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Stand 30.08.2016

Reden

Statements zu den Ergebnissen der KBV-Versichertenbefragung 2016

30. August 2016

Dr. Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der KBV:

Sehr geehrte Damen und Herren,

auch nach zehn Jahren KBV-Versichertenbefragung können wir feststellen, dass sich die Zufriedenheitswerte der Patientinnen und Patienten mit ihren Ärztinnen und Ärzten auf einem durchgängig hohen und stabilen Niveau befinden. Ich sehe das als einen Beleg dafür, dass die flächendeckende ambulante Versorgung sehr gut funktioniert. Der Sicherstellungsauftrag wird erfolgreich umgesetzt.

Wir können auch festhalten, dass das Vertrauen der Patienten in ihre Ärzte durchgehend hoch ist, ebenso werden die fachlichen Qualitäten, der Umgang des Arztes mit seinen Patienten und die Verständlichkeit seiner Erklärungen für gut befunden.

Dennoch zeigt die Auswertung der Fokusgruppen, dass eine vertrauensvolle Atmosphäre auch leicht gestört wird beziehungsweise gar nicht erst entsteht, wenn der Arzt sich nicht genügend Zeit für den Patienten nehmen kann und dieser sich im Behandlungsprozess nicht angemessen gewürdigt sieht. Dies zeigt einmal mehr, wie bedeutend die persönliche Zuwendung im Rahmen der medizinischen Versorgung ist.

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Es ist also wichtig, die Rahmenbedingungen für ärztliches Handeln so zu gestalten, dass diese intensive Betreuung auch weiterhin möglich ist. Dazu gehört neben möglichst wenig Bürokratie und möglichst großer Therapiefreiheit ganz sicher auch ein angemessenes Honorar.

Die gleichbleibenden Werte zu den Wartezeiten interpretiere ich ebenfalls als einen Beleg dafür, dass das KV-System seinen Auftrag für eine flächendeckende Versorgung in unserem Land erfüllt. Gerade vor dem Hintergrund der Debatten über angeblich viel zu lange Wartezeiten, beweisen die Daten, auf welch hohem Niveau der Patientenversorgung wir uns tatsächlich bewegen. Ich wiederhole es gerne: Mit diesen Werten sind wir eines der besten Gesundheitssysteme weltweit, um das wir zu recht von vielen beneidet werden. Um es zuzuspitzen: Wer einen Arzt sprechen möchte, kann das in Deutschland innerhalb kürzester Zeit tun. Darauf können wir stolz darauf sein.

Natürlich gibt es Dinge, die zu verbessern sind. Die Wartezeiten auf so manche Facharzttermine sind möglicherweise zu kritisieren. Wir sollten aber bei diesem Phänomen nicht übersehen, dass solche Wartezeiten auch daher rühren, dass Patienten häufig zu einem ganz bestimmten Facharzt möchten. Dass dieser nicht alle immer sofort behandeln kann, liegt in der Natur der Sache. An dieser Stelle möchte ich da-rauf hinweisen, dass wir im Gemeinsamen Bundesausschuss derzeit gemeinsam mit den Partnern der Selbstverwaltung die Bedarfsplanung weiterentwickeln. Dabei sollten wir uns aber eingestehen, dass es hoher ökonomischer Aufwände bedarf, in strukturschwachen Regionen Arztpraxen vorzuhalten, in denen es mittlerweile kaum noch öffentliche Infrastruktur gibt.

Zum Thema Bedarfsplanung und Wartezeiten gehört auch die flächendeckende Bereitstellung des kassenärztlichen Bereitschaftsdienstes für die Patienten. Der Bereitschaftsdienst ist jeden Tag in der Woche nach Schließung der Praxen für unsere Patienten erreichbar, solange es sich nicht um echte Notfälle handelt, die natürlich im Krankenhaus versorgt werden müssen. Die Ergebnisse aus den Fokusgruppen zeigen, dass einige Patienten sich dessen überhaupt nicht bewusst sind. Vielleicht ist es ihnen auch nur „nicht mehr“ bewusst, weil die jüngere Generation kaum noch die regionalen Tageszeitungen liest, in denen die Bereitschaftsärzte verzeichnet sind.

