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Vismodegib

Handelsname: Erivedge®

Anwendungsgebiet: Behandlung des symptomatischen metastasierten Basalzellkarzinoms und des lokal fortgeschrittenen Basalkarzinoms bei Patienten, bei denen eine Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet ist*

Pharmazeutischer Unternehmer: Roche Pharma

Beginn des Verfahrens: 15.02.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 04.08.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation zwecksmäßige Vergleichstherapie Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens

symptomatisches metastasiertes Basalzellkarzinom und lokal fortgeschrittenes Basalkarzinom bei Patienten, bei denen eine Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet ist*

a) Patienten mit symptomatischem metastasiertem Basalzellkarzinom

Best Supportive Care, ggf. unter Einbeziehung einer Operation oder Strahlentherapie**

Zusatznutzen ist nicht belegt

b) Patienten mit lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom, die für eine Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet sind

Best Supportive Care**

Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.

** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Vismodegib ist seit August 2013 zur Behandlung des fortgeschrittenen Basalzellkarzinoms im Verkehr. Im Rahmen einer ersten frühen Nutzenbewertung kam der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) zu dem Ergebnis, dass für Patienten mit lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom, die für eine Operation oder Strahlentherapie nicht geeignet sind, ein Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen vorliegt. Für Patienten mit symptomatischem metastasiertem Basalzellkarzinom konnte kein Beleg für einen Zusatznutzen von Vismodegib festgestellt werden (Beschluss vom 06.02.2014).

Die ursprüngliche Bewertung basierte auf der noch nicht abgeschlossenen einarmigen open-label Phase-II-Studie ERIVANCE mit Vergleich der historischen Ausgangsdaten. Ein Vergleich mit Best Supportive Care – der vom G-BA festgelegten zweckmäßigen Vergleichstherapie – lag nicht vor. Es konnte nicht zweifelsfrei ausgeschlossen werden, dass die gezeigten Vorteile bei der Mortalität und Morbidität (bei begleitenden gravierenden Nebenwirkungen) nicht lediglich auf einer systematischen Verzerrung beruhten. Deshalb wurde der Beschluss für zwei Jahre befristet, um dem pharmazeutischen Unternehmer Gelegenheit zu geben, Follow-Up-Daten vorzulegen.

Im neuen Beschluss vom 04.08.2016 stellte der G-BA fest, dass die Auflagen der Befristung zwar weitgehend erfüllt waren. Aufgrund unvollständiger Daten konnte die Dauer des therapeutischen Ansprechens mit ca. 8 Monaten jedoch nur näherungsweise ermittelt werden. 22 von 63 Patienten mit lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom zeigten zum Zeitpunkt des final-konfirmatorischen Datenschnitts ein klinisches Ansprechen von relevanter Dauer, darunter befanden sich nach einer unabhängigen Bewertung vier Komplettremissionen. Dem standen schwere Nachteile in Form belastender Nebenwirkungen, Therapieabbrüche aufgrund unerwünschter Ereignisse und krankheits- und therapieassoziierte Todesfälle gegenüber. Für die Re-Evaluation lagen darüber hinaus keine auswertbaren neuen Daten vor.

Vor diesem Hintergrund bleibt es bei der ursprünglich vom G-BA vorgenommenen Einstufung des Zusatznutzens von Vismodegib: Zusatznutzen nicht belegt bei symptomatischem metastasiertem Basalzellkarzinom (aufgrund einer unzureichenden Beurteilungsgrundlage) und Anhaltspunkt für einen geringen Zusatznutzen bei lokal fortgeschrittenem Basalzellkarzinom.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Abwägung der Möglichkeit einer Operation, Strahlentherapie oder Behandlung mit Vismodegib sollte interdisziplinär erfolgen unter Einbeziehung von Fachärzten aus den Fachrichtungen der Chirurgie, der Strahlentherapie, der Haut- und Geschlechtskrankheiten, der Inneren Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie je nach Lokalisation ggf. von Fachärzten aus weiteren Fachrichtungen.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Vismodegib soll durch einen in der Therapie von Patienten mit dieser Indikation erfahrenen Facharzt erfolgen (Facharzt für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie, Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten sowie weitere an der Onkologie-Vereinbarung teilnehmende Ärzte aus anderen Fachgruppen).

Vismodegib wurde unter „Besonderen Bedingungen“ zugelassen. Das bedeutet, dass weitere Nachweise für den Nutzen des Arzneimittels erwartet werden. Die EMA wird neue Informationen zu diesem Arzneimittel mindestens jährlich bewerten und die Fachinformation, falls erforderlich, aktualisieren.

Die EMA hat weitere Datenerhebungen hinsichtlich Wirksamkeit und Sicherheit insbesondere für Patienten mit metastasiertem Basalzellkarzinom für erforderlich gehalten und wird gegebenenfalls die Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels aktualisieren. Folglich ist diesbezüglich insbesondere der Stand der Fachinformation auf Aktualität zu überprüfen, und Änderungen sind entsprechend zu berücksichtigen.

Entsprechend der Anforderungen an die Aktivitäten zur Risikominimierung im EPAR (European Public Assessment Report) muss vom pharmazeutischen Unternehmer den Ärzten ein Informationspaket zur Verfügung gestellt werden, das Informationen zur Sicherheit und zu Vorsichtmaßnahmen aufgrund des teratogenen Potentials enthält. Zudem ist jedem Patienten Informationsmaterial sowie eine Patientenkarte, in der die einzuhaltenden Maßnahmen zusammengefasst sind, zu übergeben.