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Insulin deglutec/Liraglutid

Handelsname: Xultophy®

Anwendungsgebiet: Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2*

Pharmazeutischer Unternehmer: Novo Nordisk Pharma

Beginn des Verfahrens: 1. Mai 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15. Oktober 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 in Kombination mit oralen blutzuckersenkenden Arzneimitteln
a) ... wenn eine orale antidiabetische Kombinationstherapie zur Blutzuckerkontrolle nicht ausreicht:
Metformin plus Humaninsulin** Zusatznutzen ist nicht belegt
b) ... wenn diese oralen Antidiabetika in Kombination mit Basalinsulin zur Blutzuckerkontrolle nicht ausreichen
b1) in Kombination mit Metformin:
Humaninsulin plus ggf. Metformin Zusatznutzen ist nicht belegt
b2) in Kombination mit oralen Antidiabetika (außer Metformin):
Humaninsulin plus ggf. Metformin  Zusatznutzen ist nicht belegt 

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.
** Wenn Metformin gemäß Fachinformation nicht geeignet oder Metformin in Kombination mit Insulin nicht ausreichend wirksam ist, ist Humaninsulin als Therapieoption einzusetzen.


Zusammenfassung:

Insulin degludec/Liraglutid ist zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 zugelassen, um in Kombination mit oralen Antidiabetika die Blutzuckerkontrolle zu verbessern, wenn diese Arzneimittel allein (a) oder in Kombination mit Basalinsulin (b) den Blutzucker nicht ausreichend regulieren.

Für die Patientengruppe a) legte der pharmazeutische Unternehmer die Studie DUAL I vor. In dieser wurde die zweckmäßige Vergleichstherapie (Metformin plus Humaninsulin) aber nicht adäquat umgesetzt, da die Patienten im Vergleichsarm das Insulinanalogon Insulin degludec erhalten haben. Die Studie ist daher zur Ableitung eines Zusatznutzens nicht geeignet.

Für die Patientengruppe b) legte der pharmazeutische Unternehmer nur für die Subpopulation b1 (unzureichende Blutzuckerkontrolle trotz Behandlung mit Metformin in Kombination mit Basalinsulin) die Studien DUAL II und DUAL V vor. Da auch in der Studie DUAL II die Patienten im Vergleichsarm auf Insulin degludec in Kombination mit Metformin eingestellt wurden, konnte diese Studie ebenfalls nicht für die Nutzenbewertung herangezogen werden.

In die Studie DUAL V wurden insgesamt 557 Patienten eingeschlossen, die seit mindestens 90 Tagen mit Metformin und Insulin glargin behandelt worden sind und darunter keine ausreichende Blutzuckerkontrolle erreicht hatten. Der mittlere HbA1c-Wert lag zu Studienbeginn bei 8,3 Prozent. Im Interventionsarm erfolgte eine Umstellung der Patienten auf Insulin degludec/Liraglutid in Kombination mit Metformin. Im Vergleichsarm wurde die Therapie mit Metformin und Insulin glargin dagegen fortgesetzt und die Insulindosis auf durchschnittlich 66 ± 32 Einheiten gesteigert. Der Gemeinsame Bundesausschuss sah auch diese Studie für die Nutzenbewertung als nicht geeignet an, da die Fortführung der bereits zu Studienbeginn unzureichenden Therapiestrategie im Vergleichsarm einen unfairen Vergleich mit dem Interventionsarm, in dem ein Strategiewechsel auf die Dreifachkombination vorgenommen worden war, darstellt.

Für die Subpopulation b2 (unzureichende Blutzuckerkontrolle trotz Behandlung mit oralen Antidiabetika, außer Metformin, in Kombination mit Basalinsulin) legte der pharmazeutische Unternehmer keine Studiendaten vor.

In der Gesamtschau kam der Gemeinsame Bundesausschuss zu dem Ergebnis, dass ein Zusatznutzen von Insulin degludec/Liraglutid für keine der genannten Patientengruppen belegt ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten (beispielsweise Liraglutid) wird mit einem Risiko für die Entwicklung einer akuten Pankreatitis assoziiert. Die Patienten müssen über charakteristische Symptome einer akuten Pankreatitis informiert werden.

In einer Stellungnahme der EMA wird hinsichtlich Pankreaskarzinomen in Zusammenhang mit einer GLP-1-basierten Therapie (beispielsweise Liraglutid) ausgeführt, dass die klinischen Daten zwar nicht auf ein erhöhtes Risiko dieser Substanzen hinweisen, eine abschließende Bewertung des Risikos aufgrund der kurzen Studiendauer und der geringen Fallzahlen jedoch derzeit nicht vorgenommen werden kann.