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Stand 31.12.2015

Praxisnetze

Beispiele für die Netzarbeit

Die folgenden Beispiele aus der Praxis geben einen Einblick, wie erfolgreiche Netzarbeit und intensive fachliche Zusammenarbeit aussehen können.

Ärztenetz Eutin-Malente e.V.

Dr. Thomas Schang, Vorsitzender, zur Netzarbeit im ländlichen Raum

www.aerztenetz-eutin.de

  • Region: Schleswig-Holstein
  • Praxen: 45
  • Ärzte und Psychotherapeuten: 67
  • Kooperationspartner u.a.: Kassenärztliche Vereinigung Schleswig-Holstein, Krankenhäuser, Pflegeheime
  • Anerkannt nach Basis-Stufe

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„Ostholstein weist mit den höchsten Altersdurchschnitt in Deutschland auf. Daher ist eine vernetzte Versorgung vor allem multimorbider Patienten von besonderer Bedeutung.

Das Ärztenetz Eutin-Malente hat sich deshalb auch bei der Gründung einer sektorenübergreifenden Management GmbH (Gesellschafter: Klinik, Pflegenetz und ein Förderverein mit 27 Arztpraxen) und eines Pflegestützpunktes in Ostholstein (Durchführungsträger: Pflegenetz) engagiert. Der Pflegestützpunkt bietet an drei Standorten eine umfassende und kostenlose Beratung für Pflegebedürftige und ihre Angehörigen an und arbeitet an regionalen Vernetzungslösungen mit.

Die regionale Ausprägung der Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) mit einer explizierten Einbeziehung der Hausärzte wurde vom Ärztenetz zusammen mit allen beteiligten Gruppen der Region mitgestaltet. Seit 2010 erfolgt die SAPV als erstes echtes sektorenübergreifendes Gemeinschaftsprojekt der Region.“

Gesundes Kinzigtal GmbH

Helmut Hildebrandt, Geschäftsführer, zum Versorgungsziel verbesserte Effizienz und Prozessoptimierung

www.gesundes-kinzigtal.de

  • Region: Ortenaukreis in Baden-Württemberg
  • Praxen: 42
  • Ärzte und Psychotherapeuten: 59
  • Kooperationspartner u.a.: Krankenhäuser, Pflegeheime
  • Medizinisches Qualitätsnetz - Ärzteinitiative Kinzigtal e.V. anerkannt nach Stufe II

Praxisbeispiel lesen

„Für Ärzte ist es hilfreich, wenn sie regelmäßig ein Feedback zur Behandlung ihrer Patienten erhalten und sich mit anderen Kollegen vergleichen können. Wir nutzen deshalb ein Versorgungscockpit, das den Ärzten online Kennzahlen zur Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität anzeigt: Eine Hausarztpraxis kann beispielsweise sehen, wie sich ihre Patientenstruktur hinsichtlich Alter, Geschlecht und Morbidität zusammensetzt.

Sie kann diese Informationen vergleichen mit dem Durchschnitt anderer Hausarztpraxen im Netz und außerhalb des Netzes. Neben Daten zur Praxisstruktur zeigt das Versorgungscockpit an, welche Patientengruppen welche Leistungen in Anspruch genommen haben (z. B. Check-up 35), wie häufig und wie lange Patienten im Krankenhaus waren und was das gekostet hat. So können Hausärzte sehen, wieviel Prozent ihrer Typ-2-Diabetiker jährlich den Augenhintergrund untersuchen lassen.

Auch Verbesserungspotenziale werden aufgezeigt, unter anderem beim Arzneimittelmanagement. Der Arzt hat so ständig alle wichtigen Daten im Blick. Basis bilden Routinedaten der beiden Vertragspartner-Krankenkassen.“

Gesundheitsregion Siegerland GRS

Reportage über vernetzte Versorgung von Pflegeheimpatienten

www.gesundheitsregion-siegerland.de

Bewohner in Pflegeheimen benötigen eine kontinuierliche medizinische Betreuung. Im Kreis Siegen-Wittgenstein haben sich rund 70 niedergelassene Haus- und Fachärzte zusammengeschlossen, um die Patienten dort bestmöglich zu versorgen. Dreh- und Angelpunkt ist das Ärztenetz „Gesundheitsregion Siegerland“ (GRS). Sein Weg ist vielversprechend, denn die Zahl der Krankentransporte und Klinikeinweisungen von Pflegeheimpatienten geht zurück.