Auch deshalb hat das KV-System eine bundesweit einheitliche und kostenfreie Rufnummer entwickelt – die 116 117 –, unter der außerhalb der Praxisöffnungszeiten ein Arzt zu sprechen ist, der gegebenenfalls einen nächtlichen Hausbesuch veranlasst oder auf eine geöffnete Bereitschaftsdienstpraxis in der Nähe verweisen kann. Ob-wohl wir im vergangenen Jahr fast sechs Millionen Anrufe verzeichnet haben, müssen wir uns eingestehen, dass die 116 117 in der breiten Bevölkerung noch längst nicht bekannt genug ist. Deshalb hat die KBV wieder eine größere Informationskampagne gestartet und stellt den Praxen Flyer und Plakate zur Verfügung, die zum Teil auch in mehreren Sprachen erhältlich sind.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)

Dipl.-Med. Regina Feldmann, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende der KBV:

Sehr geehrte Damen und Herren,

diese Versichertenbefragung zeigt, dass viele Patienten sich in der Versorgung auf Koordinierungsmodelle einlassen würden. Selbst wenn damit keine finanziellen Vorteile verbunden wären, kann sich die Hälfte der Befragten eine solche Koordination der Versorgung vorstellen.

Zwei Drittel würden ein solches Modell wählen, wenn sie dafür spürbar ermäßigte Krankenkassenbeiträge erwarten könnten. Allerdings zeigen die Ergebnisse aus den Fokusgruppen auch, dass es bei diesem Thema einige Unsicherheiten und auch Missverständnisse gibt. So wurde zum Beispiel die Befürchtung geäußert, dass der Patient in einem solchen Modell von seinem Hausarzt nur noch zu einem ganz bestimmten fachärztlichen Kollegen überwiesen werde.

Davon kann natürlich nicht die Rede sein. Es ist also noch jede Menge Aufklärungsarbeit nötig. Gleichwohl finde ich die Ergebnisse ermutigend, denn sie korrespondieren mit den Vorschlägen aus dem Positionspapier KBV 2020. Dort greifen wir eine bessere Koordinierung der Inanspruchnahme ärztlicher Leistungen explizit auf.

 

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Der Weg zu einer echten Koordinierung der Versorgung ist sicherlich noch weit und wir werden bei den institutionellen Partnern und bei der Politik noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen. Die grundsätzliche Bereitschaft der Patienten für solche Modelle zeigt mir aber, dass wir mit unserem Ansatz auf dem richtigen Weg sind.

Wie wichtig es ist, den ambulanten und stationären Sektor besser zu verzahnen, zeigt das Nutzungsverhalten der Patienten hinsichtlich der Notaufnahme der Krankenhäuser. Es gibt Tendenzen, gerade am Wochenende eine Rund-um-Versorgung im Krankenhaus in Anspruch zu nehmen. Viele dieser Fälle gehören aber in den kassenärztlichen Bereitschaftsdienst und sollten die Notfallambulanzen nicht verstopfen, denn dort blockieren sie die Behandlung der echten Notfälle.

 Zur Lösung dieses Problems ist eine enge Zusammenarbeit zwischen dem ambulanten und stationären Sektor nötig. Um die Finanzierung des Gesamtssystems zu schützen, kann es nicht der Wahl des Patienten überlassen werden, wo eine Behandlung am Wochenende erfolgt. Hierzu können zukünftig Portalpraxen einen wichtigen Beitrag leisten, da sie ihre Tätigkeit an der Schnittstelle zwischen ambulantem und stationärem Sektor leisten.

Lassen Sie mich zum Schluss noch eine Bemerkung zur Diskretion am Praxisempfang machen: Wenn knapp die Hälfte der Befragten den Schutz der persönlichen Belange als nicht zureichend empfindet, dann muss uns das für die Praxisorganisation zu denken geben.

Manchmal ist es schwierig, in einer vollen Praxis die optimale Beratungssituation herzustellen, zumal sich der Empfang heute als zentraler Sammelpunkt einer Praxis etabliert hat. Wir sollten uns deshalb alle stärker bewusst machen, dass Sensibilität im Umgang mit den Daten unserer Patienten eine wichtige Größe ist, auf die wir besonders achten müssen.


Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort.)

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