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Gassen: Wir brauchen keine „dritte Säule“ für die Notfallversorgung

Bereitschaftsdienst – Bei einer Fachtagung zur Reform der Notfallversorgung erläuterte KBV-Chef Gassen das Konzept einer gemeinsamen Organisation von Vertrags- und Klinikärzten.

Berlin, 14. März 2018 – Auf dem heutigen „Fach- und Praxisforum zur Reform der Notfallversorgung“ des Marburger Bundes in Berlin hat der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), Dr. Andreas Gassen, erneut für mehr Kooperation von niedergelassenen und Klinikärzten sowie das Konzept einer gemeinsamen Anlaufstelle geworben.

Im Ergebnis könne das wie folgt aussehen: „Über eine einheitliche Telefontriage, die bereits per App beziehungsweise über die bundesweite Rufnummer 116117 beginnt, gelangt der Patient an einen gemeinsamen Tresen in einer Portalpraxis, von wo er durch ein einheitliches Ersteinschätzungsverfahren in die für ihn geeignete Versorgungsebene geleitet wird“, erklärte Gassen.

Ziel sei, möglichst frühzeitig klar zu unterscheiden, welche Patienten echte Notfälle seien, die einer stationären Aufnahme bedürfen, und welche ambulant versorgt werden können. „Diese Entscheidung lässt sich von entsprechend geschultem Personal schnell und zweifelsfrei treffen. Deshalb ist es auch nicht erforderlich, die Notfallversorgung organisatorisch in einen dritten Sektor auszugliedern“, betonte Gassen. Allerdings müsse die Finanzierung extrabudgetär erfolgen.

Eine weitere Voraussetzung, damit das Konzept funktioniere, sei, die Standorte der Portalpraxen auf dafür geeignete Krankenhäuser zu konzentrieren: „Wir haben rund 2.000 Krankenhäuser hierzulande, von denen 1.600 aktuell an der Notfallversorgung teilnehmen. Nicht alle Häuser sind für eine solche Anlaufstelle geeignet. Selbst die Rettungswagen fahren nicht in jedes Krankenhaus.

Klar ist: Schwere Fälle, etwa Unfallopfer oder Herzinfarktpatienten, gehören direkt in eine Klinik mit entsprechender Infrastruktur wie einer Stroke Unit oder einem Traumazentrum. Aber auch für die ‚leichteren‘ Fälle bedarf es einer sinnvollen Zuordnung an diejenige Adresse, die dafür geeignet ist“, so Gassen.

„Es geht nicht darum, Patienten an der Krankenhauspforte abzuweisen, sondern sie an diejenige benachbarte Klinik weiterzuleiten, die über eine Portalpraxis verfügt“, betonte der KBV-Chef. Dafür bedürfe es einer sinnvollen und wirtschaftlichen Planung derselben:

„Wenn Sie Patient im Düsseldorfer Norden sind, erreichen Sie in 30 Minuten 76 Kliniken der Grundversorgung. Wohl jede betreibt eine ambulante Notfallambulanz. Das zeigt deutlich, dass es hier Reformbedarf gibt. Denn an 76 Kliniken gemeinsame Portalpraxen einzuführen, in denen dann pro Tag zwei Patienten auftauchen, ergibt keinen Sinn. Das müsste eigentlich jedem einleuchten.“