Reportage lesen

„Mit Frau Schöllchen im Rücken fühlen wir uns einfach sicher.“ 

Autor: Reinhold Schlitt

Siegener Pflegeheime profitieren von Vernetzung

Diplom-Netzmanager Dr. med. Martin Mansfeld, der als Facharzt für Innere und Allgemeinmedizin eine eigene Praxis in Siegen unterhält, ist sich sicher: „Die Zahl der Ärzte wird auch in unserer Region tendenziell abnehmen. Also müssen wir uns fragen, wie wir trotz alledem die ambulante Patientenversorgung stabilisieren und ausbauen können.“ Er setzt auf eine intensivere Zusammenarbeit von Haus- und Fachärzten in Pflegeheimen.

Das Ärztenetz „Gesundheitsregion Siegerland“ und mit ihm brauchbare organisatorische Strukturen gibt es bereits seit 1998. Mithilfe engagierter Experten in der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe (KVWL) gab es vor einigen Jahren eine Modifizierung der Ziele und Strukturen des Netzes, darunter ein verbessertes Medikamenten-Management, die Verbesserung der Versorgung von Patienten mit chronischen Wunden, Patientenschulungen im Rahmen von Disease-Management-Programmen und eben eine intensivere haus- und fachärztliche Versorgung in Pflegeheimen.

Das Netz bekam eine Geschäftsführerin, die sich um die Durchsetzung der Versorgungsziele kümmert und den Kontakt mit Krankenkassen und anderen Vertragspartnern in der Region hält.

Wie EVA die Ärzte entlastet

Stolz sind die Siegener auf ihre Entlastende Versorgungsassistentin (EVA), hinter der sich die examinierte Krankenschwester Sonja Schöllchen verbirgt. Frau Schöllchen verfügt über viel Berufserfahrung. Sie war in einem örtlichen Krankenhaus, bei einem ambulanten Pflegedienst sowie in der Bezugspflege einer  Seniorenwohngemeinschaft tätig. Ärztliche Visiten kann sie nicht ersetzen, aber durch ihre Hausbesuche nimmt sie Ärzten viele Routineaufgaben ab, gleich, ob es sich um die Kontrolle von Vitalwerten handelt oder Verbände oder Katheter zu wechseln sind. Und sie ist eine gute Beobachterin, wie sich bei der Begleitung auf einer ihrer „Touren“ zeigt:

Bei einer 70-jährigen bettlägerigen Schmerzpatientin zögert die Versorgungsassistentin: Irgendetwas ist heute anders. Es dauert ein wenig, bis ihr die alte Dame „Schmerzen am Po“ offenbart. Ihrem Arzt hat die Patientin das nicht gesagt. Sonja Schöllchen kennt solche Situationen, sie weiß um das Schamgefühl von Patienten oder deren Scheu, den Doktor mit Nichtigkeiten zu behelligen. Bei der Frau sieht sie ein Druckgeschwür und wird noch am selben Tag mit deren Hausarzt telefonieren und um einen Hausbesuch bitten.

Visite im Pflegeheim

In einem Pflegeheim am Rande der Stadt geht es um eine demente 87-jährige Patientin im Rollstuhl, die unter Hypertonie und Herzinsuffizienz leidet. Blutwerte und Vitalfunktionen werden kontrolliert, die Versorgungsassistentin spricht mit der Patientin und auch mit ihrer Pflegerin. Ihr fällt auf, dass die Beine der Bewohnerin nur bis zu den Knien gewickelt wurden. Besser wäre es jedoch, auch die Oberschenkel einzubeziehen. Ihr breites pflegerisches Erfahrungsspektrum verschafft der Versorgungsassistentin Respekt – auch unter den Ärzten.

