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Praxisnetze

Anerkennung und Förderung von Praxisnetzen

Praxisnetze können von einer Förderung profitieren. Dazu müssen sie mindestens drei Jahre bestehen sowie bestimmte Struktur- und Qualitätsanforderungen erfüllen. Sie sind in der bundesweiten Rahmenvorgabe zur Anerkennung von Praxisnetzen festgelegt. Eine Anerkennung ist danach in drei Entwicklungsstufen möglich. Lesen Sie, was das genau heißt, wie das Anerkennungsverfahren abläuft und welche Nachweise erforderlich sind.

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Förderung gesetzlich verankert

Die Anerkennung von Praxisnetzen wurde im Jahr 2012 im Fünften Sozialgesetzbuch verankert. Die Zusammenschlüsse, heißt es in Paragraf 87b Abs. 4, sollen die Qualität sowie die Effizienz und Effektivität der vertragsärztlichen Versorgung im Rahmen einer intensivierten fachlichen Zusammenarbeit steigern.

Mit dem Versorgungsstärkungsgesetz, das seit Mitte 2015 in Kraft ist, baute der Gesetzgeber die Regelung aus: Die Kassenärztlichen Vereinigungen müssen für anerkannte Praxisnetze „gesonderte Vergütungsregelungen“ vorsehen.

Rahmenvorgabe: Anforderungen an Netze

Wann ist ein Praxisnetz ein Praxisnetz, das die gewünschten Versorgungseffekte erzielt? Um das herauszufinden und festzulegen, wurde die Kassenärztliche Bundesvereinigung vor drei Jahren beauftragt, im Einvernehmen mit den Krankenkassen eine bundesweite Rahmenvorgabe zur Anerkennung von Praxisnetzen zu erstellen.

Im Kern geht es darum zu prüfen, ob das Praxisnetz dazu beiträgt, durch seine kooperativen Strukturen die wohnortnahe Versorgung in einer Region zu verbessern. Die Rahmenvorgabe enthält dazu mehrere Strukturanforderungen sowie Qualitätskriterien, die ein Praxisnetz für die Anerkennung erfüllen muss.

Dieser Rahmen wird von den Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) durch regionale Richtlinien ausgestaltet und teilweise konkretisiert. So können regionale Besonderheiten in der  medizinischen Versorgung besser berücksichtigt werden. Netze, die sich um eine Anerkennung bemühen, müssen die Kriterien der Richtlinie ihrer KV erfüllen.

Strukturanforderungen

Größe

Praxisnetze dürfen nicht zu groß sein, da sie eine regionale Versorgungsstruktur darstellen und engen fachlichen Austausch ermöglichen sollen. Die Rahmenvorgabe sieht deshalb grundsätzlich mindestens 20 und höchstens 100 vertragsärztliche und psychotherapeutische Praxen für ein Netz vor.

Zusammensetzung

Um als Praxisnetz einen fachübergreifenden, interdisziplinären Zusammenschluss von Ärzten zu bilden, müssen mindestens drei Fachgruppen im Praxisnetz vertreten sein – darunter auf jeden Fall Hausärzte.

Versorgungsgebiet

Um die wohnortnahe Versorgung gemeinsam koordinieren und abstimmen zu können, befinden sich die Netzpraxen in einem zusammenhängenden Gebiet.

Rechtsform

Die Praxen schließen sich für ein Praxisnetz in Form einer Personengesellschaft, einer eingetragenen Genossenschaft, eines eingetragenen Vereins oder einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammen. Zu beachten ist, dass diese Voraussetzungen bei der Antragstellung bereits seit drei Jahren bestehen müssen.

Kooperationen

Da für eine umfassende wohnortnahe Versorgung die Einbeziehung anderer Gesundheitsberufe wie Logopäden und Physiotherapeuten oder auch der Krankenhäuser erforderlich ist, müssen förderungswürdige Praxisnetze zumindest eine verbindliche Kooperationsvereinbarung für die Antragstellung nachweisen.

Gemeinsame Standards

Für die in Praxisnetzen intensivierte fachliche Zusammenarbeit sind Standards festzulegen. Diese betreffen das Qualitätsmanagement, die Beteiligung an vereinbarten Maßnahmen zum Wissens- und Informationsmanagement sowie zur Unabhängigkeit gegenüber Dritten (z. B. Pharmaunternehmen).

