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Häufige Fragen – Diabetes mellitus

Wie gehe ich bei der Kodierung des Diabetes mellitus vor?

Bei der Verschlüsselung des Diabetes mellitus berücksichtigen Sie grundsätzlich folgende Aspekte:

 1.  Angabe des Diabetestyps   E10-E14 
 2. Angabe der Komplikationen an vierter Stelle:  .0 bis .9
 3. Angabe der Stoffwechsellage an fünfter Stelle:  0 bis 5

Schematische Darstellung dieser Vorgehensweise anhand von zwei Beispielen:

Diabetestyp Komplikationen Stoffwechsel ICD-10-Kodierung
Typ 1 keine stabil E10.90 
Typ 2 keine entgleist E11.91

Hinweis:

ICD-10-Kodes für Diabetes mellitus in der Schwangerschaft bzw. beim Neugeborenen befinden sich in den entsprechenden Kapiteln der ICD-10-GM.

Wie kodiere ich sachgerecht die Komplikationen beim Diabetes mellitus?

Mögliche Komplikationen beim Diabetes mellitus kodieren Sie über die vierte Stelle des jeweiligen ICD-10-Kodes aus E10–E14 für den Diabetestyp:

.0- Mit Koma
.1- Mit Ketoazidose
.2- Mit Nierenkomplikationen
.3- Mit Augenkomplikationen
.4- Mit neurologischen Komplikationen
.5- Mit peripheren vaskulären Komplikationen
.6- Mit sonstigen näher bezeichneten Komplikationen
.7- Mit multiplen Komplikationen
.8- Mit nicht näher bezeichneten Komplikationen
.9- Ohne Komplikationen

Bei Behandlungsrelevanz kodieren Sie die entsprechenden Manifestationen zusätzlich, z. B. die diabetische Nephropathie als manifestierte Nierenkomplikation.

Beispiel:

E10.20† G Diabetes mellitus Typ-1, mit Nierenkomplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
N08.3* G Glomeruläre Krankheiten bei Diabetes mellitus, diabetische Nephropathie 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Die Symbole Kreuz „†“ und Stern „*“ sind Kennzeichnungen für Primär- und Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden müssen.

Sobald mehr als eine Komplikation vorliegt, wechseln Sie auf die vierte Stelle auf .7 - Mit multiplen Komplikationen. Dabei wird die Kreuz-Stern-Systematik (Ätiologie-Manifestation) angewendet. Auch wenn Sie aktuell nur eine der Komplikationen behandeln, können Sie die vierte Stelle mit .7 – Mit multiplen Komplikationen verschlüsseln.

Beispiel:

Diabetes mellitus mit mehreren Komplikationen, wobei nur eine, die Retinopathia diabetica behandlungsrelevant ist.

E10.72 G Diabetes mellitus Typ-1, mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
H36.0* G Retinopathia diabetica 

Hinweis:

Die ICD-10-Regelungen hierzu befinden sich in der „Anleitung zur Verschlüsselung“ im Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM.

Wie kodiere ich Mehrfachkomplikationen beim Diabetes mellitus?

Mögliche Komplikationen beim Diabetes mellitus kodieren Sie über die vierte Stelle des jeweiligen ICD-10-Kodes aus E10–E14 für den Diabetestyp:

.0- Mit Koma
.1- Mit Ketoazidose
.2- Mit Nierenkomplikationen
.3- Mit Augenkomplikationen
.4- Mit neurologischen Komplikationen
.5- Mit peripheren vaskulären Komplikationen
.6- Mit sonstigen näher bezeichneten Komplikationen
.7- Mit multiplen Komplikationen
.8- Mit nicht näher bezeichneten Komplikationen
.9- Ohne Komplikationen

Sobald mehr als eine Komplikation vorliegt, wechseln Sie die vierte Stelle auf .7 - Mit multiplen Komplikationen. Bei Behandlungsrelevanz kodieren Sie die entsprechenden Manifestationen zusätzlich.

Auch wenn Sie nur eine der Komplikationen aktuell behandeln, können Sie die vierte Stelle mit .7 – Mit multiplen Komplikationen verschlüsseln, z. B. bei diagnostizierter diabetischer Nephropathie und diabetischer Angiopathie, wobei z.Z. lediglich bei der diabetischen Nephropathie als manifestierte Nierenkomplikation Behandlungsbedarf besteht.

Beispiel:

E10.20† G Diabetes mellitus Typ-1, mit Nierenkomplikationen, nicht als entgleist bezeichnet 
N08.3* G Glomeruläre Krankheiten bei Diabetes mellitus, diabetische Nephropathie 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Die Symbole Kreuz „†“ und Stern „*“ sind Kennzeichnungen für Primär- und Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis bei der Quartalsabrechnung nicht mit angegeben werden müssen.