In einem weiteren Pflegeheim wird Sonja Schöllchen bereits freudig erwartet. Bei einer Patientin bemerkten die Pflegekräfte deutliche Wesensveränderungen. Die Versorgungsassistentin informiert sich über Einzelheiten und begibt sich dann zu der alten Dame. Ihre Eindrücke decken sich mit denen der zuständigen Pflegerin, von der sie auch erfährt, dass die Patientin „auf keinen Fall mehr ins Krankenhaus“ will. Dennoch muss gehandelt werden. Frau Schöllchen zögert nicht lange und organisiert den Besuch eines Neurologen.

„Das ist es, worüber wir so froh sind: Mit Frau Schöllchen im Rücken fühlen wir uns einfach sicherer", sagt die Pflegerin und ergänzt: „Wir wissen, dass sie nötigenfalls auch zeitnah einen Arztbesuch organisiert.“

Vorteile der Vernetzung

GRS-Geschäftsführerin Anja Herder sieht darin ein Beispiel für eine gut funktionierende „Schnittstelle zwischen Haus- und Fachärzten“. Sie erläutert, dass knapp die Hälfte der Netzärzte aus dem fachärztlichen Bereich kommt. Gut für die Versorgungsassistentin. Sie kann entweder in Absprache mit dem zuständigen Hausarzt oder in eindeutigen Fällen auch direkt einen Facharzt unter den Netzmitgliedern ansprechen.

Ist die tägliche Liste der Patientenbesuche abgearbeitet, begibt sich Sonja Schöllchen in die Geschäftsstelle des Ärztenetzes, um sich mit der Geschäftsführerin abzustimmen, Dokumentationen zu vervollständigen und wichtige Daten ihrer Hausbesuche an die Praxen zu übermitteln. Entscheidet ein Hausarzt aufgrund ihrer Angaben beispielsweise, dass ein fachärztlicher Kollege oder ein Wundmanager hinzugezogen werden muss, dann veranlasst die Versorgungsassistentin auch hier die notwendigen Schritte und informiert alle Beteiligten.

Wenn der „Pate“ kommt

Derzeit profitieren 20 der 31 Alten- und Pflegeheime im Kreis Siegen-Wittgenstein vom Praxisnetz „Gesundheitsregion Siegerland“ – und das nicht nur von EVA, sondern auch von ärztlichen Paten. Ein Netzarzt übernimmt jeweils ein Vierteljahr lang die ärztliche Patenschaft über ein Heim und erkundigt sich dort jeden Freitag nach Problemfällen. In Zweifelsfällen schaut der „Pate“ persönlich vorbei. Diese Regelung hilft, unnötige Notfalleinsätze am Wochenende zu vermeiden und gibt dem diensthabenden Heimpersonal mehr Sicherheit.

Diane Weber, die in der KV Westfalen-Lippe für Praxisnetze zuständig ist, sieht in der „Gesundheitsregion Siegerland“ ein gutes Beispiel dafür, „wie sich Ärzte in Zusammenarbeit mit den Krankenkassen und ihrer KV eigenverantwortlich den drängenden Zukunftsfragen der ambulanten Versorgung stellen“. Wohl nicht zufällig hat die GRS als erstes Ärztenetz innerhalb der KVWL die Anerkennung nach Paragraf 87b SGB V erhalten.

Leipziger Gesundheitsnetz e.V.

Sebastian Klein, Netzmanager, zum Versorgungsziel kooperative Berufsausübung

www.gesundheitsnetz-leipzig.de

  • Region: Leipzig
  • Praxen: 80
  • Ärzte und Psychotherapeuten: ca. 100
  • Kooperationspartner u.a.: Pflegeheim
  • Anerkannt nach Stufe I

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„Unser Gesundheitsnetz arbeitet intensiv mit einem Leipziger Pflegeheim zusammen – auf Basis eines ärztlich-pflegerischen Kooperationsvertrags. Es geht darum, gemeinsam die stationäre Versorgung geriatrischer Patienten effizienter zu gestalten. Die Pflegeheimbewohner werden deshalb durch ein feststehendes Hausärzteteam, kooperierende Fachärzte sowie Therapeuten aus dem Netz betreut.

