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Meine Meinung zur Niederlassung: "Nicht blauäugig in ein Risiko hineinlaufen"

Dr. Plörer, wollten Sie sich schon immer niederlassen?
Ich wollte immer Hausarzt sein. Das war eigentlich schon während dem Studium meine Vorstellung des ärztlichen Berufes. Und da wollte ich mich dementsprechend niederlassen. Ich wollte nicht als Allgemeinmediziner in irgendeiner Klinikambulanz arbeiten; ich wollte eigentlich eine eigene Praxis haben.



Wieso haben Sie dann Österreich verlassen?
Ich hatte in Österreich bereits eine Wahlarztpraxis, das gibt es hier in Deutschland nicht, das ist sowas ähnliches wie eine Privatarztpraxis als Allgemeinmediziner. Aber der Wunsch war immer, dass meine Frau und ich gemeinsam etwas machen können und das hat es damals, wahrscheinlich bis heute gibt es die Möglichkeit einer Gemeinschaftspraxis nicht in Österreich. Und darum haben wir uns halt umgeschaut, wo gibt es die Möglichkeit? Wo können wir gemeinsam was machen? Und dann hat sich halt Deutschland ergeben.




Worin lagen die Vorteile des Starts in einer Stiftungspraxis?
Wir haben nicht gewusst, wie das mit den ganzen Kassen abläuft, wie das mit einer Kassenärztlichen Vereinigung abläuft, sowas gibt es in Österreich nicht in dieser Art und Weise. Und das hat uns natürlich am Anfang schon etwas abgeschreckt und diese Angst wurde uns durch die Anstellung in dieser Stiftungspraxis genommen; wobei ich glaube, dass man – wenn man sich vielleicht bei einem bereits niedergelassenen Kollegen als junger Arzt anstellen lässt – es ähnlich reibungslos ablaufen könnte, denke ich. Und es war für uns der entscheidende Punkt eigentlich, dass wir nicht so blauäugig in irgendein Risiko hineinlaufen, wo wir gar nicht wissen, was erwartet uns? Was sehen wir? Was kommt auf uns zu?




Was waren die größten Herausforderungen?
Im Nachhinein hat sich alles wunderbar entwickelt, es waren keine großartigen Stolpersteine dabei. Was vielleicht ein bisschen schwierig war: Wir haben die Praxis gekauft, wir haben das nicht aus unserer eigenen Geldtasche bezahlt, wir brauchten eine Finanzierung. Es ist nicht so, dass man bei den Banken dafür betteln muss, wenn man eine Arztpraxis im Kreis Gotha übernehmen will. Die wissen schon, dass sich das auf Dauer auch rentiert, aber es waren ganz viele eigenartige Finanzkonstruktionen von verschiedenen Banken dabei und das war ein bisschen schwierig, sich den Überblick zu verschaffen. Da haben wir aber auch unseren Steuerberater gefragt, der hat uns da ein bisschen helfen können; das war vielleicht die schwierigste Situation: die die für uns richtige Finanzierung zu finden.




Wem würden Sie eine Niederlassung empfehlen?
Jedem, der das will. Jeder, der irgendwann in der Klinik denkt, nö, das mag ich so nicht mehr haben; jeder, der daran glaubt, dass er nicht in einem hierarchisch organisierten System arbeiten will; und jeder, der eine vernünftige Work-Life-Balance haben will.

Die eigene Praxis - davon hat Dr. Werner Plörer geträumt. Und es gewagt. Nun blickt er zurück und antwortet auf die Frage, wem er empfiehlt, es ihm gleichzutun.
Für seinen Traum ist der Österreicher sogar mitsamt Familie nach Deutschland umgesiedelt; nach Gotha. Inzwischen führt er die Praxis gemeinsam mit seiner Frau und Kollegin. Die beiden meisterten Herausforderungen, erfuhren aber auch Unterstützung beim Start, und teilen ihre Erfahrungen gerne mit anderen Niederlassungswilligen.