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Stand 23.05.2016

Reden

Eröffnungsrede von Dipl.-Psych. Hans-Jochen Weidhaas, Vorsitzender der Vertreterversammlung

KBV-Vertreterversammlung am 23. Mai 2016

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,
meine sehr verehrten Damen und Herren,

ich begrüße Sie zu unserer heutigen Vertreterversammlung, die wie gewohnt im Vorfeld des Deutschen Ärztetages stattfindet. Ganz besonders herzlich heiße ich daher auch die Delegierten des 119. Deutschen Ärztetages hier bei uns willkommen.

Diese Vertreterversammlung heute steht im Blickpunkt: Nicht nur niedergelassene Kolleginnen und Kollegen schauen heute nach Hamburg, sondern mindestens genauso aufmerksam verfolgen Politik und Medien was heute in unserer Vertreterversammlung beraten und beschlossen wird.

Bevor ich dazu noch fortfahre erlauben Sie mir jedoch zuvor einige unserer heutigen Gäste besonders begrüßen zu dürfen:

Ich komme zurück zu unserer heutigen Vertreterversammlung.

Wir stehen als Selbstverwaltung vor essentiellen Fragen: Wofür wollen wir stehen? Für eine nicht endend wollende Selbstdemontage und am Ende den Verlust jeglicher Handlungsfähigkeit? Oder aber für einen inhaltlichen Aufbruch mit dem wir Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen geben:

Wie machen wir die ambulante Versorgung der Menschen in Deutschland zukunftsfest?

Wie meistern wir die Herausforderungen unserer gesellschaftlichen Entwicklung?

Was schlagen wir der Politik vor, aber auch: Was erwarten wir von der Politik?

Derzeit gibt es Anhaltspunkte in beide Richtungen: Selbstkritisch müssen wir zugestehen, selbst dafür gesorgt zu haben, dass der Eindruck einer Lagerbildung entstanden ist, Lager die sich unversöhnlich gegenüberstehen. Dies müssen wir überwinden!

Deshalb: Lassen Sie uns nicht die Fragen der siebziger und achtziger Jahre stellen, nach dem Motto „Hausarzt hier, Facharzt dort – ambulante Versorgung auf der einen, stationäre Versorgung auf der anderen Seite“. Lassen Sie uns vielmehr Fragen stellen, die hier und heute und in Zukunft entscheidend sind:

Wie stellen wir die Versorgung der Patienten vor dem Hintergrund einer sich wandelnden Gesellschaft sicher?

Wie können wir dies gemeinsam mit Krankenhäusern und zusammen mit anderen Heilberufen tun?

Erste Antworten darauf gibt unser Positionspapier, auf das ich heute noch zurückkommen werde.

Aber, meine sehr verehrten Kolleginnen und Kollegen, ich habe Hoffnung – und jetzt komme ich zu den Mut machenden Facetten: In ausgesprochen sachlicher Zusammenarbeit und engagierter Diskussion hat diese Vertreterversammlung in zwei Klausursitzungen ein politisches Programm erarbeitet, das auf die Zukunft ausgerichtet ist.

Dazu gehören Fragen nach dem optimalen Zusammenwirken von ambulantem und stationärem Sektor – Raus aus den Gräben, lautet hier unser Motto. Es geht aber auch um die Verantwortung, die jeder von uns, auch die Patienten, tragen. Verantwortung dafür, dass unser Gesundheitswesen auch in Zukunft mindestens so gut funktioniert wie bisher und gleichzeitig noch besser wird.

Allen Unkenrufen zum Trotz: Unser Gesundheitssystem mit seinen Grundsätzen wie freie Arztwahl, umfangreiche Leistungen für alle Versicherten - und das unabhängig von Einkommen und Vermögen - wird weltweit beneidet.

Und zu guter Letzt: Wie schaffen wir es, dass junge Ärzte und Psychotherapeuten in die Niederlassung gehen? Wie lösen wir die gesellschaftliche Aufgabe mit allen Akteuren, gerade die Niederlassung in der eigenen Praxis interessant und lohnend zu gestalten?

Antworten auf all diese Fragen liefert uns die Positionierung der Mitglieder der Vertreterversammlung. Heute werden wir diese verabschieden.

Das geschieht im öffentlichen Teil heute Vormittag.

Heute Nachmittag schließt sich dann ein geschlossener Teil an. Darin geht es um Sachverhalte, die kritisch sind und wahrlich kein gutes Licht auf unsere Selbstverwaltung und ihre Akteure werfen. Wir wollen und wir werden weiter aufklären. Das ist schmerzhaft, aber eben auch notwendig. Das sind wir den 165.000 Ärztinnen und Ärzten, den Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten schuldig.

Vor allem aber - und dies ist mein dringender Appell an uns alle: Lassen wir nicht zu, dass unsere Selbstverwaltung weiter beschädigt wird. Gerade auch unter dem Eindruck der Eckpunkte für ein sogenanntes „Selbstverwaltungsstärkungsgesetz“ wird überdeutlich, wie der Weg in eine zunehmend staatlich gelenkte Versorgungsstruktur aussehen kann, wenn wir nicht selbst aus unseren Problemen herausfinden.

In diesem Sinne wünsche ich uns allen eine engagierte Diskussion um Inhalte, um Positionen zu ergründen und zu begründen. Dabei wünsche ich mir einen Stil der Auseinandersetzung, der unserer Stellung als Vertreter akademischer Heilberufe angemessen ist.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.