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Stand 02.12.2016

Reden

Vorschläge zur Entlastung von Notfallambulanzen

Rede des KBV-Vorstandsvorsitzenden Dr. Andreas Gassen während eines Pressegesprächs am 2. Dezember 2016

Sehr geehrte Damen und Herren,

dass zu viele Patienten die Notaufnahmen aufsuchen, obwohl eigentlich der vertragsärztliche Bereitschaftsdienst für sie zuständig wäre, ist hinlänglich bekannt.

Man kann darauf verschiedentlich reagieren. Auf Seiten der Krankenhäuser wird beispielsweise die Summe von 1 Milliarde Euro in den Raum geworfen, die sie durch die ungesteuerte Inanspruchnahme ihrer Notfallambulanzen mit Bagatellfällen auszugleichen haben.

Dass diese Summe schön- bzw. „schlecht“-gerechnet ist, werden wir Ihnen gleich in einem Gutachten zeigen können. Nichtsdestotrotz bleibt das Problem bestehen und brauchen wir neue Lösungsansätze.
Das lässt uns Vertragsärzte mehrere Konsequenzen ziehen. Die erste laute: Wir machen den vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst deutlich bekannter.

Vielen Patienten ist gar nicht bewusst, dass es diesen Bereitschaftsdienst gibt – und das nicht erst seit gestern. Wir werden deshalb die bundeseinheitliche Rufnummer 116 117 stärker bewerben. Dazu haben wir bereits die ersten Maßnahmen beschlossen – unter anderem wird die Kampagne der Vertragsärzte und Vertragspsychotherapeuten auch einen Fokus auf die 116 117 legen.

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Zweitens werden wir – wie im Konzept KBV 2020 vorgesehen – die regionale Zusammenarbeit mit den Kliniken für eine koordinierte Notfallversorgung voranbringen. Dafür haben wir der Deutschen Krankenhausgesellschaft mehrfach unsere Zusammenarbeit angeboten.

Das kann beispielsweise über die Einrichtung von Portalpraxen an Kliniken geschehen, die entweder von den Vertragsärzten, oder aber in Kooperation mit Klinikärzten betrieben werden. Da gibt es in den Regionen schon hervorragende und gut funktionierende Modelle.

Fakt ist: Wir brauchen eine vernünftige Triagierung der Patienten, um die echten Notfälle von den leichten Fällen zu trennen. Denn in die Klinikambulanzen gehören nur die wirklich schweren Fälle. Nur für diese Patienten werden die entsprechende Technik und das entsprechende Personal vorgehalten. Alle anderen, man muss es leider so sagen, verstopfen die Notfallambulanzen zulasten derjenigen, die sie dringend nötig haben.

Drittens sind wir vom Gesetzgeber aufgefordert, im ergänzten Bewertungsausschuss ein neues Vergütungssystem für den Notfalldienst zu etablieren, das nach Schweregrad der Fälle unterscheidet. Natürlich erkennen wir an, dass eine Krankenhausambulanz mit den nach EBM-Vergütung honorierten Notfällen, die eigentlich nicht ins Krankenhaus gehören, ihre technischen und personellen Aufwände nicht decken kann.

Die EBM-Vergütung von ca. 32 Euro pro Fall gleicht die Kosten einer Notfallambulanz von ca. 120 Euro pro Fall nicht aus. Zur ganzen Wahrheit gehört aber auch: Für die leichten Fälle, die eigentlich im vertragsärztlichen Bereitschaftsdienst behandelt werden müssten, ist eine Klinikambulanz eben nicht gedacht.

Es liegt jetzt ein Konzept der KBV vor, das Elemente der Vorschläge der Deutschen Krankenhausgesellschaft und des GKV-Spitzenverbandes für eine neue Notfallvergütung zusammenführt. Ich denke, mit diesem Vorschlag kommen wir zu einer Vergütung, die die Bedürfnisse der Kliniken sachgerecht abbildet. Nun liegt der Ball im Feld der DKG – ich denke, unser Ansatz ist nachvollziehbar und konsensfähig.

Allerdings fordern wir von den Kliniken auch, sich für eine weitergehende kooperative Zusammenarbeit zu öffnen. Wenn manche Krankenhäuser offensiv damit werben, Patienten an 24 Stunden am Tag und an sieben Tagen in der Woche in ihren Ambulanzen zu versorgen, dann ist das Ziel ist klar: Man versucht über die Notfallambulanzen neue Patienten zu akquirieren, um unausgelastete Klinikabteilungen aufzufüllen.

Deswegen habe ich in den vergangenen Monaten immer wieder darauf hingewiesen, dass die Zahl der sogenannten ambulant-sensitiven Krankenhausfälle deutlich zugenommen hat. Jener Fälle also, die zwar als Kurzzeitlieger im Krankenhaus behandelt wurden, die dort aber eigentlich nicht hingehört hätten.

Die Kosten, die sich aus solchen ASK-Fällen summieren, und die Kosten, die aus Behandlungen von leichten Fällen in den Notfallambulanzen entstehen, sind beträchtlich. Sie liegen bei etwa 5 Milliarden Euro im Jahr, die dem vertragsärztlichen Vergütungssystem entzogen werden. Gelder, die an anderer Stelle in der ambulanten Versorgung fehlen.

Wir sollten deshalb offen diskutieren, wie die Überkapazitäten abgebaut werden und wie der Grundsatz „ambulant vor stationär“ stärker berücksichtigt werden kann. Er ist ja nicht ohne Grund in das SGB V aufgenommen werden. Unter anderem auch deshalb, weil unnötige Krankenhausbehandlungen schlichtweg zu teuer sind, wie wir am Thema Notfallversorgung deutlich beobachten können.

Vielen Dank.
(Es gilt das gesprochene Wort.)

Material des Pressegesprächs