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Osimertinib

Handelsname: Tagrisso®

Anwendungsgebiet: Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, nicht kleinzelligen Lungenkarzinom und einer positiven T790M-Mutation des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors*

Pharmazeutischer Unternehmer: AstraZeneca

Beginn des Verfahrens: 01.03.2016

Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses: 15.09.2016

Inhalt des Beschlusses:

Indikation  zweckmäßige Vergleichstherapie  Ausmaß und Wahrscheinlichkeit des Zusatznutzens 
Behandlung von Erwachsenen mit lokal fortgeschrittenem oder metastasiertem, nicht kleinzelligem Lungenkarzinom und einer positiven T790M-Mutation des epidermalen Wachstumsfaktor-Rezeptors* 1. Patienten mit T790M-Mutation nach Vorbehandlung mit einem EGFR**-TKI***
a) Patienten, für die eine zytotoxische Chemotherapie infrage kommt
  • Chemotherapie 
  • Best-Supportive-Care**** (für Patienten, die bereits eine zytotoxische Chemotherapie erhalten haben) 
Zusatznutzen ist nicht belegt
b) Patienten, für die eine zytotoxische Chemotherapie nicht infrage kommt
  • Best-Supportive-Care
Zusatznutzen ist nicht belegt
2. Nicht vorbehandelte Patienten mit einer de novo positiven T790M-Mutation
  • Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen: Gefitinib, Erlotinib oder Afatinib
  • Patienten mit ECOG-Performance-Status 0, 1 oder 2: Cisplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum (Vinorelbin, Gemcitabin, Docetaxel, Paclitaxel oder Pemetrexed)
  • Patienten mit erhöhtem Risiko für Cisplatin-induzierte Nebenwirkungen: Carboplatin in Kombination mit Drittgenerationszytostatikum
  • Patienten mit ECOG-Performance-Status 2: alternativ zur platinbasierten Kombinationsbehandlung: Monotherapie mit Gemcitabin oder Vinorelbin
Zusatznutzen ist nicht belegt
3. Patienten nach Vorbehandlung mit einer Platin-basierten Chemotherapie und einer de novo positiven T790M-Mutation
3a) Patienten, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Gefitinib oder Erlotinib angezeigt ist
  • Docetaxel oder Pemetrexed (Pemetrexed: außer bei überwiegend plattenepithelialer Histologie)
  • Gefitinib oder Erlotinib für Patienten mit aktivierenden EGFR-Mutationen, die noch nicht mit Gefitinib oder Erlotinib vorbehandelt wurden
Zusatznutzen ist nicht belegt
3b) Patienten, für die eine Therapie mit Docetaxel, Pemetrexed, Gefitinib oder Erlotinib nicht angezeigt ist
  • Best-Supportive-Care
Zusatznutzen ist nicht belegt

* Das zugelassene Anwendungsgebiet ist zusammenfassend dargestellt. Verbindlich sind die Angaben der Fachinformation.  ** Epidermal Growth Factor Receptor (epidermaler Wachstumsfaktor-Rezeptor) *** Tyrosinkinase-Inhibitor  **** Als „Best Supportive Care“ wird die Therapie verstanden, die eine bestmögliche, patientenindividuell optimierte, unterstützende Behandlung zur Linderung von Symptomen und Verbesserung der Lebensqualität gewährleistet.


Zusammenfassung:

Osimertinib gehört zur Substanzklasse der Tyrosinkinase-Inhibitoren (TKI) und ist seit März 2016 in Verkehr. Unter einer Therapie mit EGFR-TIK der ersten und zweiten Generation (Erlotinib, Gefitinib und Afatinib) entwickeln Patienten mit EGFR-aktivierenden Mutationen meist nach etwa einem Jahr Resistenzen. Bei 50 bis 60 % von ihnen wird eine T790M-Mutation in Tumorbiopsien festgestellt. Diese Mutation ist als ein zugrunde liegender Mechanismus für im Verlauf der Therapie auftretende Resistenzen bekannt. Daneben kann eine T790M-Mutation bereits vor einer Therapie mit EGFR-TIK vorliegen.

Für die frühe Nutzenbewertung von Osimertinib wurden in Abhängigkeit von der Vortherapie und des Allgemeinzustands der Patienten verschiedene Subgruppen gebildet. Für Patienten, für die eine zytotoxische Chemotherapie infrage kommt (Subgruppe 1a) lagen zum Zeitpunkt der Nutzenbewertung die Ergebnisse der vergleichenden Phase-III-Studie AURA3 noch nicht vor. Deshalb wurden unter anderem die Zulassungsstudien AURAex und AURA2 herangezogen. Diese waren aber nach Ansicht des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) nicht geeignet, einen Zusatznutzen zu belegen.

Für die Subgruppe 1b legte der pharmazeutische Unternehmer keine Daten vor. Für die Subgruppen 2 und 3 wurden nur einzelne Fälle beschrieben, jedoch kein Vergleich vorgelegt. Vor diesem Hintergrund befand der G-BA, dass der Zusatznutzen von Osimertinib in keiner der Subgruppen belegt ist.

Der Beschluss wurde unter Verweis auf die erwarteten Ergebnisse der AURA3-Studie bis zum 30.04.2017 befristet.

Hinweise für die Praxis

Anforderungen an eine qualitätsgesicherte Anwendung:

Die Vorgaben der Fachinformation sind zu berücksichtigen. Die europäische Zulassungsbehörde European Medicines Agency (EMA) stellt die Inhalte der Fachinformation auf ihrer Internetseite zur Verfügung.

Die Einleitung und Überwachung der Behandlung mit Osimertinib sollte nur durch in der Therapie von Patienten mit nicht kleinzelligem Lungenkarzinom erfahrene Fachärzte für Innere Medizin und Hämatologie und Onkologie sowie durch Fachärzte für Innere Medizin und Pneumologie oder Fachärzte für Lungenheilkunde und weitere an der Onkologie-Vereinbarung ...

Ganzen Text anzeigen

... teilnehmende Ärzte anderer Fachgruppen erfolgen.

Wird die Anwendung von Osimertinib zur Behandlung des lokal fortgeschrittenen oder metastasierten, nicht kleinzelligen Lungenkarzinoms in Betracht gezogen, muss zunächst der EGFR-T790M-Mutationsstatus mittels eines validierten Testverfahrens bestimmt werden. Dafür muss ein validierter Test durchgeführt werden, entweder unter Verwendung von Tumor-DNA aus einer Gewebeprobe stammend oder von zirkulierender Tumor-DNA (ctDNA), die aus einer Plasmaprobe gewonnen wurde. Nur robuste, zuverlässige und sensitive Tests mit erwiesener Eignung für die Bestimmung des T790M-Mutationsstatus von Tumor-DNA (aus einer Gewebe- oder Plasmaprobe) dürfen verwendet werden.

Die positive Bestimmung des T790M-Mutationsstatus mittels eines gewebebasierten oder plasmabasierten Tests zeigt die Eignung für eine Behandlung mit Osimertinib an. Wenn ein plasmabasierter ctDNA-Test verwendet wird und das Ergebnis negativ ist, empfiehlt es sich, nach Möglichkeit die Testung mit einem gewebebasierten Test anzuschließen, da die Anwendung eines plasmabasierten Tests möglicherweise falsch-negative Ergebnisse ergibt.