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Asfotase alfa

Handelsname: Strensiq®

Anwendungsgebiet: Langzeit-Enzymersatztherapie bei Patienten, bei denen die Hypophosphatasie im Kindes- und Jugendalter aufgetreten ist*

Pharmazeutischer Unternehmer: Alexion Europe SAS

Beginn des Verfahrens: 1. Oktober 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 17. März 2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens
Langzeit-Enzymersatztherapie bei Patienten mit Hypophosphatasie* a) Patienten im Alter ≤ 5 Jahren
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar
b) Patienten im Alter > 5 Jahren
Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Bei der Hypophosphatasie (HPP) handelt es sich um eine seltene angeborene Enzymmangelerkrankung des Knochen- und Mineralstoffwechsels. Die perinatale und die infantile Form der HPP sind mit einer hohen Sterblichkeit verbunden. Bei der juvenilen und adulten Form dominieren Skelettdeformitäten, Muskelschwäche und chronische Schmerzen.
Als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) galt der medizinische Zusatznutzen von Asfotase alfa bereits durch die Zulassung als belegt. Das Ausmaß des Zusatznutzens hatte der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) anhand der Zulassungsstudien zu bewerten.

Zur Nutzenbewertung lagen für Kinder bis fünf Jahre die beiden einarmigen Studien ENB-002/ENB-003 und ENB-010 vor, deren gepoolte Daten mit einer historischen Kontrollstudie zum natürlichen Verlauf verglichen wurden. Dabei zeigten sich Vorteile beim Gesamtüberleben und beim Endpunkt „Überleben ohne invasive Beatmung“. Wegen zu kleiner Studienpopulationen und ungleicher Baseline-Charakteristika von Interventions- und historischer Kontrollstudie ist das Ausmaß des Zusatznutzens jedoch nicht quantifizierbar.

Für Kinder von fünf bis 12 Jahre zeigte sich in der ebenfalls einarmigen Studie ENB-006/ENB-008 im Vergleich mit der historischen Kontrollstudie zum natürlichen Verlauf ein Vorteil beim Wachstum und bei der motorischen Funktion – jeweils erfasst gegenüber Baseline. Aber auch hier machen die Studiendaten eine Quantifizierung des Zusatznutzens nicht möglich.

Für die Altersgruppe der 13 bis 66-Jährigen lag die über 24 Wochen laufende kontrollierte Studie ENB-009 vor. Für keinen der patientenrelevanten Endpunkte zeigte sich ein statistisch signifikanter Vorteil. Somit ist auch für diese Altersgruppe der Zusatznutzen nicht quantifizierbar.

Der G-BA hat den Beschluss zunächst bis zum 1. Dezember 2018 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Asfotase alfa soll von einem in der Therapie von Patienten mit Stoffwechsel- oder Knochenerkrankungen erfahrenen Arzt erfolgen.

Asfotase alfa wurde unter „außergewöhnlichen Umständen“ zugelassen. Dies bedeutet, dass es aufgrund der Seltenheit der Krankheit nicht möglich war, vollständige Informationen über das Arzneimittel zu erlangen. Die EMA wird sämtliche neuen Informationen prüfen, die verfügbar gemacht werden, und die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels gegebenenfalls aktualisieren.

Als zusätzliche Maßnahme zur Risikominimierung ist Patienten und Betreuungspersonen vorgeschriebenes Schulungsmaterial zur Verfügung zu stellen, um eine Anleitung in der richtigen Anwendungstechnik von Asfotase alfa zu geben und um auf die Risiken von Medikationsfehlern und Reaktionen an der Injektionsstelle hinzuweisen. Das Schulungsmaterial soll folgende Informationen enthalten: Packungsbeilage, Anleitung zur Selbstinjektion für Patienten, Anleitung zur Injektion für Eltern oder Betreuungspersonen mit Kindern als Patienten.

In den Studien zu Asfotase alfa wurden nur Patienten bis 65 Jahre eingeschlossen. Insgesamt ist die Datenlage für erwachsene Patienten limitiert, daher werden Studien seitens der Zulassungsbehörden gefordert, um weitere Daten hinsichtlich der Dosierung bei Erwachsenen zu generieren.

Weiterhin wurden keine Patienten jünger als 5 Jahre mit juvenilem Beginn der Hypophosphatasie untersucht (Erkrankungsbeginn mindestens 6 Monate).