halten diese Hausarztpraxis am Leben.

O-Ton Dr. Werner Plörer, Hausarzt in Gotha
Wir waren zwei Monate vorher bereits da, wir wurden eingearbeitet in das Computersystem, in die Bürokratie, haben die Hausbesuchspatienten mit den alten Kollegen gemeinsam besucht, dass die uns kennenlernen, weil es kann ja nicht plötzlich irgendein Fremder vor der Haustüre stehen, kann Jeder sagen, er ist der neue Hausarzt.

O-Ton Dr. Helga Trautmann, Hausärztin im Ruhestand
Sodass das ein langsames Kennenlernen und ein wunderbares Verstehen war, und als wir dann Tschüss sagen mussten, hatten sie die ganze Aufgabe; wir hatten eine Erleichterung, aber auch eine Träne im Auge.

Solch eine Eigeneinrichtung soll den Schritt zur eigenen Praxis erleichtern. Gerade in Regionen, in denen zu wenige Ärzte praktizieren; wie hier in Gotha. Fast zeitgleich hatten acht Ärzte das Rentenalter erreicht. Rund 6000 Patientinnen und Patienten sorgten sich um ihre Versorgung. Und so gründete die KV Thüringen eine Stiftung -–und die gründete diese Praxis.

O-Ton Dr. Annette Rommel, Vorstandsvorsitzende der KV Thüringen
Die Stiftungspraxis ist deshalb so attraktiv, weil junge Kollegen sich hier anstellen lassen können, weil sie eine so genannte Niederlassungsfahrschule durchlaufen können; also sie können sehen, wie funktioniert es in der Praxis, wie kann ich meinen Alltag gestalten? Erst mal frei von bürokratischen Schwierigkeiten.

Bevor sie die Praxis gekauft haben, waren Werner Plörer und seine Frau, Vaitsa Dimitriadou, zwei Jahre lang hier bei der Stiftung angestellt. Das medizinische Wissen brachten sie schon mit – alles andere brachten ihnen Kollegen und KV bei.

O-Ton Dr. Annette Rommel, Vorstandsvorsitzende der KV Thüringen
Wir führen immer eine Auswertung mit den Kollegen durch, in jeder Richtung: Arzneimittelverbrauch, Verordnungsverhalten, betriebswirtschaftliche Themen und dann werden die Kollegen langsam herangeführt an die Niederlassung.

O-Ton Dr. Werner Plörer, Hausarzt in Gotha
Wobei ich glaube, dass man – wenn man sich vielleicht mit einem bereits niedergelassenen Kollegen als junger Arzt dort anstellen lässt – es ähnlich reibungslos ablaufen könnte, denke ich. Und es war für uns der entscheidende Punkt eigentlich, dass wir nicht so blauäugig in irgendein Risiko hineinlaufen, wo wir gar nicht wissen, was erwartet uns? Was sehen wir? Was kommt auf uns zu?

Beruhigend also, dass fast alles Notwendige schon da war, als sie kamen. Nur eine Sache haben sie verändert: Sie haben ein Termin- und Bestellsystem eingeführt.

O-Ton Dr. Werner Plörer, Hausarzt in Gotha
Das hat uns auch ermöglicht, und ermöglicht auch unseren Schwestern, viel strukturierter zu arbeiten; und für unsere Schwestern ist jetzt auch fein, dass sie eigentlich immer mit den gleichen Ärzten zusammenarbeiten, das sagen sie selber, vorher waren ja an unterschiedlichen Tagen immer unterschiedliche Ärzte da, das war oft schwierig, dass sie sich immer auf die Eigenheiten der einzelnen Ärzte einstellen konnten; und jetzt haben sie sich nur mehr auf unsere Eigenheiten einstellen müssen.

O-Ton Dr. Helga Trautmann, Hausärztin im Ruhestand
Es ist einfach eine Genugtuung, dass wir was gesät haben, was aufgegangen ist, dass eine Stelle besetzt ist, die viele Menschen auffängt und das ist das ist eben gut. Gut für die Menschen, Zufriedenheit für uns und eine Arbeit für beide jungen neuen Kollegen.

O-Ton Dr. Werner Plörer, Hausarzt in Gotha
Es hat sich eigentlich so entwickelt, wie wir uns das vorgestellt haben, unsere Kinder fühlen sich wohl, wir fühlen uns wohl; wir haben ganz schnell soziale Kontakte geknüpft, die Leute waren sehr offen; und Praxis funktioniert auch gut, wir sind sehr zufrieden.

Sie sind also nach Gotha gekommen, um zu bleiben.

Der Weg in die eigene Praxis ist gar nicht so schwer. Besonders leicht macht ihn die KV Thüringen mit ihren Stiftungspraxen, in denen junge Ärzte die Niederlassung erst einmal testen können. So wie in Gotha, wo die KV in ihrer eigenen Praxis zunächst eine Handvoll rüstige Seniorenärzte anstellte, bevor im Jahr 2012 Nachwuchs aus Österreich kam. Dr. Werner Plörer und Dr. Vaitsa Dimitriadou waren von der Praxis in der Huttenstraße so angetan, dass sie sie zwei Jahre später übernommen haben.

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