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Tiotropium/Olodaterol

Handelsname: Spiolto® Respimat®

Anwendungsgebiet: Behandlung der chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD)*

Pharmazeutischer Unternehmer: Boehringer Ingelheim Pharma 

Beginn des Verfahrens: 15.08.2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 04.02.2016 / 21.07.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung der COPD

a) bei Erwachsenen ab einem mittleren Schweregrad (50 % ≤ FEV1** < 80 % Soll)***
langwirksame Beta-2-Sympathomimetika oder langwirksame Anticholinergika (Tiotropium) oder die Kombination beider Wirkstoffklassen Hinweis für einen geringen Zusatznutzen
b) bei darüber hinausgehenden Schweregraden (30 % ≤ FEV1 < 50 % Soll bzw. FEV1 < 30 % oder respiratorische Insuffizienz) mit ≥ 2 Exazerbationen pro Jahr
langwirksame Beta-2-Sympathomimetika oder langwirksame Anticholinergika (Tiotropium) oder die Kombination beider Wirkstoffklassen und zusätzlich inhalative Corticosteroide (ICS) Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation. ** exspiratorische Einsekundenkapazität *** Diese Population enthält Patienten mit COPD-Schweregrad II (keine Einschränkung über die Anzahl der Exazerbationen) und Patienten mit COPD-Schweregraden ≥ III mit < 2 Exazerbationen pro Jahr.

Zusammenfassung:

Für einen direkten Vergleich mit der vom Hersteller gewählten zweckmäßigen Vergleichstherapie – Tiotropium (Patientengruppe a) bzw. Tiotropium + ICS (Patientengruppe b) – lagen die doppelblinden, randomisierten kontrollierten Zulassungsstudien TONADO 1 und 2 vor. Da eine Behandlung mit ICS unabhängig vom Schweregrad erfolgen konnte, wurden für die Nutzenbewertung Teilpopulationen herangezogen.

Bei der Patientengruppe a) zeigte sich für den Morbiditätsendpunkt TDI-Responder (Transition-Dyspnea-Index) zu Woche 52 kein statistisch signifikanter Unterschied zwischen den Behandlungsarmen. Für diesen Endpunkt ergab die Subgruppenanalyse einen Hinweis auf eine Effektmodifikation für das Merkmal Geschlecht, bei der sich nur für Frauen ein statistisch signifikanter Vorteil gegenüber der Vergleichstherapie zeigte. Da die Bedeutung dieser Effektmodifikation unklar war, wurden daraus keine Schlussfolgerungen für die Bewertung des Zusatznutzens gezogen.

Für den Endpunkt Abbruch wegen unerwünschter Ereignisse zeigte sich in der Metaanalyse ein statistisch signifikanter Vorteil zugunsten von Tiotropium/Olodaterol gegenüber Tiotropium. Für die Endpunkte Mortalität, Exazerbationen und Gesundheitszustand sowie gesundheitsbezogene Lebensqualität lagen keine statistisch signifikanten bzw. konsistenten Unterschiede zwischen den Behandlungsarmen vor. In der Gesamtschau sah der Gemeinsame Bundesauschuss (G-BA) einen Hinweis für einen geringen Zusatznutzen von Tiotropium/Olodaterol.

Bei der Patientengruppe b) zeigte sich in der Metaanalyse beim Endpunkt Exazerbationen ein statistisch signifikanter Nachteil von Tiotropium/Olodaterol im Vergleich zu Tiotropium. Bei den übrigen Endpunkten gab es keine statistisch signifikanten Unterschiede. Aufgrund des hohen Verzerrungspotentials der Daten und der Unsicherheit der Aussagekraft des Endpunktes schwere Exazerbationen erkannte der G-BA einen Anhaltspunkt für einen geringeren Nutzen von Tiotropium/Olodaterol.

Der Beschluss vom 04.02.2016 war zunächst befristet. Aufgrund eines Antrags des Herstellers sah der G-BA es nicht mehr als notwendig an, die Befristung aufrecht zu erhalten. Diese wurde daher am 21.07.2016 aufgehoben. Damit soll es dem Hersteller ermöglicht werden, weitere Studienergebnisse, die für die Nutzenbewertung von Tiotropium/Olodaterol relevant sind, als neue wissenschaftliche Erkenntnisse einzureichen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen.