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Stand 05.10.2016

Reden

Vorstellung einer Arztzahlprognose

Statements der KBV-Vorstandsmitglieder zur der Vorstellung der Arztzahlprognose auf der KBV-Herbsttagung am 5. Oktober 2016 in Berlin

Statement des KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Gassen:

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich denke, es ist deutlich geworden, dass wir mit dem Modell zur Arztzahlprognose ein gutes Instrument haben, um verschiedene Szenarien der demografischen und wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland durchzuspielen. Wie auch immer die Ergebnisse dabei aussehen, sie verweisen doch stets auf den einen zentralen Gradmesser für die Versorgung: Wie geht es der selbständigen Arztpraxis?

Deshalb sollten wir alles dafür tun, um die Freiberuflichkeit und die wirtschaftliche Selbständigkeit der Ärzte und Psychotherapeuten zu stärken. Dafür brauchen wir die entsprechenden Rahmenbedingungen: ein angemessenes Einkommen, wenig Bürokratie und die garantierte Therapiefreiheit im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben.

Auch lernen wir aus der Betrachtung der ärztlichen Arbeitsstunden, dass es der selbständige Arzt ist, der durchschnittlich am meisten arbeitet. Selbst wenn wir davon ausgehen, dass künftig bis zu 30 Prozent der Ärzte im ambulanten Bereich als Angestellte tätig sind, sind doch die meisten wirtschaftlich selbständig. Diese selbständigen Arztpraxen leisten den Großteil der Versorgung.

Ich möchte damit die Arbeit der angestellten Kollegen nicht kleinreden. Natürlich ist es legitim, seine berufliche Tätigkeit generell oder in bestimmten Lebensphasen an Anstellung und/oder Teilzeitarbeit auszurichten. Das sind die Erfordernisse der modernen Arbeitswelt. Aber wir dürfen die selbständigen Arztpraxen dabei nicht vergessen – sie müssen wir stärken. Sie sind es schließlich, bei denen die Angestellten beschäftigt werden.

Wir sollten deshalb beiden Gruppen gute Angebote machen. Den Praxisinhabern eine angemessene Vergütung garantieren – und zwar ohne Budgetierung ihrer Leistungen – und den Angestellten flexible Arbeitsformen, die ihren Bedürfnissen entgegenkommen und die auch dem modernen Familienbild entsprechen.

Das ist die Aufgabe der KBV, der wir beharrlich nachgehen. Mit der Arztzahlprognose können wir nun genauer argumentieren, an welchen Stellschrauben wir nachjustieren müssen. Wir gewinnen damit Argumente, die wir gegenüber der Politik, den Kassen, aber auch in Richtung der Vertragsärzteschaft anbringen können.

Wir haben eben gehört, dass sich neben den Hausärzten auch im Bereich der fachärztlichen Grundversorgung eine Lücke auftun wird. Diese aber ist das Rückgrat der fachärztlichen Versorgung – und ausgerechnet diese Gruppen rangieren am unteren Ende der Einkommensskala.

Hier sind sicherlich die regionalen KVen gefragt, einen Honorarverteilungsmaßstab aufzulegen, der für einen vernünftigen Ausgleich zwischen den Arztgruppen sorgt. Es muss sich aber auch etwas bei den auf Bundesebene vereinbarten Honoraren ändern. Als KBV haben wir die fachärztliche Grundpauschale verhandelt, die seit 2013 wirkt. Sie stärkt die konservativen Behandlungsformen und die sprechende Medizin. Auch die anstehende EBM Reform muss hier Effekte erzielen.

Zu den richtigen Rahmenbedingungen für die Ärzte und Psychotherapeuten in der ambulanten Versorgung gehört auch die etablierte Selbstverwaltung. Es ist unser Selbstverständnis als Angehörige eines freien Berufes unsere Dinge selbst zu regeln – und in ganz überwiegendem Maße gelingt das auch hervorragend. Dasselbe gilt für die gemeinsame Selbstverwaltung mit den Krankenkassen und den Kliniken.

