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Regorafenib

Handelsname: Stivarga®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom, die zuvor mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder die für diese nicht geeignet sind*

Pharmazeutischer Unternehmer: Bayer Vital

Beginn des Verfahrens: 1. Oktober 2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 17. März 2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation
zweckmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von Erwachsenen mit metastasiertem Kolorektalkarzinom, die zuvor mit verfügbaren Therapien behandelt wurden oder die für diese nicht geeignet sind*

Best Supportive Care**

Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Der Gemeinsame Bundesausschuss erkannte für Regorafenib in seinem Beschluss vom 20. März 2014 einen Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen gegenüber Best Supportive Care an. Der Beschluss wurde auf anderthalb Jahre befristet, um dem Hersteller zu ermöglichen, weitere Daten für eine Re-Evaluierung einzureichen, vor allem zur Morbidität und Lebensqualität, aber auch für Patienten mit einem ECOG-Performance-Status > 1.

Zur erneuten Nutzenbewertung legte der Hersteller neben der bereits bekannten CORRECT-Studie nun auch eine Teilpopulation von 75 Patienten, die dem Anwendungsgebiet entsprachen, aus der placebokontrollierten, doppelblinden Phase-III-Studie CONCUR-Studie vor. Auch hier waren ausschließlich Patienten mit einem ECOG-Performance-Status von 0 oder 1 eingeschlossen. Die Daten aus dieser Studie bzw. der relevanten Teilpopulation ließen keine belastbaren Aussagen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität und Morbidität zu. Außerdem zeigten die Daten keine statistisch signifikante Verlängerung der Überlebensdauer auf.

Daher wurden zur Bewertung noch einmal die Daten der CORRECT-Studie herangezogen, in der sich ein geringer medianer Überlebensvorteil von 42 Tagen bei gleichzeitig mehr schweren Nebenwirkungen (CTCAE-Grad ≥ 3) zeigte. Auch in der Metaanalyse beider Studien ergab sich ein Vorteil im Gesamtüberleben. Für das Symptom Diarrhö zeigte sich erneut ein statistisch signifikanter und auch relevanter Nachteil von Regorafenib gegenüber Best Supportive Care. Zudem gab es nun Nachteile bei der Lebensqualität (Rollenfunktion und soziale Funktion), die aufgrund fehlender Informationen im Rahmen der ersten Bewertung damals noch nicht erkennbar waren.

Der Gemeinsame Bundesausschuss kam bei der erneuten Bewertung zu dem Ergebnis, dass für Regorafenib ein Zusatznutzen nicht belegt ist. Durch die Nachteile bei Nebenwirkungen und Lebensqualität werde die Relevanz des geringen Vorteils beim Gesamtüberleben von 42 Tagen in Frage gestellt.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Regorafenib soll durch einen in der Therapie von Patienten mit metastasiertem kolorektalem Karzinom erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie oder Facharzt für Innere Medizin und Gastroenterologie sowie weitere, an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen).

Patienten mit einem ECOG-Performance-Status größer als 1 wurden entgegen der Versorgungsrealität in der CORRECT-Studie nicht untersucht.

Das Arzneimittel wurde mittlerweile vom deutschen Markt genommen.