Hausärztliche Visiten finden zu festen Terminen mit gegenseitiger Vertretung statt. Es gibt wechselnde erweiterte Rufbereitschaft, und Tablet-PCs unterstützen die Ärzte bei der Bettvisite vor Ort. Zu einer besseren Steuerung und Koordination der ärztlichen Versorgung trägt ferner bei, dass es eine einheitliche Dokumentation im Praxisverwaltungssystem über eine dezentrale elektronische Patientenakte gibt.

Außerdem bieten wir Schulungen des Pflegepersonals zu den häufigsten medizinischen Indikationen an. Für den fachlichen Austausch der Netzpraxen untereinander haben sich Qualitätszirkel mit Fallbesprechungen bewährt.“

Münchner Ärztenetz West und Umgebung e.V.

Christian Brucks, Geschäftsführer, zur IT-Vernetzung

www.muenchner-aerzte.eu

  • Region: Bayern
  • Praxen: 105
  • Ärzte und Psychotherapeuten: 257
  • Kooperationspartner u.a.: Krankenhäuser
  • Anerkannt nach Basis-Stufe

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Wie konnten Sie Ihre Mitglieder vom Nutzen einer systematischen IT-Vernetzung überzeugen?

Wir haben das Ganze zunächst in einer Testphase ausprobiert. Die Vorteile waren überzeugend: mehr Zeit für die Behandlung, weniger Bürokratie und zufriedene Patienten. Erst durch die digitale Vernetzung konnten wir zudem bestimmte Vorhaben umsetzen. Dazu gehören das Management von Selektivverträgen, der elektronische Austausch von Behandlungsdaten und die Auswertung von Versorgungsdaten zur Qualitätssicherung. Auch die netzinterne Kommunikation ist mit der Technik viel einfacher.

Wie sieht die digitale Vernetzung in Ihrem Netz aus?

Wir haben zum Beispiel sieben netzinterne Behandlungspfade entwickelt, die jede Praxis aus dem Praxisverwaltungsprogramm heraus anwenden kann. Außerdem nutzen wir eine elektronische Patientenakte, die den Ärzten einen schnellen Überblick über Vorerkrankungen, Laborwerte, Medikationen und Voruntersuchungen ermöglicht. Auch die Patienten sind zufrieden. Sie merken, dass der weiterbehandelnde Arzt mehr Zeit für sie hat und Doppeluntersuchungen entfallen, wenn schon alle wichtigen Behandlungsdaten vorliegen. Dazu muss der Patient aber ausdrücklich und in jeder Netzpraxis seine Einwilligung erklären.

Welche Tipps geben Sie Praxisnetzen für Ihre IT -Vernetzung?

Ich empfehle, bei der IT-Vernetzung auf Bestehendes zurückzugreifen. Netzinterne Lösungen sind kaum zu realisieren. Außerdem ist es wichtig, die Ärzte von den Vorteilen einer modernen Informationstechnologie zu überzeugen. Aus eigener Erfahrung kann ich nur berichten, dass die Technik vieles erleichtert – sowohl für den Arzt als auch für die Praxismitarbeiter.

Praxisnetz Herzogtum Lauenburg e.V.

Markus Knöfler, Geschäftsführer, zum Versorgungsziel Patientenzentrierung

www.pnhl.de

  • Region: im Südosten von Schleswig-Holstein
  • Praxen: 87
  • Ärzte und Psychotherapeuten: 132
  • Kooperationspartner u.a.: Krankenhäuser, Brustzentrum
  • Anerkannt nach Basis-Stufe

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„Wir haben einen Qualitätszirkel ,Polypharmazie‘ gegründet und darin Prozessbeschreibungen, Arbeitshilfen und Schulungsmaterialien für einen Medikationscheck ausgearbeitet. Unser Ziel ist, dass Ärzte, Patienten, Pflegedienste, Krankenhäuser und Apotheken so vernetzt sind, dass ein gemeinsamer Medikationsplan geführt werden kann und jederzeit ein Interaktionscheck möglich ist. Damit soll auch das gesamte Nachbestell-, Rezeptierungs- und Auslieferungsmanagement für die angeschlossenen Praxen, beteiligte Pflegedienste und Patienten vereinfacht werden.