Mit dem neuen Gesetzentwurf, der seit einer Woche kursiert, werden die Selbstverwaltungsorgane aber geschwächt und nicht gestärkt. Damit kommen wir in gefährliches Fahrwasser. Wir haben in Deutschland nicht ohne Grund eine Versorgung auf dem hohen Niveau, an das wir uns längst gewöhnt haben. Ich warne deswegen eindringlich davor, Strukturen zu schaffen, die uns Ärzten und Psychotherapeuten später die Luft zum Atmen nehmen.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort)

 

Statement der stellvertretenden KBV-Vorstandsvorsitzenden Dipl.-Med. Regina Feldmann:

Sehr geehrte Damen und Herren,

wenn wir einen Blick in die Zukunft werfen, stellen wir nicht besonders überrascht fest, dass es vor allem die Hausärzte sind, die uns in den kommenden Jahrzehnten fehlen werden. Die KBV und die KVen haben auf diesen sich abzeichnenden Trend schon vor einiger Zeit reagiert. Die Daten bestätigen uns nun darin und verpflichten uns, unsere Aktivitäten zu intensivieren und diese Entwicklung zu stoppen.

Das heißt zum Beispiel, dass wir die Ausbildung verändern und die ambulante Weiterbildung weiter stärken müssen. Ich habe dieses Thema seit meinem Amtsantritt bei der KBV in die Diskussionen eingebracht. Unsere klare und faktenbasierte Argumentation wurde von der Politik angenommen.

So ist im Versorgungstärkungsgesetz von 2015 die finanzielle Förderung der ambulanten Weiterbildung in der Allgemeinmedizin mit mindestens 7.500 Stellen und erstmals 1.000 fachärztlichen Stellen gesetzlich festgeschrieben. Wir sollten aber noch mehr in die Zukunft denken und die Idee einer Stiftung Weiterbildung unbedingt weiterverfolgen.

Generell gilt, dass wir die jungen Ärzte schon früh mit den Bedingungen des ambulanten Bereiches vertraut machen müssen. Nur so können sie realistisch einschätzen, ob die eigene Praxis für sie eine Option ist oder nicht. Die Rahmenbedingungen für die Berufsausübung im hausärztlichen und fachärztlichen Bereich in eigener Praxis haben sich entscheidend gewandelt.

Wir arbeiten häufig in Kooperation oder in Netzstrukturen, es gibt die Möglichkeiten von Zweigpraxen. Außerdem konnten Regressgefahr und Bürokratie gesenkt werden. Es gibt also viele gute Gründe für eine Niederlassung als Hausarzt – wir als KBV und die KVen werden sie in Zukunft noch deutlicher benennen.
Ein Instrument der Niederlassungsförderung sind Praxen im KV-Eigenbetrieb.

Als ich diesen Gedanken vor einigen Jahren das erste Mal formulierte, brachte mir das viel Gegenwind ein. Mittlerweile hat sich das Konzept bewährt. Die Praxen im KV-Eigenbetrieb fungieren als eine Art Niederlassungsfahrschule, um die Kollegen behutsam an die eigene Praxisleitung heranzuführen und den Kollegen den Einstieg in die Selbstständigkeit zu erleichtern.

Ich möchte diese Gelegenheit noch einmal nutzen, um darauf hinzuweisen, dass die Anstrengungen für den Masterplan Medizinstudium 2020 unbedingt zu einem vernünftigen Abschluss gebracht werden müssen. Dazu gehört meiner Meinung nach die Einführung eines verpflichtenden Teils des PJ in der vertragsärztlichen Versorgung.

Auch sind die Inhalte des Studiums so zu gestalten, dass wir die Medizinstudierenden für die ambulante Medizin interessieren, wenn nicht gar begeistern. Das ist unsere Verantwortung – und das sind wir unseren Patienten schuldig.

Vielen Dank.

(Es gilt das gesprochene Wort)