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Olaparib

Handelsname: Lynparza®

Anwendungsgebiet: Erhaltungstherapie von Frauen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines BRCA-mutierten high-grade serösen epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen*

Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Juni 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 27. November 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Erhaltungstherapie von Frauen mit einem Platin-sensitiven Rezidiv eines BRCA-mutierten high-grade serösen epithelialen Ovarialkarzinoms, Eileiterkarzinoms oder primären Peritonealkarzinoms, die auf eine Platin-basierte Chemotherapie ansprechen*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

nicht quantifizierbarer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 7.500 Frauen an einem Ovarialkarzinom. Die Prognose ist schlecht: Nach fünf Jahren sind etwa 60 Prozent aller betroffenen Frauen verstorben. Olaparib, ein oraler Poly-ADP-Ribose-Polymerase (PARP)-Inhibitor, ist der erste Wirkstoff, der in dieser Indikation die frühe Nutzenbewertung durchlaufen hat. Er nutzt Defekte im DNA-Reparaturmechanismus, die aufgrund von BRCA1- und BRCA2-Mutationen entstehen können, als Angriffspunkt.

Olaparib wurde als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt bei Orphan Drugs bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

Der Zulassung von Olaparib lag eine Teilstichprobe der Studie 19, einer randomisierten, verblindeten Phase-II-Studie zu Grunde. Die Studie ist noch nicht beendet, das Verzerrungspotential wird als hoch bewertet. Bewertungsrelevante Ergebnisse liegen für 136 Patientinnen mit einer BRCA-Mutation vor; die Zulassung wurde nur für diese Subgruppe erteilt. Hier zeigte sich ein Vorteil beim Progressionsfreien Überleben, das als kombinierter Endpunkt aus Gesamtüberleben und Tumorprogression vom G-BA jedoch nicht als per se patientenrelevant bewertet wurde. Für die meisten anderen Endpunkte, auch für die patientenrelevanten Endpunkte Gesamtüberleben und Lebensqualität, zeigten sich bisher keine signifikanten Unterschiede von Olaparib gegenüber Placebo. Die Ergebnisse zum Gesamtüberleben sind aus Sicht des G-BA zu unsicher, um den Zusatznutzen zu quantifizieren.

Bei den Sicherheitsdaten gab es signifikante Nachteile von Olaparib gegenüber Placebo nur bei unerwünschten Ereignissen vom Common Terminology Criteria for Adverse Event (CTCAE)-Grad ≥ 3. Sonst zeigten sich keine Sicherheitsunterschiede. Diese Ergebnisse sind jedoch vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Therapiedauer (Olaparib 551 Tage gegenüber Placebo 210 Tage) ebenfalls schwer zu interpretieren. Die häufigsten Nebenwirkungen unter Olaparib waren Übelkeit, Fatigue, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Anämie.

In der Gesamtschau wird der Zusatznutzen von Olaparib als nicht quantifizierbar bewertet. Zur Aussagesicherheit wird – wie bei Orphan Drugs üblich – keine Aussage getroffen. Aufgrund der ausstehenden Ergebnisse aus der laufenden Phase-III-Studie wurde der Beschluss auf drei Jahre befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Olaparib darf nur durch in der Therapie von Frauen mit Ovarialkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Gynäkologie und weitere, an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Vor Behandlungsbeginn mit Olaparib muss bei den Patientinnen der Nachweis über eine Brustkrebs-Suszeptibilitäts-Gen (breast cancer susceptibility gene, BRCA)-Mutation (Keimbahn oder Tumor) erbracht worden sein. Der BRCA-Mutationsstatus sollte von einem erfahrenen Labor mittels einer validierten Testmethode festgestellt werden.