Hinweis:

Dabei wird die Kreuz-Stern-Systematik (Ätiologie-Manifestation) angewendet. Die ICD-10-Regelungen hierzu befinden sich in der „Anleitung zur Verschlüsselung“ im Systematischen Verzeichnis der ICD-10-GM.

Was muss ich bei der Verschlüsselung der Stoffwechsellage beachten?

Die Stoffwechsellage eines Diabetikers kodieren Sie immer über die fünfte Stelle des jeweiligen ICD-10-Kodes aus E10–E14 für den Diabetestyp.

Es gilt grundsätzlich die Unterscheidung in 2 Stoffwechsellagen:

als nicht entgleist bezeichnet: 5. Stelle = 0
als entgleist bezeichnet: 5. Stelle = 1

Beispiel:

E10.90 G Diabetes mellitus Typ-1, ohne Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet.

Achtung! Es gibt 2 Ausnahmen:

  1. Ausnahme Koma und/oder Ketoazidose: Koma und/oder Ketoazidose gelten definitiv als Entgleisung und werden immer mit der 5. Stelle = 1 als entgleist bezeichnet verschlüsselt.

    Beispiel: E10.11 G Diabetes mellitus Typ 1 mit Ketoazidose ohne Angabe eines Komas, als entgleist bezeichnet.
  2. Ausnahme Multiple Komplikationen: Aufgrund spezieller Belange aus dem stationären Sektor wurde diese Systematik verlassen, um das diabetische Fußsyndrom mit den Diabeteskodes spezifischer abbilden zu können. Deshalb sind bei Vorliegen von multiplen Komplikationen, also bei allen Diabeteskodes mit der vierten Stelle .7 Mit multiplen Komplikationen, folgende Angaben zur Stoffwechsellage auf der fünften Stelle möglich:

    -2 Mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet
    -3 Mit sonstigen multiplen Komplikationen, als entgleist bezeichnet
    -4 Mit diabetischem Fußsyndrom, nicht als entgleist bezeichnet
    -5 Mit diabetischem Fußsyndrom, als entgleist bezeichnet

Mit der Bezeichnung „Mit sonstigen multiplen Komplikationen“ werden in diesem Zusammenhang multiple Komplikationen vom diabetischen Fußsyndrom abgegrenzt, z. B. für einen Diabetes mit Augen-, Nieren- und Gefäßkomplikationen. Bedingung für diese Verschlüsselung ist also das Vorliegen von mindestens zwei Komplikationen, die jedoch nicht dem klinischen Bild des diabetischen Fußsyndroms entsprechen.

Beispiel:

E11.72 G Diabetes mellitus Typ-2, mit sonstigen multiplen Komplikationen, nicht als entgleist bezeichnet
H36.0* G Retinopathia diabetica
N08.3* G Diabetische Nephropathie 
I79.2* G Periphere diabetische Angiopathie 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das hier verwendete Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis nicht bei der Quartalsabrechnung mit angegeben werden muss. 

Wie verhalte ich mich, wenn sich die Stoffwechsellage ändert?

Sollte z.B. ein primär gut eingestellter, bekannter Diabetes mellitus entgleisen, wählen Sie den entsprechenden ICD-10-Kode aus und ergänzen ihn im Datensatz. Es ist durchaus plausibel, im Abrechnungsdatensatz mehrere Kodes zu übermitteln, die verschiedene Stoffwechsellagen beschreiben.

Zur dauerhaften Hinterlegung in der Praxisverwaltungssoftware sind ICD-10-Kodes mit der Information einer entgleisten Stoffwechsellage ungeeignet. Bei jeder Kontrolluntersuchung sollten Sie die bereits vorhandene Kodierung auf Aktualität hinsichtlich der Stoffwechsellage prüfen.

Auch Diabeteskodes aus der Klinik sollten Sie nicht ungeprüft übernehmen, da der jeweilige ICD-10-Kode ggf. nicht mehr der aktuellen Krankheitssituation entspricht.

Muss ich beim diabetischen Fußsyndrom alle Komplikationen angeben?

Das diabetische Fußsyndrom wird als besondere Untergruppe innerhalb des Diabetes mellitus mit multiplen Komplikationen abgegrenzt. Verschlüsseln Sie alle Manifestationen zusätzlich, bei denen Behandlungsrelevanz vorliegt.

Beispiel:

E10.74 Diabetes mellitus Typ-1, mit diabetischem Fußsyndrom, nicht als entgleist bezeichnet 
I79.2* Periphere diabetische Angiopathie 
I70.24 Atherosklerose der Extremitätenarterien, Becken-Bein-Typ, mit Ulzeration 

Die Beispiele sind jeweils vollständig mit Sekundärkodes für Manifestation, Zusatz- oder Sonderzeichen aufgeführt. Das hier verwendete Stern-Symbol „*“ ist eine Kennzeichnung für Sekundärkodes aus der ICD-10-GM, die in der Arztpraxis nicht bei der Quartalsabrechnung mit angegeben werden muss.