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Afatinib

Handelsname: Giotrif®

Anwendungsgebiet: Behandlung von EGFR-TKI-naiven erwachsenen Patienten mit lokal fortgeschrittenem und/oder metastasiertem nicht-kleinzelligen Lungenkarzinom mit aktivierenden EGFR-Mutationen*

Pharmazeutischer Unternehmer: Boehringer Ingelheim Pharma

Beginn des Verfahrens: 15.05.2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 05.11.2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status** 0 oder 1
  • Gefitinib oder Erlotinib

oder

  • Cisplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel, Pemetrexed) unter Beachtung des jeweils zugelassenen Anwendungsgebiets

oder

  • Carboplatin in Kombination mit eDrittgenerationszytostatikum (nur für Patienten mit erhöhtem Risiko für Cisplatin-induzierte Nebenwirkungen)
Patientengruppe mit EGFR-Mutation Del19:
Hinweis für einen erheblichen Zusatznutzen
Patientengruppe mit EGFR-Mutation L858R:
Zusatznutzen ist nicht belegt
Patientengruppe mit anderen EGFR-Mutationen: Zusatznutzen ist nicht belegt
Nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status** 2
  • Gefitinib oder Erlotinib

oder

  • alternativ zu den unter 1) angegebenen platin-basierten Kombinationsbehandlungen: Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin
Zusatznutzen ist nicht belegt
Mit einer oder mehreren Chemotherapie(n) vorbehandelte Patienten
  • Gefitinib oder Erlotinib

oder

  • Docetaxel oder Pemetrexed
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  ** ECOG-Performance-Status = Eastern Cooperative Oncology Group Performance Status

Zusammenfassung:

Die frühe Nutzenbewertung von Afatinib in der oben genannten Indikation endete mit dem Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) am 08.05.2014. Da zu diesem Zeitpunkt bestimmte Studienergebnisse noch nicht vorlagen, wurde der Beschluss auf ein Jahr befristet.

Für die erneute Nutzenbewertung legte der pharmazeutische Unternehmer die Ergebnisse der finalen Analyse (3. Datenschnitt) der randomisierten, offenen Phase-III-Zulassungsstudie LUX-Lung 3 mit 345 Patienten vor. In dieser wurde Afatinib als First-Line-Therapie gegen eine Kombination von Cisplatin + Pemetrexed verglichen. Der G-BA zog den 3. Datenschnitt primär zur Bewertung heran, weil im Vergleich zum 2. Datenschnitt (der dem ersten Beschluss zugrunde lag) ein längerer Zeitraum abgebildet wird und insbesondere für den Endpunkt Gesamtüberleben deutlich mehr Ereignisse umfasst sind. Hierdurch ergaben sich für nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status 0 oder 1 von der ersten Bewertung abweichende Bewertungen des Zusatznutzens. Für den Endpunkt Gesamtüberleben wurde eine Effektmodifikation durch den EGFR-Mutationsstatus festgestellt.

Patienten mit einer Del19-Mutation zeigten unter Afatinib im Vergleich zu Cisplatin + Pemetrexed eine Verlängerung des Gesamtüberlebens um 12,2 Monate auf 33,3 Monate. Der Gesamtüberlebensvorteil war bei diesen Patienten jetzt trotz Cross-over in den Afatinib-Arm noch größer als bei der ersten Bewertung. Dies war mit Vorteilen bei der Morbidität und der Lebensqualität verbunden und trotz der erheblich längeren Behandlungsdauer unter Afatinib nicht mit einer erhöhten Rate von Nebenwirkungen. Hinsichtlich der Symptomatik gab es unter Afatinib sowohl Vorteile (Dyspnoe, Übelkeit und Erbrechen, Husten, Fatigue, Haarausfall) als auch Nachteile (Diarrhö, Mundschmerzen, Schluckbeschwerden), wobei die positiven Aspekte überwogen. Der G-BA erkannte hier zum zweiten Mal seit Beginn der frühen Nutzenbewertung einem Wirkstoff die höchste Zusatznutzenkategorie „erheblich“ zu.

Bei Patienten mit einer L858R-Mutation ließ sich bei der erneuten Nutzenbewertung mit hinreichender Sicherheit feststellen, dass kein positiver Effekt von Afatinib hinsichtlich des Gesamtüberlebens vorliegt. Für die heterogene Subgruppe von Patienten mit anderen Mutationen zeigte sich im Unterschied zur ersten Bewertung kein signifikanter Überlebensnachteil mehr. Für beide Subgruppen sieht der G-BA den Zusatznutzen in der Gesamtschau nicht belegt. Für nicht vorbehandelte Patienten mit ECOG-Performance-Status 2 sowie vorbehandelte Patienten wurden erneut keine relevanten Daten vorgelegt, so dass der Zusatznutzen ebenfalls als nicht belegt gilt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Afatinib darf nur durch in der Therapie von Patienten mit nicht-kleinzelligem Lungenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie oder Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Vor Beginn einer Behandlung mit Afatinib sollte regelhaft der EGFR-Mutationsstatus vorliegen. Die Bestimmung des EGFR-Mutationsstatus muss in einer qualitätsgesicherten Laboreinrichtung und mit einem validierten und robusten Verfahren erfolgen, um falsch negative oder falsch positive Ergebnisse zu vermeiden.