Management

Praxisnetze entstehen häufig durch das ehrenamtliche Engagement der Gründer. Ab einer gewissen Größe wird allerdings ein professionelles Netzmanagement erforderlich – vor allem für den umfangreichen Aufbau von tragfähigen Prozessen. Um anerkannt zu werden, muss das Netz deshalb über eine Geschäftsstelle, einen Geschäftsführer und ärztlichen Leiter/Koordinator verfügen.

Versorgungsziele

Eine effiziente, auf die Bedürfnisse der Patienten ausgerichtete Versorgung ist ein Merkmal, das Netze auszeichnet. Was Praxisnetze unternehmen, um dieses Ziel zu erreichen, müssen sie für die Anerkennung durch die KV darlegen. Konkret geht es um diese drei Versorgungsziele:

  • Patientenzentrierung: Von der Terminvergabe über die Arzneimitteltherapiesicherheit bis zum Überleitungsmanagement bei einer Krankenhausbehandlung – all das steckt hinter dem Begriff Patientenzentrierung. Es geht darum, die medizinische Versorgung, aber auch die Abläufe und Strukturen in den Praxen stärker auf die Bedürfnisse der Patienten auszurichten.
  • Kooperative Berufsausübung: Von der Zusammenarbeit im Praxisnetz profitieren Patienten erheblich. Diese zu perfektionieren und ständig weiterzuentwickeln, ist deshalb ein Ziel, an dem Netze gemessen werden.
  • Verbesserte Effizienz und Prozessoptimierung: Mit den vorhandenen Mitteln eine bestmögliche Versorgung organisieren – das ist es, was Praxisnetze durch eine größtmögliche Effizienz erreichen können. Strukturierte Abläufe, klare Regeln, aber auch Potenzialanalysen helfen, dieses Ziel zu erreichen.

Drei Anerkennungsstufen

Die Rahmenvorgabe unterscheidet zwischen drei Anerkennungsstufen: Basis-Stufe, Stufe I und Stufe II. Eine Anerkennung ist in allen drei Stufen möglich – so können Netze je nach ihrem Entwicklungsstand einsteigen. Die Anforderungen steigen von Stufe zu Stufe und bauen aufeinander auf. Es besteht keine Pflicht zur Weiterentwicklung in die nächsthöhere Stufe. Die Strukturanforderungen sind für alle Stufen gleich.

Von der Antragstellung zur Anerkennung

Die Anerkennung als besonders förderungswürdiges Praxisnetz erfolgt durch die Kassenärztlichen Vereinigungen. Sie prüfen, ob das Netz die Struktur- und Qualitätsanforderungen erfüllt. Ausschlaggebend ist die jeweilige regionale Richtlinie, deren Grundlage die KBV-Rahmenvorgabe bildet.

Das müssen Sie erledigen:

1. Wenden Sie sich an Ihre KV

Registrieren Sie Ihr Netz bei Ihrer KV. Dort erhalten Sie alle wichtigen Informationen zum Antragsverfahren und Hinweise, welche Nachweise konkret zu erbringen sind, und ob der Antrag in Papierform oder elektronisch eingereicht wird.

Meldestellen für Praxisnetze bei den KVen

2. Antrag ausfüllen

Füllen Sie den Antrag auf Anerkennung aus und tragen Sie die von der KV geforderten Nachweise zusammen. Als Nachweis zum Beispiel für netzzentrierte Qualitätszirkel können Protokolle dienen. Als Beleg, dass das Netz seit mindestens drei Jahren besteht, kann eine Kopie der Anzeige bei der Ärztekammer beigefügt werden.

Tipp: In einigen Kassenärztlichen Vereinigungen geht mit dem Antrag auf Anerkennung der Antrag auf  Förderung einher – bei anderen muss dazu ein separater Antrag gestellt werden. Erkundigen Sie sich hierzu und zu der genauen Ausgestaltung der Förderung am besten direkt bei Ihrer KV.

3. Antrag einreichen

Reichen Sie den Antrag zusammen mit den Nachweisen bei der KV ein.

4. Anerkennung

Erfüllt Ihr Praxisnetz die Anforderungen und Kriterien, wird es als besonders förderungswürdig anerkannt. Zur Aufrechterhaltung der Anerkennung reicht Ihr Praxisnetz nach fünf Jahren unaufgefordert erneut Nachweise bei der KV ein. Auch müssen Sie der KV Änderungen mitteilen, die sich auf den Anerkennungsstatus auswirken können.