Für die Patienten stellen wir auf unserer Internetseite netzeigene Patienteninformationen zu Erkrankungen und Therapiemöglichkeiten sowie Hinweise zu Kursen und Schulungen der Netzärzte bereit. Interessenten finden dort auch Kontaktdaten zu Beratungs-, Beschwerde- und Selbsthilfekontaktstellen. Außerdem verlinken wir auf qualitätsgeprüfte Informationsquellen, zum Beispiel auf www.patienten-information.de von KBV und Bundesärztekammer.“

Psychiatrie Initiative Berlin-Brandenburg GmbH

Dr. Norbert Mönter und Dr. Carsten Jäger, Geschäftsführer, zum spezialisierten Praxisnetz

www.pi-bb.de

  • Region: Berlin-Brandenburg
  • Praxen: 55 und 7 MVZ
  • Ärzte und Psychotherapeuten: 70
  • Kooperationspartner u.a.: Kliniken, Pflegedienste, Sozio- und Ergotherapeuten, Hausärzte
  • Anerkannt nach Basis-Stufe

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Das Ärztenetz „Psychiatrie Initiative Berlin-Brandenburg“ wurde vor über zehn Jahren auf Initiative niedergelassener Nervenärzte und Psychiater sowie Psychotherapeuten in Berlin und Brandenburg gegründet. Im Jahr 2014 wurde es als besonders förderungswürdiges Netz von der KV Berlin anerkannt.

Warum und mit welchem Ziel haben Sie damals das Netz gegründet?

Dr. Mönter: Patienten mit psychischen Erkrankungen benötigen in aller Regel sehr schnell und oftmals über einen längeren Zeitraum Hilfe. Zusätzlich zur ärztlich-psychiatrischen Behandlung ist häufig eine kontinuierliche bezugstherapeutische Begleitung erforderlich, zum Beispiel durch Soziotherapeuten. Um das zu organisieren und auch der steigenden Zahl – meist schwer kranker – Patienten zu begegnen, haben wir uns zu einem interdisziplinären Netz zusammengeschlossen und Kooperationspartner eingebunden.

Was zeichnet das Praxisnetz aus?

Dr. Mönter: Wir haben uns auf die ambulante Komplexbehandlung psychisch kranker Menschen spezialisiert. Über 70 Nervenärzte und Psychiaterarbeiten hier Hand in Hand mit Hausärzten, Psychotherapeuten, Soziotherapeuten, Klinikärzten, Ergotherapeuten und Pflegekräften.
Durch diese umfangreiche Vernetzung können wir unsere Patienten ganzheitlich behandeln, was gerade in psychischen Krisensituationen oder zur Vermeidung von Rückfällen enorm wichtig ist.

Sie kooperieren auch mit Krankenkassen. Wie sieht das aus?

Dr. Jäger: Wir haben mit mehreren Krankenkassen Integrierte Versorgungsverträge abgeschlossen. In den teilweise indikationsbezogenen, teilweise populationsbezogenen Verträgen geht es letztlich immer um die rasche und nachhaltige Stabilisierung des Patienten durch eine ambulante Komplexbehandlung. Rezidivprophylaxe und Krisenintervention stehen ganz im Vordergrund, ebenso die rasche Behandlung bei Arbeitsunfähigkeit. Durch die Integrierten Versorgungsverträge können wir Leistungen besser honorieren und uns stehen mehr therapeutische Optionen zur Verfügung.

Wie profitieren die Patienten von der Vernetzung?

Dr. Jäger: Wir haben das Ziel, die Versorgung psychisch kranker Patienten zu verbessern. Dafür entwickeln wir neue Therapieangebote und Behandlungspfade und suchen Lösungen für regionale Versorgungsprobleme. Wir folgen dabei dem Grundsatz ambulant vor stationär, was dem Wunsch der meisten unserer Patienten entspricht. Dadurch lassen sich natürlich auch teure stationäre Aufenthalte einsparen. Eingeschriebene Patienten müssen signifikant weniger im Krankenhaus behandelt werden, was seitens der Krankenkassen in den letzten Jahren Bonus- beziehungsweise Effizienzzahlungen an das Netz zur Folge hatte.