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Ruxolitinib

Handelsname: Jakavi®

Anwendungsgebiet: Behandlung der Polycythaemia Vera bei Erwachsenen, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid sind*

Pharmazeutischer Unternehmer: Novartis Pharma

Beginn des Verfahrens: 15.04.2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.10.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung der Polycythaemia Vera bei Erwachsenen, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid sind*

Patientenindividuelle Therapie nach Maßgabe des Arztes, grundsätzlich unter Berücksichtigung des Zulassungsstatus bei Arzneimitteltherapien; ggf. kommt auch eine Dosisreduktion von oder Retherapie mit Hydroxyurea in Frage

Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

Zusammenfassung:

Ruxolitinib ist seit September 2012 zur Behandlung der Myelofibrose zugelassen. Für dieses Anwendungsgebiet hat der Wirkstoff einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen im Vergleich zu Best Supportive Care zugesprochen bekommen (Beschluss vom 06.11.2014).

Seit April 2015 kann Ruxolitinib auch zur Behandlung von Erwachsenen mit Polycythaemia vera, die resistent oder intolerant gegenüber Hydroxycarbamid sind, eingesetzt werden. Die Polycythaemia vera gehört zu den chronischen myeloproliferativen Erkrankungen, bei der insbesondere eine von den üblichen Regulationsmechanismen unabhängige Proliferation der Erythropoese, aber auch eine Steigerung der Thrombo- und Granulozytopoese vorliegt und sich im weiteren Verlauf eine Splenomegalie entwickelt. Bei fast allen Patienten liegt eine Mutation der Januskinase 2 vor, die auch bei der Bildung von Erythrozyten eine Schlüsselrolle spielt. Ruxolitinib ist ein Inhibitor der Januskinasen 1 und 2.

Das mediane Alter von Patienten mit Polycythaemia vera liegt zwischen 60 und 65 Jahren. Die Lebenserwartung ist bei guter Einstellung der Blutwerte gegenüber der Normalbevölkerung nur wenig eingeschränkt. Komplikationen sind arterielle und venöse thromboembolische Ereignisse, aber auch hämorrhagische Diathesen, Myelofibrose sowie die Entwicklung eines myelodysplastischen Syndroms oder einer akuten Leukämie.

In der frühen Phase der Erkrankung steht die Prävention der thromboembolischen Komplikationen im Vordergrund. Der überwiegende Anteil der Patienten benötigt jedoch im längerfristigen Verlauf eine myelosuppressive Therapie mit Hydroxyurea.

Die Zulassung von Ruxolitinib erfolgte auf Grundlage einer multizentrischen, offenen, randomisierten, kontrollierten und auf eine Behandlungsdauer von 80 bzw. im Verumarm auf 256 Wochen angelegten Phase-III-Studie mit insgesamt 222 Patienten. Im Kontrollarm wurden nur dreiviertel der Patienten zulassungskonform behandelt. Die im Studienplan vorgesehene Möglichkeit, bei Nichterreichen der Studienendpunkte „Hämatokrit-Kontrolle mit Phlebotomiefreiheit“ und „Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35 Prozent“ bereits nach 32 Wochen vom Vergleichsarm in den Ruxolitinibarm zu wechseln, nutzten 86 Prozent der Patienten. Bis zu diesem Zeitpunkt traten keine Todesfälle auf. Bezogen auf die Reduktion thromboembolischer Ereignisse und der Transformation der Erkrankung in eine Myelofibrose bzw. akute Leukämie zeigten sich zwischen den beiden Studienarmen keine statistisch signifikanten Unterschiede.

Den Endpunkt „Hämatokrit-Kontrolle bei gleichzeitiger Phlebotomiefreiheit“ erreichten 60 % der mit Ruxolitinib behandelten Patienten versus 20 Prozent in der Kontrollgruppe. Da Phlebotomien mit Einbußen der Lebensqualität und einem erhöhten Risiko für behandlungsbedürftige Nebenwirkungen einhergehen, wird dieser Endpunkt als patientenrelevant angesehen. Darüber hinaus gibt es Studienhinweise auf eine erhöhte kardiovaskuläre Mortalität bei Hämatokrit-Werten über 45 %.

Bei 38 Prozent der Patienten des Verumarmes versus 1 % der Patienten des Vergleichsarmes wurde eine Reduktion des Milzvolumens um mindestens 35 % erzielt. Dieser Endpunkt wird wegen der für die Patienten spürbaren Abnahme beeinträchtigender Krankheitssymptome ebenfalls als patientenrelevant angesehen.

Während bei den unerwünschten Arzneimittelwirkungen Pruritus im Verumarm statistisch signifikant seltener als im Vergleichsarm auftrat, lagen für Muskelspasmen und Dyspnoe Nachteile von Ruxolitinib vor.

In der Gesamtschau bescheinigt der Gemeinsame Bundesausschuss Ruxolitinib zur Behandlung der Polycythaemia vera einen Anhaltspunkt für einen beträchtlichen Zusatznutzen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Ruxolitinib soll durch in der Therapie von Patienten mit Polycythaemia vera erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie erfolgen.