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Lenvatinib

Handelsname: Lenvima®

Anwendungsgebiet: Behandlung des progressiven, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten differenzierten Schilddrüsenkarzinom, das nicht auf eine Radiojodtherapie angesprochen hat*

Pharmazeutischer Unternehmer: Eisai GmbH

Beginn des Verfahrens: 1. Juli 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 17. Dezember 2015

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung des progressiven, lokal fortgeschrittenen oder metastasierten differenzierten Schilddrüsenkarzinom, das nicht auf eine Radiojodtherapie angesprochen hat*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

nicht quantifizierbarer Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Lenvatinib ist als Orphan Drug zugelassen zur Behandlung Erwachsener mit progressivem, lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem differenziertem (papillärem/follikulärem/Hürthle-Zell-) Schilddrüsenkarzinom, das nicht auf eine Radiojodtherapie angesprochen hat.

Papilläre und follikuläre Schilddrüsenkarzinome machen etwa 90 Prozent aller Schilddrüsenkarzinome aus, werden im lokal begrenzten Studium durch Operation, adjuvante Radiojodtherapie und konsekutive TSH-Suppression behandelt und haben eine 10-Jahres-Überlebensrate von ca. 90 Prozent. Patienten mit Fernmetastasierung werden im weiteren Verlauf zu etwa zwei Dritteln radiojod-refraktär. Ihre 10-Jahresüberlebensrate beträgt dann nur noch 10 Prozent. Lenvatinib ist wie das bereits seit Juni 2014 für dieses Anwendungsgebiet zugelassene Sorafenib ein Multityrosinkinaseinhibitor und hemmt vor allem die Aktivität von vaskulären endothelialen und von Fibroblasten-Wachstumsfaktoren.

Die Nutzenbewertung von Lenvatinib basiert auf der multizentrischen Zulassungsstudie SELECT, einer im Verhältnis 2:1 randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Phase-III-Studie mit insgesamt 392 Patienten. Nach der primären Datenauswertung folgten eine Extensionsphase mit Open-Label-Behandlung mit Lenvatinib und eine Follow-up-Periode.

Beim Gesamtüberleben zeigte sich kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen Lenvatinib- und Placeboarm. Bis zur primären Auswertung verstarben im Lenvantinib-Arm 27 Prozent der Patienten und im Placeboarm 36 Prozent. Zu diesem Zeitpunkt war in beiden Studienarmen das mediane Überleben noch nicht erreicht worden. Es hatten jedoch bereits 83 Prozent der Patienten des Placeboarmes die nach einem Progress bestehende Möglichkeit eines Crossovers in den Lenvantinib-Arm genutzt. Beim progressionsfreien Überleben (PFS) zeigte sich mit einer absoluten Differenz von 14,7 Monaten ein statistisch signifikanter Vorteil von Lenvatinib. Da zur Erfassung des PFS lediglich bildgebende Verfahren eingesetzt wurden, wird dieser primäre Endpunkt der Studie lediglich ergänzend hinzugezogen.

Zum Zeitpunkt der primären Analyse betrug die mediane Dauer der Behandlung im Lenvatinib-Arm 14 Monate und im Placebo-Arm vier Monate. Bei den Sicherheitsdaten zeigten sich bei den naiven Proportionen ohne Adjustierung für die unterschiedliche Therapiedauer deutliche Nachteile von Lenvatinib gegenüber Placebo bei den unerwünschten Ereignissen (UEs) vom CTCAE-Grad 3-4 (85 vs. 29 Prozent) und bei den schwerwiegenden UEs (51 vs. 24 Prozent). Im Interventionsarm musste bei 79 vs. 8 Prozent eine Dosisreduzierung und bei 56 vs. 19 Prozent eine Dosisunterbrechung vorgenommen werden. Bei 17 vs. 5 Prozent der Patienten führten UEs zum Studienabbruch. Die am häufigsten berichteten UEs des CTCAE-Grades 3-4 waren Bluthochdruck (43 vs. 4 Prozent), Gewichtsverlust (12 vs. 1 Prozent) und Proteinurie (10 vs. 0 Prozent). Auch beim sieben Monate später durchgeführten Datenschnitt zeigten die dann post-hoc durchgeführten Time-to-Event Analysen der Zeit bis zum ersten Auftreten eines UE für alle Schadensendpunkte statistisch signifikante Nachteile für Patienten im Levantinib-Arm im Vergleich zum Placebo-Arm. Daten zu weiteren Morbiditätsendpunkten und zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität wurden nicht erhoben.

Der Gemeinsame Bundesausschuss konsentierte einen nicht quantifizierbaren Zusatznutzen, da aufgrund der limitierten Evidenzgrundlage hinsichtlich Lebensqualität und Morbidität und der hohen Crossover-Rate, die keine Aussage zur Mortalität zulässt, eine valide und aussagekräftige Einschätzung der Ergebnisse zur Quantifizierung des Zusatznutzens nicht möglich ist.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die Europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Lenvatinib sollte durch in der Therapie von Patienten mit Schilddrüsenkarzinom erfahrene Fachärzte erfolgen. Diese sind: Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Fachärzte für Innere Medizin und Endokrinologie, sowie weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen nach Abstimmung mit einem Facharzt für Nuklearmedizin.