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Netupitant/Palonosetron

Handelsname: Akynzeo®

Anwendungsgebiet: Übelkeit und Erbrechen bei Chemotherapie aufgrund einer Krebserkrankung*

Pharmazeutischer Unternehmer: Riemser Pharma

Beginn des Verfahrens: 15. August 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 4. Februar 2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  zweckmäßige Vergleichstherapie 
Prävention von akuter und verzögert auftretender Übelkeit und Erbrechen bei ... a) ... mäßig emetogener Chemotherapie aufgrund einer Krebserkrankung
Zweifachkombination aus Serotonin-Antagonist (Ondansetron oder Granisetron oder Tropisetron oder Palonosetron) + Dexamethason** Zusatznutzen ist nicht belegt
b) ... stark emetogener Chemotherapie auf Cisplatin-Basis aufgrund einer Krebserkrankung 
Dreifachkombination aus Serotonin-Antagonist (Ondansetron oder Granisetron oder Tropisetron oder Palonosetron) + Neurokinin-1-Rezeptorantagonist (Aprepitant oder Fosaprepitant) + Dexamethason*** Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

** Die Anwendung der Zweifachkombination erfolgt an Tag 1 vor der Chemotherapie. Nach Tag 1 wird die Prävention entweder mit dem Serotonin-Antagonisten (außer Palonosetron), ggf. in Kombination mit Dexamethason, oder mit Dexamethason mono fortgeführt. Die Angaben der jeweiligen Fachinformation, insbesondere zur Dauer der Anwendung, sind zu beachten.

*** Die Anwendung der Dreifachkombination erfolgt an Tag 1 vor der Chemotherapie. An den Tagen 2 bis 4 wird die Prävention mit Dexamethason, an den Tagen 2 bis 3 zusätzlich mit Aprepitant (falls Aprepitant an Tag 1; entfällt für Fosaprepitant an Tag 1), fortgeführt.


Zusammenfassung:

Die fixe Kombination aus dem Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonist Netupitant und dem Serotonin-Rezeptor-Antagonisten Palonosetron wird peroral gegen Chemotherapie-induzierte Übelkeit angewendet. 

Für das Anwendungsgebiet mäßig emetogene Chemotherapie (a) war die mit dem Dossier eingereichte Studie NETU-08-18 für einen Vergleich ungeeignet. Es waren Patienten eingeschlossen, die mit Anthracyclin-haltigen Regimen behandelt wurden. Für derartige Chemotherapien werden in den Leitlinien einheitlich Dreifach- statt Zweifachkombinationen als antiemetische Maßnahmen empfohlen. Für den Vergleichs-Arm in NETU-08-18 mit einer Zweifachkombination muss daher von einer unzureichenden Medikation ausgegangen werden. Aufgrund fehlender relevanter Daten ist bei mäßig emetogener Chemotherapie daher der Zusatznutzen nicht belegt.

Für das Anwendungsgebiet stark emetogene Chemotherapie auf Cisplatin-Basis (b) legte der pharmazeutische Unternehmer Daten einer Teilpopulation mit stark emetogener Chemotherapie aus der Studie NETU-10-29 vor. Verglichen wurde mit Aprepitant in Kombination mit Palonosetron und Dexamethason. Ein statistisch signifikanter Vorteil des Verum-Arms war einzig bei der Nebenwirkung Diarrhö festzustellen. Dies hätte jedoch nur dann für einen Zusatznutzen gesprochen, wenn zusätzlich bei der Morbidität ein Fehlen negativer Effekte bzw. eine Nicht-Unterlegenheit überzeugend nachgewiesen worden wäre. Das war nicht der Fall.

Ein dokumentierter Vorteil bei dem Morbiditätsendpunkt „Anteil der Patienten ohne Erbrechen“ bezog sich nur auf den ersten Chemotherapiezyklus und nicht auf die gesamte Studiendauer, für die hier keine Daten vorlagen. Insgesamt konnte bei unzureichenden Daten und methodischen Mängeln der Studie keine ausreichende Bewertungssicherheit hinsichtlich der Auswirkungen auf die Morbidität erreicht werden. Zusammenfassend ist bei stark emetogenen Chemotherapien der Zusatznutzen nicht belegt.

Hinweise für die Praxis

1. Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Wegen der langen Halbwertszeit der Wirkstoffe und der bei Patienten über 75 Jahren begrenzten Erfahrungen ist bei Anwendung dieses Arzneimittels in dieser Patientengruppe Vorsicht geboten.

2. Wirtschaftlichkeit

Solange für Arzneimittel ohne Zusatznutzen kein Erstattungsbetrag vereinbart ist und das Arzneimittel teurer als die zweckmäßige Vergleichstherapie ist, könnte dieses Medikament als unwirtschaftlich gelten. Deshalb ist für Vertragsärzte eine Regressgefahr im Rahmen von Einzelfallprüfungen nicht auszuschließen.