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Blinatumomab

Handelsname: Blincyto®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie*

Pharmazeutischer Unternehmer: Amgen

Beginn des Verfahrens: 15.12.2015

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 02.06.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zwecksmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

Behandlung von Erwachsenen mit Philadelphia-Chromosom negativer, rezidivierter oder refraktärer B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie*

Bewertung des Ausmaßes des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien

Zusatznutzen ist nicht quantifizierbar

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.


Zusammenfassung:

Blinatumomab ist der erste zugelassene Vertreter aus der Wirkstoffgruppe der BiTE-Antikörper, einer neuen Form der Immuntherapie. Der Wirkstoff bindet sowohl an das CD19-Antigen der Tumorzelle als auch an das CD3-Antigen der T-Lymphozyten und fungiert so als eine Art Brücke zwischen T-Zellen und Tumor. Die B-Vorläufer akuter lymphatischer Leukämie (ALL) ist die häufigste Form der ALL. Das klinische Bild ist geprägt durch eine Panzytopenie infolge der Verdrängung des normalen Knochenmarks durch unreife leukämische Blasten sowie durch eine direkte Infiltration von Leukämiezellen. Der Verlauf ist rapide, die Sterblichkeit hoch: das mediane Gesamtüberleben nach Rezidiv beträgt drei bis fünf Monate.

Blinatumomab wurde als Arzneimittel zur Behandlung eines seltenen Leidens (Orphan Drug) zugelassen. Der medizinische Zusatznutzen gilt deshalb bereits durch die Zulassung als belegt. Der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) bewertet ausschließlich das Ausmaß des Zusatznutzens auf Grundlage der Zulassungsstudien.

Die Zulassung erfolgte auf Basis einer offenen einarmigen Phase-II-Studie bei 189 Patienten mit Ph- r/r B-Vorläufer ALL. Zum nicht-adjustierten historischen Vergleich hat der pharmazeutische Unternehmer eine einarmige retrospektive Kohortenstudie zur Salvage-Chemotherapie herangezogen. Das mediane Gesamtüberleben unter Blinatumomab war mit 6,1 Monaten fast doppelt so lang wie in der historischen Kontrolle mit 3,3 Monaten. Die Ein-Jahres-Überlebenswahrscheinlichkeit unter Blinatumomab betrug 27,9 %. Unerwünschte Ereignisse: Bei 51,7 % der Patienten traten neurologische Ereignisse und bei 63 % Infektionen auf. Ein Cytokin-Release-Syndrom (CRS) zeigte sich bei 12,7 % der Patienten, in der Regel in den ersten zwei Tagen nach Therapiebeginn während der initialen T-Zell-Aktivierung. Bei 33,3 % der Patienten führte ein unerwünschtes Ereignis zur Therapieunterbrechung. Daten zur Lebensqualität wurden nicht erhoben. Der historische Vergleich ist aus Sicht des G-BA mit vielen Limitationen versehen.

In der Gesamtschau wurde der Zusatznutzen als nicht quantifizierbar bewertet. Gründe für diese Bewertung sind insbesondere der fehlende Vergleichsarm der Zulassungsstudie und das resultierende hohe Verzerrungspotential. Zur Aussagesicherheit wird – wie bei Orphan Drugs üblich – keine Aussage getroffen.

Der Beschluss war zunächst bis zum 31.12.2016 befristet, weil die Ergebnisse der Phase-III-Studie TOWER noch nicht vorlagen. Am 20.10.2016 hat der G-BA beschlossen, die Befristung bis zum 15.06.2017 zu verlängern. Dann soll eine erneute Nutzenbewertung auf der Basis valider Daten erfolgen.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Blinatumomab muss durch einen auf dem Gebiet der Onkologie und in der Therapie von Patienten mit akuter lymphatischer Leukämie erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie).