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Reden

Förderung der Weiterbildung im ambulanten Bereich

Statement von Dipl.-Med. Regina Feldmann, Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung, anlässlich eines Pressegesprächs am 10. Juni 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

mit dem GKV-Versorgungsstärkungsgesetz ist die Förderung der Weiterbildung im ambulanten Bereich explizit ins SGB V festgeschrieben. Damit wurde ein wesentlicher Schritt getan, um die ambulante Weiterbildung zu stärken. Ein weiterer Schritt ist nun die dreiseitige Vereinbarung zwischen DKG, GKV und KBV, die sich derzeit im Unterschriftenverfahren befindet. Das ist ein großer Erfolg für die Kolleginnen und Kollegen sowie für die ambulante Versorgung überhaupt!

Wir brauchen diese Weiterbildungsförderung schon allein deswegen, weil wir jungen Ärzten die Gelegenheit geben wollen, Erfahrungen in der Niederlassung zu machen. Das ist das A und O, um beurteilen zu können, ob eine Niederlassung im weiteren Berufsleben in Frage kommen könnte. Außerdem ermöglicht die Weiterbildung in einer Praxis eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf als eine Tätigkeit in der Klinik. Die Weiterzubildenden können in der Praxis viel häufiger in Teilzeit arbeiten und ihre Weiterbildung in dem Tempo abschließen, das für sie angemessen ist. Und schließlich lassen sich manche Kompetenzen überhaupt nur – oder nur noch – in der Niederlassung erlernen.

Ein Grund, warum die Weiterbildung im ambulanten Bereich nicht stärker nachgefragt wurde, ist das Einkommen, das im Vergleich zum Krankenhaus eindeutig niedriger ist. Mit der Förderung wird diesem Manko nun abgeholfen. Weiterbildungsassistenten, deren Stellen gefördert werden, erhalten künftig ein Gehalt, das mit dem ihrer Kollegen in den Kliniken vergleichbar ist. Als positiv zu bewerten ist auch die Mindestzahl von 7.500 Förderungen in der Allgemeinmedizin. Hier gilt ein faktisches Begrenzungsverbot, denn jeder, der sich für eine Weiterbildung im hausärztlichen Bereich interessiert, soll künftig auch gefördert werden. Ich begrüße diesen Ansatz ausdrücklich. Denn die aktuellen Daten belegen, dass die Zahl der Hausärzte bereits kontinuierlich sinkt. Inzwischen gehen Prognosen für das Jahr 2030 von einem Rückgang um ca. 2,5 Prozent aus. Wenn man den Strukturwandel berücksichtigt, also zum Beispiel die Tatsache einrechnet, dass immer mehr Hausärzte in Teilzeit arbeiten, könnte die Absenkung sogar 6,5 Prozent im Vergleich zum Jahr 2014 betragen. Gleichzeitig können wir erwarten, dass im selben Zeitraum die Nachfrage hausärztlicher Leistungen um 3,6 Prozent zunimmt, was sich durch die Zunahme der allgemeinen Morbidität einer älter werdenden Bevölkerung begründet. Umso wichtiger ist es, den Nachwuchs rechtzeitig an die hausärztliche Tätigkeit heranzuführen. Dafür ist Weiterbildungsförderung ein wichtiges Mittel. Das gleiche gilt für die 1.000 Stellen für die ambulante Weiterbildung im fachärztlichen Bereich. Auch hier wird für die grundversorgenden Fächer ein Mangel prognostiziert, dem wir heute schon begegnen müssen.

Lassen Sie mich zum Schluss auch auf den Masterplan Medizinstudium 2020 einge-hen. Seit einigen Monaten nun diskutieren die politisch Verantwortlichen, die Univer-sitätskliniken, die Ärztekammern, die KBV und die Verbände der Medizinstudierenden, wie wir das Studium derart gestalten können, dass wir einem künftigen Ärztemangel zuvorkommen können. Leider geht die Debatte derzeit weg von einem verpflichtenden hausärztlichen Quartal während des Praktischen Jahres. Ich halte das eigentlich für unabdingbar. Ein Kompromissvorschlag sieht nun vor, ein Teil des PJ ganz allgemein in der Niederlassung zu verbringen. Selbst das wird von den Studie-renden vehement abgelehnt. Für mich ist das schwer verständlich.

Wir brauchen in der Zukunft junge Ärzte, die zumindest wissen, wie es in der Hausarztpraxis oder überhaupt in der Niederlassung aussieht. Das gehört zum Arztberuf elementar dazu, auch wenn später eine Tätigkeit in Klinik oder Forschung aufgenommen wird. Insofern werbe ich weiterhin dafür, dass die Studierenden schon während ihres Studiums an die Versorgung in der Niederlassung herangeführt werden.

Gefragt ist ein Gesamtkonzept, um den prognostizierten Ärztemangel zu entschärfen: eine bessere Auswahl der Studierenden, eine Reform des Studiums selber und eine generelle Förderung der Weiterbildung im ambulanten Bereich.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)