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Nivolumab

Handelsname: Opdivo®

Anwendungsgebiet: Behandlung des fortgeschrittenen (nicht resezierbaren oder metastasierten) Melanoms*

Pharmazeutischer Unternehmer: Bristol-Myers Squibb

Beginn des Verfahrens: 15.07.2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 07.01.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von Erwachsenen mit fortgeschrittenem (nicht resezierbaren oder metastasierten) malignen Melanom*

a) nicht vorbehandelte Patienten mit einem BRAF**-V600-mutierten Tumor
Vemurafenib Zusatznutzen ist nicht belegt
b) nicht vorbehandelte Patienten mit einem BRAF**-V600-wildtyp Tumor
Dacarbazin oder Ipilimumab Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen
c) vorbehandelte Patienten
patientenindividuelle Therapie nach Maßgabe des behandelnden Arztes unter Berücksichtigung des Zulassungsstatus und der jeweiligen Vortherapie Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** BRAF = rapidly accelerated fibrosarcoma Isoform B


Zusammenfassung:

Nivolumab ist ein immunmodulierender Antikörper: Die antitumorale Wirkung des Programmed-Cell-Death-1-Rezeptor-Antikörpers erfolgt indirekt über die Verstärkung der T-Zell-vermittelten Immunantwort.

Für die Subgruppe a) führte der pharmazeutische Unternehmer (pU) einen adjustierten indirekten Vergleich von Nivolumab gegenüber Vemurafenib über Dacarbazin als Brückenkomparator durch. Dieser indirekte Vergleich war jedoch aus Sicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nicht verwertbar, da die eingeschlossenen Studien nicht ähnlich genug waren. Somit ist der Zusatznutzen für diese Patientengruppe nicht belegt.

Der Nutzenbewertung für die Subgruppe b) lag eine randomisierte, verblindete Studie bei 418 therapienaiven Patienten mit einem BRAF-V600-wildtyp Melanom zugrunde. Die Studie wurde nach einer Zwischenauswertung vorzeitig beendet. Den Patienten des Dacarbazin-Arms wurde ein Cross-Over in den Nivolumab-Arm erlaubt. Die Behandlung mit Nivolumab ergab zu diesem Zeitpunkt eine Verlängerung des Gesamtüberlebens im Vergleich zu Dacarbazin: 50 Todesfälle unter Nivolumab im Vergleich zu 96 Todesfällen unter Dacarbazin. Zwei-Jahres-Daten bestätigten den Überlebensvorteil.

Auch im Bereich Nebenwirkungen zeigten sich trotz der erheblich längeren Beobachtungsdauer nur Vorteile für Nivolumab. Die Lebensqualitäts- und Morbiditätsdaten waren aufgrund zu geringer Rücklaufquoten nicht bewertbar. Der G-BA sieht in der Gesamtschau einen Hinweis auf einen beträchtlichen Zusatznutzen.

Für die Subgruppe c) wurde ebenfalls eine kontrollierte Studie vorgelegt. Die vorgelegten Auswertungen waren jedoch nicht verwertbar. Auch der pU selbst hielt die Studie für ungeeignet und extrapolierte deshalb die Ergebnisse von nicht vorbehandelten Patienten auf vorbehandelte Patienten. Dem folgte der G-BA unter anderem wegen Unsicherheiten über den Stellenwert der Abfolge von Chemo- und Immuntherapie für den Therapieerfolg nicht. Somit ist der Zusatznutzen nicht belegt.

Der Beschluss ist vor dem Hintergrund des raschen Wandels des Therapiestandards im Anwendungsgebiet und zu erwartender Ergebnisse zum Gesamtüberleben aus einer direkten Vergleichsstudie gegen Ipilimumab bei therapienaiven Patienten auf eineinhalb Jahre bis 15. Juli 2017 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Nivolumab muss durch einen auf dem Gebiet der Onkologie und in der Therapie von Patienten mit Melanomen erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen).

Patienten, die mit Nivolumab behandelt werden, ist mit jeder Verschreibung eine Patientenkarte auszuhändigen. Zudem müssen sie über die Risiken einer Therapie mit Nivolumab informiert werden.